Weiterbildung im Beruf Meldung

Viele Arbeitnehmer studieren nach der Arbeit. Das Studium soll ihnen eine bessere ­berufliche Position, mehr Gehalt oder einfach nur den Arbeitsplatz sichern. Jetzt muss der Bundesfinanzhof entscheiden, ob sie mehr Geld absetzen können.

Eine Klagewelle überrollt die Finanzgerichte. Allein der Bundesfinanzhof (BFH) muss über 20 Musterprozesse zum Abzug von Studienkosten entscheiden. Die Kläger haben sehr unterschiedliche Berufe. Sie sind etwa Betriebswirte, Industrieelektroniker, Lehrer, Krankenschwestern, Büro- oder Bankkaufleute. Alle waren neben der Arbeit an Universitäten, Hochschulen oder Fachhochschulen eingeschrieben und haben dort Diplome oder andere für den Beruf wichtige Abschlüsse gemacht. Jetzt sollen die Finanzämter die Kosten für das Studium als berufliche Fortbildung anerkennen.

Neuer Trend

Weiterbildung im Beruf Meldung

Kommen sie damit beim Bundesfinanzhof durch, können sie ihre Ausgaben als Werbungskosten absetzen und viel mehr Steuern sparen, als das Finanzamt bisher zulässt. Zurzeit zieht es die Kosten für das Studium nur sehr begrenzt als Sonderausgaben ab.

Dagegen konnten sich zwar bereits viele Arbeitnehmer erfolgreich beim Finanzgericht wehren. Doch die Finanzämter sind in Revision gegangen. Dadurch ist wieder alles offen.

Und es gibt auch Finanzgerichte, bei denen die Kläger verloren haben. Manche Richter wollten sogar die Revision nicht zulassen. Der Bundesfinanzhof hat den Weg jedoch frei gemacht, nachdem die Kläger bei ihm Beschwerde eingelegt hatten. Das höchste Finanzgericht hat die Prozesse angenommen, obwohl die Richter der ersten Instanz so geurteilt haben wie der BFH es bisher in seinen Musterprozessen selbst getan hat. Es kann deshalb gut sein, dass er seine Rechtsprechung zum Abzug von Studienkosten ändert.

Noch in diesem Jahr will der BFH in einer Reihe von Fällen prüfen, ob seine Rechtsprechung von früher mit den Anforderungen der heutigen Berufswelt noch Schritt hält. Tut sie das nicht und erkennen die Richter in München deshalb berufsbegleitende Studiengänge als Fortbildung an, haben studierende Arbeitnehmer beim Finanzamt ganz neue Chancen zum Steuernsparen.

Betroffene sollten deshalb ihre Steuerbescheide bis zur endgültigen juristischen Klärung durch Einsprüche offen halten. Dann können sie von der neuen Rechtsprechung des BFH profitieren, wenn die späteren Urteile für sie günstig sind. Dazu muss ihr Einspruch spätestens einen Monat nach Bekanntgabe der strittigen Steuerbescheide beim Finanzamt sein.

In der Tabelle auf den nächsten Seiten hat Finanztest die wichtigsten Musterprozesse zum Einklinken aufgelistet. Wer in einzelnen Verfahren Parallelen zum eigenen Fall entdeckt, sollte in ­seinem Einspruch die dazugehörigen BFH-Aktenzeichen angeben und ihn so wie im Musterbrief oben formulieren. Dann ist im Streit um die Anerkennung von Fortbildungskosten noch alles drin.

Viel Geld im Spiel

Weiterbildung im Beruf Meldung

Bisher waren berufsbegleitende Studien­gänge, mit denen Arbeitnehmer erstmals einen akademischen Grad oder ­Titel erlangten, für den Bundesfinanzhof in München jedenfalls keine Fortbildung. Selbst wenn jemand bereits Jahre im später studierten Fach berufstätig war, klassifizierten die obersten ­Finanzrichter das Erststudium als Ausbildung für einen ganz neuen Beruf. Das Finanzamt zieht deshalb die Kosten für ein solches Studium bis heute nur als Sonderausgaben ab.

Das hat zur Konsequenz, dass Arbeitnehmer für ihr Studium höchstens 920 Euro im Jahr absetzen können. Studieren sie außerhalb und mit auswärtiger Unterkunft, sind es höchstens 1 227 Euro. Werden sonst keine Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht, verrechnet das Finanzamt außerdem den Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro für Alleinstehende und 72 Euro für Ehepaare. Dann sinkt das zu versteuernde Einkommen durch die Studienkosten bei Alleinstehenden bestenfalls um 1 191 Euro und bei Ehepaaren um 1 155 Euro im Jahr.

Zählt das Studium künftig als Fortbildung, sind die Ausgaben dagegen Werbungskosten. Dann lohnt sich der Nachweis der Studienkosten zwar nur für Arbeitnehmer, deren Ausgaben für den Beruf höher als der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1 044 Euro im Jahr sind. Doch diese Grenze ist oft bereits durch andere Werbungskosten überschritten. Viele Arbeitnehmer können deshalb sehr viel Steuern sparen, wenn sie ihre Studienausgaben als Werbungskosten absetzen.

Der jetzige Sonderausgabenabzug ist nur für alle günstiger, die zusammen mit den Studienkosten höchstens 1 044 Euro für ihren Beruf ausgeben. Dann erreichen sie mit dem Abzug als Werbungskosten keine zusätzlichen Steuerersparnisse, weil ihnen die Pauschale von 1 044 Euro sowieso zusteht.

Fabian Beich wehrt sich

Studieren ist aber meist teurer. Die Arbeitnehmer in den Musterprozessen beim BFH wollen deshalb die Ausgaben dafür lieber als Werbungskosten absetzen. Sie lehnen es ab, dass die Finanzverwaltung ihr Studium als neue Berufsausbildung einstuft und nur den Sonderausgabenabzug zulässt. Auch wenn sie bestimmte Fächer zum ersten Mal studieren, ist das Studium für sie nichts anderes als eine Fortbildung im Beruf.

Das sieht auch Fabian Beich aus Berlin so. Er hat deshalb sämtliche Studienkosten als Werbungskosten in die Steuererklärung für 2001 eingetragen. Als der 24-Jährige seinen Steuerbescheid für 2001 erhält, ist er sauer. Das Finanzamt will die Ausgaben für sein Abendstudium zum Diplom-Betriebswirt an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Berlin (VWA) nur als Sonderausgaben anerkennen.

Fabian Beich hat das Studium gleich zu Beginn seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei einem Berliner Zeitschriften­grossisten angefangen. Während der Ausbildung hat der Arbeitgeber die Studienkosten übernommen, weil er es gerne sah, dass sein damaliger Azubi parallel zur Arbeit noch seinen Diplom-Betriebswirt machte.

Doch Fabian Beich hat mittlerweile ausgelernt. Seit 2001 muss er deshalb alle Ausgaben für das Abendstudium selbst bestreiten. Da will er sie wenigstens als Werbungskosten absetzen. Immerhin ist der erfolgreiche Abschluss des Studiums der Schlüssel für eine höhere Position in der Firma.

Der 24-Jährige hat deshalb – zum letzten Mal in Mark – folgende Ausgaben in der Steuererklärung für 2001 als Werbungskosten angegeben:

Studiengebühren: 3 960 Mark
Fahrtkosten zur Akademie: 1 000 Mark
Lehrmittel: 600 Mark
Summe: 5 560 Mark

Da Fabian Beich für den Weg zur Arbeit bereits 2 400 Mark als Kilometerpauschalen absetzen kann, sind seine Ausgaben für den Beruf bereits ohne die Studienkosten höher als der Arbeitnehmerpauschbetrag von 2 000 Mark, den das Finanzamt automatisch für Werbungskosten abzieht. Der 24-Jährige hat deshalb fest damit gerechnet, dass das Finanzamt die Studienkosten von 5 560 Mark voll anerkennt.

Doch die Beamten haben das Studium nicht als Fortbildung, sondern als Berufsausbildung eingestuft. Die Kosten sind für die Behörde Sonderausgaben und in Fabians Fall nur bis maximal 1 800 Mark abziehbar. Der 24-Jährige muss deshalb 2001 nicht wie erhofft 32 000 Mark, sondern 35 760 Mark als Einkommen versteuern. Dadurch kassiert das Finanzamt 1 097 Mark mehr Steuern und Solidaritätszuschlag. Die will Fabian Beich nicht so schnell sausen lassen. Er legt Einspruch gegen seinen Steuerbescheid ein und beruft sich dabei vor allem auf den Musterprozess des Sparkassen-Betriebswirts in der Finanztest-Tabelle. So bleibt sein Steuerbescheid bis zu einer Entscheidung durch den Bundesfinanzhof offen. Fällt sie positiv für ihn aus, zahlt das Finanzamt 1 097 Mark Steuern und Solidaritätszuschlag zurück.

Gute Argumente

Es kann durchaus sein, dass Fabian Beich das Geld zurückbekommt. Die Argumente der Arbeitnehmer, deren Musterprozesse der Bundesfinanzhof demnächst verhandelt, sind nämlich gar nicht so leicht von der Hand zu weisen. Für sie ist das Studium eine Fortbildung, weil es sie besser für den praktizierten Beruf qualifiziert, mehr Gehalt bringt oder höhere Positionen eröffnet:

  • Eine Altenpflegerin wurde Ausbilderin für Altenpflegeschüler in leitender Funktion und mit mehr Gehalt nachdem sie ein Studium der Sozialarbeit mit den Schwerpunkten Pflegemanagement und Altenpflege abgeschlossen hatte (BFH-Az. VI R 119/01).
  • Ein Angestellter der Sozialversicherungswirtschaft bekam in der Personalabteilung der Firma anspruchsvollere Aufgaben, nachdem er eine 15-monatige Fortbildung zum Personalfachkaufmann gemacht hatte (BFH-Az. VI R 100/01).
  • Ein als Organisationsprogrammierer arbeitender Kaufmann der Datenverarbeitung fand bei einer anderen Firma eine Stelle als Berater für Informationstechnologien, nachdem er an einer Fach­hochschule für Ökonomie und Mana­gement den Abschluss als Diplom-Wirtschaftsinformatiker gemacht hatte (BFH-Az. VI R 87/ 01).
  • Ein im Rechnungswesen tätiger technischer Betriebswirt (IHK) bekam die Stelle eines „Produktmanagers für Kundenreporting“, nachdem er an einer Fach­hochschule zusätzlich den Diplom-Betriebswirt (FH) gemacht hatte (BFH-Az. VI R 113/00).

Diese Arbeitnehmer haben ihren Beruf nach dem Studium im Grunde also nicht gewechselt. Vielleicht ändert der Bundesfinanzhof deshalb ja seine bisherige Rechtsprechung.

Auch Arbeitslose können kämpfen

Auch Arbeitslose können sich auf Musterprozesse beim Bundesfinanzhof berufen. Hier geht es zwar nicht um klassische Studiengänge, aber um neue Berufe. Eine ehemalige Verkäuferin erklärte vor Gericht, dass sie vom Chef die Kündigung erhalten habe, als sie wegen ihrer Kinder nicht mehr Schicht, sondern nur noch normal arbeiten wollte. Da sie als Verkäuferin keine angemessene Stelle mehr fand, habe sie eine Umschulung zur Arzthelferin gemacht.

Die 23 000 Mark, die sie dafür ausgegeben hat, will sie als Werbungskosten absetzen. Die Umschulung habe viel mit einer Fortbildung gemeinsam, denn sie sei hauptsächlich wegen der Situation am Arbeitsmarkt nötig gewesen. Das Finanzgericht des Landes Brandenburg gab der Frau Recht. Jetzt hat der Bundesfinanzhof auch hier das letzte Wort (BFH-Az. VI R 42/00).

Auch der Prozess eines arbeitslosen Diplom-Betriebswirts wird dort verhandelt. Er war als Geschäftsführer in der EDV-Branche tätig, bevor er mit Ende 40 arbeitslos wurde. Wegen seiner Berufserfahrung erhielt er von einer Firma die Chance, für sie als freier Immobilien- und Finanzierungsmakler zu arbeiten. Doch vorher musste der Betriebswirt fast 15 Monate lang eine spezielle Schulung machen.

Die Kosten dafür will er als Werbungskosten absetzen, weil die Schulung für ihn eine Spezialisierung seiner Arbeit als Betriebswirt ist. Doch das Finanzamt und auch das Finanzgericht stuften sie als Berufsausbildung ein, die dem Kläger den Wechsel in einen neuen Beruf ermöglichte. Auch hier hat der Bundesfinanzhof das letzte Wort (BFH-Az. VI R 20/01).

Dieser Artikel ist hilfreich. 375 Nutzer finden das hilfreich.