Weiterbildung zum Aerobic-Trainer Test

Die Anforderungen an Aerobic-Trainer steigen: Das Kursangebot wird vielfältiger, die Kursteilnehmer werden älter, Spezialisierung ist gefragt. Wer davon träumt, das Hobby zum Beruf zu machen, aufgepasst: Nicht alle Weiterbildungen bereiten gut auf das Trainerdasein vor.

Aerobic ist „out“? Von wegen. Seit die US-Schauspielerin Jane Fonda die Frauen in den 80er Jahren ins Schwitzen brachte, sind zwar Stirnband und Stulpen aus der Mode gekommen, der Aerobicsport an sich aber nicht. Die Zahl der Aktiven steigt seit Jahren. Heute sind es etwa 785.000 bundesweit, davon 90 Prozent Frauen. Was früher ein Gymnastiktraining zu Musik war, ist längst ein Sport mit vielen Gesichtern. Varianten wie Step-, Dance-, Salsa-Aerobic und TaeBo sind entstanden. Auch Yoga und Pilates gehören heute zur Angebotspalette in Vereinen und Sportstudios. Das vielfältige Kursangebot macht eine Spezialisierung der Trainer unumgänglich. „Auch unterschiedliche Zielgruppen haben die Anforderungen an Aerobic-Trainer steigen lassen. Das gilt vor allem im Hinblick auf die immer älter werdenden Kursteilnehmer“, sagt Dr. Michael Siewers vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

B-Lizenz am häufigsten

Wer in einem seriösen Sportstudio haupt- oder nebenberuflich als Trainer arbeiten möchte, muss in der Regel eine Lizenz vorweisen. Sie kann über eine Weiterbildung bei einem der anerkannten Fachverbände wie dem Deutschen Fitness und Aerobic Verband (DFAV) oder bei freien Trägern der Fitnessbranche erworben werden. Verwirrend jedoch: Die Abschlussbezeichnungen variieren, denn die Lizenz ist rechtlich nicht geschützt. Am häufigsten ist von der Aerobic-B-Lizenz die Rede, aber auch Bezeichnungen wie Aerobic-Instructor-Diplom oder Aerobic-Basic-Diplom kursieren. Da es weder allgemein verbindliche Ausbildungsstandards noch Prüfungsordnungen gibt, ist es für Aerobic-Fans, die auf die Trainerseite wechseln wollen, nicht leicht, sich einen Überblick über die verschiedenen Kursangebote und Abschlüsse zu verschaffen. Zumal sich die Lehrgänge in Dauer (zweieinhalb bis 13 Tage) und Kosten (470 bis 1350 Euro) stark unterscheiden.

Teure Kurse waren professionell

Wir haben zehn sportliche Damen und Herren als verdeckte Testpersonen in zehn Lehrgänge verschiedener Anbieter geschickt, die zu einer Trainertätigkeit qualifizieren sollten. Abgesehen von einem schlossen alle mit einer Prüfung ab. Die ausgewählten Kurse wurden einmalig von einer Testperson besucht, Inhalt und Durchführung anhand eines Anforderungsprofils betrachtet und kommentiert. Außerdem haben wir die Organisation des Lehrgangs, den Informationsgehalt von Webseiten und Broschüren und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (vgl. So sind wir vorgegangen) unter die Lupe genommen. Fazit: Nicht alle Kurse bereiten ausreichend auf eine Trainertätigkeit vor. Den professionellsten Eindruck machten die Lehrgänge bei Euro Education, Safs & Beta, IFAA und More to Move on – die vier teuersten Kurse im Test. Nach dem Besuch dort fühlten sich unsere Testpersonen gut gerüstet für die Praxis.

Wichtigste Inhalte überall vermittelt

Die wichtigsten Inhalte wurden in allen besuchten Lehrgängen behandelt. Notwendige Themen wie anatomische Grundlagen, Trainingslehre und Choreographie bildeten überall Schwerpunkte. Bei der Fitness Point Akademie nahm die Vermittlung von medizinischem Wissen großen Raum ein. Nicht nur dort, auch bei anderen Anbietern kamen Themen zu kurz, die auf die eigentlichen Traineraufgaben vorbereiten sollen: Wie gehe ich mit den Teilnehmern um? Wie positioniere ich mich als Trainer vor der Gruppe? Was ist bei speziellen Zielgruppen wie Schwangeren und Übergewichtigen zu beachten?

Musik kam zu kurz

Die Verwendung von Musik im Training wurde in vielen Kursen nur gestreift. Eine der Lehrkräfte bei IFAA zeigte sich zudem nicht in jedem Fall sattelfest auf diesem Gebiet. Wiederholt verwechselte sie die Begriffe „Takt“ und „Beat“, den Taktschlag. Ein Vier-Viertel-Takt, wie im Aerobic-Training in der Regel verwendet, hat vier Beats pro Takt. Die korrekte Bezeichnung ist wichtig, damit Lernende nachvollziehen können, wie Musik und Schritte miteinander verbunden werden. „Anhand der Praxis wurde klar, was tatsächlich gemeint war, aber die Erklärungen des Dozenten sorgten für Verwirrung“, erzählt die Testerin.

Theorie und Praxis nicht verzahnt

Schade auch, dass in vielen Kursen Theorie und Praxis zu wenig vernetzt wurden. Die Fitness Point Akademie etwa begann ihren Kurs mit drei Theorietagen, gefolgt von drei Praxistagen. Darunter litt die Verzahnung der einzelnen Inhalte. Dies wurde durch den Einsatz unterschiedlicher Trainer innerhalb der Abschnitte noch verstärkt. Ähnlich ungünstig die Form, die IFAA wählte: Dort wurden die medizinisch-anatomischen Themen an einem Wochenende vermittelt – eine Menge Stoff, der viele überforderte. Gut dagegen: Safs & Beta und More to move on legten Wert darauf, ständig zwischen Theorie- und Praxisteilen zu wechseln. Beiden Kursen kam zugute, dass sie nicht auf mehrere Wochenenden verteilt, sondern im Block stattfanden.

Überwiegend Frontalunterricht

Vor allem bei der Vermittlung der theoretischen Inhalte vermissten unsere Testpersonen abwechslungsreiche Lehrmethoden. Beim Bildungswerk VTF zum Beispiel musste sich unsere Testperson lange Referate der Dozenten anhören. Unerfreulich war auch, dass Zwischenfragen der Teilnehmer von einer Lehrkraft mit „Das ist eben so“ oder „Guck´ das selbst zu Hause nach“ beantwortet wurden. Bei Butera wurde über lange Strecken aus dem Lehrgangsskript vorgelesen. Frontalunterricht überwog auch bei der Fitness Point Akademie. Partner- und Gruppenarbeiten blieben fast überall Mangelware. Das Lernumfeld war insgesamt gut. Alle Anbieter verfügen über Räume, die mit Schwingböden ausgestattet sind - ein absolutes Muss für High-Impact-Übungen. Darunter versteht man gesprungene Schrittfolgen mit hoher Aufprallwucht. Für gelenkschonende Low-Impact-Übungen genügt auch ein anderer Boden. Bei Medical Move zum Beispiel wurden nach eigenen Angaben Low-Impact-Schritte auf einem mit Teppich verlegten Holzfußboden durchgeführt. Für die High-Impact-Übungen ging es in einen Raum mit Schwingboden.

Mangelware Wasser

Große Defizite stellten wir beim Service fest, vor allem was die Verpflegung betraf. Bei Seminarkosten um 1000 Euro sollten Kursteilnehmer angesichts schweißtreibender Übungen zumindest ausreichend Mineralwasser und etwas Obst erwarten dürfen. Bei vielen Anbietern gab es nicht einmal ein Glas Wasser umsonst. Die Kommunikation der Anbieter mit den Testern verlief im Vorfeld oft anonym und wenig kundenorientiert. So ließ beispielsweise das Infomaterial von ASP und Safs & Beta auf sich warten, von More to move on kam überhaupt nichts. Die Tester von Butera und DEHAG erhielten keine Anmeldebestätigung. In der Kategorie Servicequalität erreichte damit keiner der zehn Anbieter die Einstufung „hoch“.

Printinfos nicht zeitgemäß

Mit professionellen Webauftritten und sehr gutem schriftlichen Infomaterial konnten vor allen anderen Anbietern das Bildungswerk VTF, Safs & Beta und IFAA überzeugen. Nicht auf der Höhe der Zeit dagegen das Printmaterial der DEHAG Academy: eine schlecht kopierte Loseblatt-Sammlung. Schade auch: Die Fitness Point Akademie weist im Infomaterial nicht explizit darauf hin, dass ihr Lehrgang ohne Prüfung abschließt und lediglich die Teilnahme bestätigt wird. Das irritierte einige Teilnehmer. Aufpassen und gut lesen heißt es bei den Vertragsbedingungen. In den Klauselwerken wurden teilweise große Mängel festgestellt. Bei sieben von zehn Anbietern wurde die Qualität mit „niedrig“ eingestuft. Ein effektives Aerobic-Training hängt entscheidend von den Fähigkeiten des Trainers ab: Er muss die Unterrichtsstunde gut planen, durchführen und allen Kursteilnehmern gerecht werden. Selbstbewusst als Trainer vor einer Gruppe zu agieren mit dem Ablauf einer kompletten Unterrichtsstunde im Kopf, ist auch nach bestandener Abschlussprüfung keine leichte Aufgabe. Die Durchfallquote liegt übrigens bei einigen Anbietern bei bis zu 30 Prozent. Die Aussichten, mit der „Lizenz zum Schwitzen“ zumindest nebenberuflich – wie 95 Prozent der Aerobic-Trainer in Deutschland – in einem Studio oder Verein zu unterrichten, sind nicht schlecht. Beim DFAV geht man davon aus, dass der Bedarf an qualifizierten Aerobic-Trainern in den kommenden Jahren steigen wird – dem wachsenden Gesundheitsbewusstsein der Deutschen sei Dank. Aerobic ist eben immer noch „in“.

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