Doppelt hält ja bekanntlich besser. Doch gerade in Sachen Bildung ist Zeit ein zu kostbares Gut, als dass gleiche Inhalte mehrfach gebüffelt werden müssten. Künftig sollen daher auch außerhalb der Hochschulen erworbene Fähigkeiten und Kenntnisse auf ein Studium angerechnet werden können.

„Bildungswege besser verzahnen“

„Die verschiedenen Bildungswege und Lernorte müssen besser verzahnt sein und durchlässiger werden“, heißt es in einer gemeinsamen Empfehlung des Bundesbildungsministeriums (BMBF), der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Nach ihren Vorstellungen sollen die Hochschulen für berufliche Weiterbildung künftig so genannte Leistungspunkte vergeben, die dann bei der Aufnahme eines Studiums angerechnet werden. „So lassen sich Ausbildungen in verschiedenen Einrichtungen effizient verbinden“, erklärte KMK-Präsidentin Karin Wolf. Das neue Punktesystem wird an den Hochschulen bereits schrittweise eingeführt.

Prüfungsleistungen werden belohnt

Punkte gibt es immer dann, wenn die berufliche Fortbildung in Sachen Inhalt und Niveau den Anforderungen der Hochschulen entspricht und die abgelegten Prüfungsleistungen die Bedingungen im angestrebten Studiengang erfüllen. Ob das zutrifft, entscheidet die jeweilige Hochschule. Sie legt die Anforderungen fest und prüft auch, ob außerhalb abgelegte Prüfungen gleichwertig sind, betont HRK-Präsident Peter Gaehtgens: „Es wird künftig mehr auf die Inhalte der erworbenen Qualifikation ankommen und weniger darauf, wo diese erworben wurden“.

Als Beispiele für anrechenbare Qualifizierungen werden beispielsweise die im vergangenen Jahr eingeführten IT-Fortbildungsberufe wie IT-Entwickler und IT-Berater genannt sowie unterschiedliche Abschlüsse von Fachschulen. Um jeweils aufwändige Einzelfallprüfungen zu vermeiden, regte Bildungsministerin Edelgard Bulmahn entsprechende Vereinbarungen zwischen einzelnen Hochschulen, vor allem aber mit den Kammern und anderen Bildungsträgern an.

ECTS dient als Vorbild

Vorbild für die Vergabe der Leistungspunkte ist das von der EU-Kommission schon 1989 eingeführte „European Credit Transfer System“ ( ECTS): Europäische Hochschulen nutzen es bereits seit einigen Jahren, um innerhalb Europas erbrachte Studien- und Prüfungsleistungen einheitlich zu bewerten. So kann die Heimatuniversität auch Studienaufenthalte im Ausland so weit wie möglich anerkennen. Vorher blieb das den Studenten wegen der verschiedenen nationalen Studiensysteme und der unterschiedlichen Studien- und Prüfungsanforderungen meist versagt.

Beim ECTS sind einzelne Lehrveranstaltungen oder Leistungen so genannten „Credits“ (Anrechnungspunkten) zugeordnet. Sie geben jeweils den Arbeitsaufwand an, der mit einer bestimmten Veranstaltung oder dem Bestehen einer bestimmten Prüfung verbunden ist. Alle Studienleistungen werden dann auf einem so genannten Stammblatt dokumentiert.

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