IT-Zertifikate: Kosten rechtzeitig klären

IT-Zertifikate sind Prüfbescheinigungen von Hard- und Softwareherstellern, die Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen von IT-Spezialisten dokumentieren und nachvollziehbar machen sollen. Sie sind hersteller- oder produktbezogen.

Seitdem das erste IT-Zertifikat 1989 von der Firma Novell aus der Taufe gehoben wurde, hat sich ihre Zahl vervielfacht. Allein Microsoft verfügt über eine Vielzahl an Zertifikaten, die den nachgefragten Kenntnissen gemäß abgestuft sind. IT-Zertifikate sind international weit verbreitet und anerkannt. Standardisierte Lernprogramme, Umfänge und Schwierigkeitsgrade der Prüfungen machen dies möglich. Im Netzwerkbereich sind für Produkte von Microsoft die Abschlüsse Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE) und Microsoft Certified Systems Administrator (MCSA) weit verbreitet. Vergleichbar im Open-Source-System Linux sind die Bescheinigungen zum Linux Professional Institutes (LPI).

Mit ihren Zertifikaten vergeben die Unternehmen zum Teil Trainerlizenzen, autorisieren Lern- und Prüfungszentren und tragen so zur gewollten Qualitätssicherung bei.

In unserem Test zeigte sich aber, dass auch Zertifizierungen Qualität nicht garantieren können: So trägt zum Beispiel die PTM-Akademie in München als Schlusslicht unseres Tests nach eigenen Angaben die offizielle Bezeichnung Microsoft Technical Education Center (CTEC).

Tatsächlich sind IT-Zertifikate nicht unumstritten. So gibt zum Beispiel die zum Teil inflationäre Fülle an Zertifikaten, die mit ihrer Masse den ursprünglich gewollten Qualitätsnachweis untergraben, oft Anlass zur Kritik. Auch ihre geringe Halbwertzeit schmälert den Stellenwert vieler Zertifikate, da sie regelmäßig erneuert werden sollten und ständig neue Produkte auf den Markt kommen. Auch Betriebssysteme werden verändert oder lösen sich gegenseitig ab.

Zudem waren IT-Zertifikate ursprünglich als Nachweis tatsächlicher Erfahrung der Geprüften gedacht; inzwischen aber gelten sie bei Experten mehr als Zeugnis theoretischen Wissens. Gegen einschlägige Berufserfahrung, so der Tenor der Kritiker, komme kein Zertifikat an.

Und sie können teuer werden: Teilnehmer eines Weiterbildungskurses sollten vor Beginn klären, welche Gebühren durch die Prüfungen auf sie zu kommen. Unser Test hat ergeben, dass die Kosten nicht immer im Kurspreis enthalten sind oder vom Arbeitsamt bezahlt werden. Wenn dies nicht der Fall ist, wird es tatsächlich kostspielig: Für die insgesamt sieben Prüfungen zum MCSE sind jeweils 140 Euro fällig. Die zwei Prüfungen zum LPIC 1 oder vier Prüfungen zum LPIC 2 kosten 125 Euro. Wiederholungsprüfungen müssen in der Regel noch einmal bezahlt werden.

Tipp: Zu IT-Zertifikaten sollten im Beratungsgespräch folgende Punkte angesprochen werden: Anzahl der Prüfungen, Prüfungskosten und -verfahren, Lehrmaterialien, Vorbereitung in den Kursen, Ort der Prüfung sowie Durchfallquoten. Achtung: Prüfungen und Lehrmaterialien gibt es oft nur in englischer Sprache.

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