Weiterbildung Test

Wer sich weiterbilden will, um einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden, verläuft sich ohne Beratung. Wir haben 16 Bildungsanbieter getestet – und sind oft ratlos geblieben.

Die Arbeitsämter vermitteln Arbeitslosen nicht nur (mehr oder weniger) Jobs, sondern auch Weiterbildungskurse. Rund 13,7 Milliarden Mark gaben sie im vergangenen Jahr für die berufliche Weiterbildung aus. Ungefähr 400 000 „Maßnahmen“ wurden so finanziert, vom zweitägigen Schnellkurs bis zur zweijährigen Weiterbildung.

In der aktuellen Diskussion um die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit geht es also allein im Bereich Weiterbildung um die Dimension eines Großunternehmens. Kein Wunder, wenn der Erfolg kritisch betrachtet wird: Verhilft zusätzliche Qualifikation den vielen Absolventen auch wirklich zu adäquaten Jobs? Die Bilanz des vergangenen Jahres klang aus Nürnberg positiv: Zwei Drittel aller Teilnehmer an beruflichen Weiterbildungen seien sechs Monate nach Ende ihrer Schulung nicht mehr arbeitslos gewesen. Mitgezählt werden dabei jedoch inzwischen Erkrankte, Schwangere und auch diejenigen, die „irgendwo“, aber nicht in einem ihrer Ausbildung entsprechenden Job untergekommen sind.

Der Erfolg einer Weiterbildung hängt für den Einzelnen davon ab, ob sie sein Qualifikationsprofil optimal ergänzt. Das muss er aber erst einmal herausfinden. Ohne ordentliche Beratungsgespräche bei den Bildungsanbietern kann er das nicht. Dort müssen die Weichen richtig gestellt werden: Passt die angestrebte Weiterbildung überhaupt zu den eigenen Voraussetzungen? Wie weit stimmen die persönlichen Wünsche mit dem Konzept und Ziel eines Kurses überein?

Wir haben geprüft, wie die Unternehmen bei der Weichenstellung helfen. Uns interessierte die Qualität der Beratung und Information von Arbeitslosen bei der Suche nach einer Weiterbildung in zwei neuen Berufs- und Tätigkeitsfeldern: am Beispiel der neuen Medien und des Facility-, Immobilien- und Gebäudemanagements. Eine Reihe dieser Weiterbildungen ist auf Akademiker zugeschnitten oder scheint besonders für sie geeignet zu sein. Aber was verbirgt sich hinter den Namensetiketten? Wie passen Kursinhalte zu den Berufserfahrungen und Berufszielen von Germanisten oder Biologen, von Architekten oder Betriebswirten?

Das zu ergründen war zum Beispiel bei WBS Training von vornherein zum Scheitern verurteilt: Unsere fünf an einem Kurs „Online-Redakteur/-in“ Interessierten brauchten jeweils fünf bis sieben Anläufe, um per Telefon, Anrufbeantworter oder E-Mail bei der richtigen Mitarbeiterin überhaupt Gehör zu finden. Zwei von ihnen konnten schließlich an einem individuellen Gespräch teilnehmen. Obwohl einem Interessenten vom Kurs abgeraten wurde und eine andere Ratsuchende von sich aus abgesagt hatte, bekamen beide Verträge zugeschickt. Die anderen drei Tester hörten dagegen nie wieder etwas von WBS Training.

Die GBS Schule, aktiv im Bereich Gebäudemanagement, reagierte auf die Bitte um Beratung: „Wenn es denn unbedingt sein muss ...“. Einem Interessenten wurde dann zusammen mit drei anderen ein „individuelles Beratungsgespräch“ von zehn Minuten gewährt. Zwei Tester drangen bei GBS nicht einmal so weit vor. Unser Urteil lautete „mangelhaft“, wenn ein Unternehmen nicht mindestens für drei der fünf ausgeschickten Testpersonen Beratungsgespräche organisierte.

Schwankende Qualität

Weiterbildung Test

Wie es jemandem ergeht, der auszieht, seine Qualifikation zu verbessern, haben unsere Tester in insgesamt 72 Beratungsgesprächen bei 16 Anbietern erkundet. Sie haben sich für langfristige „Maßnahmen“ interessiert, die vom Arbeitsamt nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) III gefördert werden. Von „sehr guten“ Beratungsgesprächen waren alle Bildungsanbieter weit entfernt.

Bei sämtlichen Anbietern fiel die nicht einheitliche Beratungsqualität auf: Einmal fehlte Mitarbeitern jede Kompetenz im Berufsfeld, dann machten Zeitdruck oder räumliche Enge ein strukturiertes Gespräch gar nicht erst möglich, dann wieder blieben Auskünfte zu den Kursinhalten dürftig, oder aber der Berater gefiel sich so sehr in eigener Rede, dass die Interessenten kaum Fragen loswurden.

Die meisten Mitarbeiter der Firmen wollten dagegen erstaunlich wenig über die Menschen wissen, die ihnen zur Beratung gegenübersaßen. Dabei spielen individuelle Stärken, Schwächen, Motive und Ziele bei einer beruflichen Neuorientierung neben Fachkenntnissen und Erfahrungen eine entscheidende Rolle und müssen mit den Kurskonzepten des Anbieters „abgeglichen“ werden.

Aber bei BSD zum Beispiel tauchte in drei Beratungsgesprächen zum Kurs Online-Redakteur keine einzige Frage zur Person auf, in zwei Gesprächen erkundigten sich die Berater immerhin nach dem bisher ausgeübten Beruf und nach Vorkenntnissen für die Weiterbildung. Ergebnis solcher „Beratungen“ sind dann oft pauschale Schlussfolgerungen, wie die für eine Facility-Management-Interessentin: „Als Architektin haben Sie die besten Voraussetzungen für diese Weiterbildung.“ Wie weit sie sich aber von ihrem bisherigen Beruf entfernt und was sie später tatsächlich erwartet, hat sie nicht erfahren. Auf diese Weise ist Frust programmiert. Ob eine Weiterbildung „passt“, erschließt sich nicht zuletzt aus Informationen über den Kurs selbst. Aber über Kursinhalte erfuhren unsere Tester häufig nur, was sie bereits aus dem Informationsmaterial wussten.

Jeder Berater sollte fragen, wie sich der Interessent seine künftige Tätigkeit vorstellt – gerade in den Bereichen neue Medien und Facility Management, wo es noch unklare Vorstellungen über die Berufsbilder gibt. Kurse mit ähnlichen Bezeichnungen können unterschiedliche Konzepte haben: Content Management wird als redaktionell-inhaltliche, aber auch als technische Qualifikation gesehen. Wenigstens in einigen Gesprächen sind Wildner, CDI, mediadesign und gtw auf solche Fragen eingegangen.

„Nicht so gut im Vermitteln“

Oft mussten die Tester nachfragen: Als geradezu neuralgische Themen erwiesen sich die Qualifikation der Dozenten und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Von sich aus sprach nur jeder fünfte Berater über die fachliche Qualifikation der Dozenten. Selbst durch gezieltes Nachhaken war kaum Substanzielles zu erfahren. Das verwundert nicht, weil bis auf Wildner alle Anbieter überwiegend mit freien Kräften arbeiten. Trotzdem müssen die Firmen erklären können, wie sie die fachliche und pädagogische Qualifikation ihrer Dozenten überprüfen und sicherstellen. Unerwartet offen, jedoch auch erst auf Nachfrage, antwortete ein Berater von L4: „Manche der technischen Dozenten sind nicht ganz so gut im Vermitteln, aber wer etwas lernen möchte, kann sich die Informationen herausziehen.“ Da fragt sich nur, ob es nicht effektiver, billiger und auch komfortabler wäre, sich zu Hause in ein didaktisch gut gemachtes Lehrbuch zu vertiefen.

Häufig Floskeln

Auskünfte zu Chancen am Arbeitsmarkt gab es in der Hälfte der 72 Beratungsgespräche erst, nachdem die Interessenten partout nicht lockerließen. Die Unsicherheit der Berater bei der aktuellen Entwicklung in der Branche drückte sich häufig in Floskeln aus wie „ganz gut“ oder „gerade ein bisschen schwierig“.

Viele haben dagegen von sich aus über Praktika während der Kurse informiert. Da sie den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erheblich erleichtern können, haben Berater auch immer wieder bedauert, wenn Praktika aus finanziellen Gründen vom Arbeitsamt gestrichen wurden.

Positiv fiel auf, dass unseren Testern als (vorgeblich) Arbeitslosen nie Arbeitsunwilligkeit unterstellt wurde. Sie fühlten sich ernst genommen und lobten mehrfach, dass sich die Berater viel Zeit für die Gespräche nahmen. Da die Qualität aber meist „befriedigend“ und schlechter beurteilt wurde, bleibt als Forderung vor allem: Interessenten sollten mit Teilnehmern laufender Kurse sprechen oder auch zur Probe einen Kurs besuchen können. Denn besser als durch den direkten Eindruck lassen sich Erwartung und Realität nicht „abgleichen“.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1864 Nutzer finden das hilfreich.