Interview: „Die Arbeitsämter fördern nicht jeden Kurs”

Weiterbildung Test

Dorothea Pöhler-Ruhrmann ist Mitarbeiterin im Referat für Beruf­liche Weiterbildung in der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg. Wir haben sie gefragt, wie viel Beratung Arbeitslose bei Fragen zu ihrer Weiter­bildung von den Arbeitsämtern erwarten können.

Welche Beratungsfunktion hat das Arbeitsamt bei der Weiterbildung nach dem Sozialgesetzbuch III?

Die Beratung ist Voraussetzung für die Förderung einer Weiterbildung nach dem Sozialgesetzbuch. Der Arbeitsberater entscheidet außerdem über den Antrag auf Förderung. In der Beratung werden zum Beispiel abgeklärt: die beruflichen Vorstellungen der Antragsteller, ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt, ihre berufliche Mobilität, die Eignung für ein bestimmtes Bildungsziel, formale Zugangsvoraussetzungen und förderungsrechtliche Fragen. Auch das für die Weiterbildungsförderung anerkannte Bildungsangebot wird abgeklärt.

Wie wird die Qualität der Weiter­bildungsangebote gesichert?

Vor der Anerkennung einer Weiterbildungsförderung wird zum Beispiel geprüft, ob die Maßnahme nach Ausbildung und Berufserfahrung der Lehrkräfte, nach dem Lehrplan und den vorgesehen Lehr- und Lernmitteln eine erfolgreiche berufliche Bildung erwarten lässt. Während längerer Lehrgänge sollen die Arbeitsberater den Kurs aufsuchen und die Erfahrungen der Teilnehmer auswerten.

Außerdem nehmen Prüfgruppen der Landesarbeitsämter und Arbeitsämter die Maßnahmen stichprobenweise unter die Lupe. Die Arbeitsämter müssen belegen, ob die Teilnehmer danach eine Beschäftigung aufgenommen haben.

Ist es sinnvoll, den Arbeitsamtsberater nach einem bestimmten Bildungsanbieter oder Kurs zu fragen?

Die Arbeitsämter fördern nicht jeden Kurs bei jedem Anbieter. Sie müssen auch die kostengünstigste Variante für eine berufliche Wiedereingliederung oder für den Erwerb eines Berufsabschlusses vorschlagen. Schon von daher bietet sich eine gezielte Nachfrage an.

Welches Widerrufsrecht haben Arbeitslose nach dem Abschluss eines Vertrags?

Die Arbeitsämter erkennen nur Maßnahmen für die Förderung an, die angemessene Teilnahmebedingungen bieten. Dazu gehört ein kostenloses Rücktrittsrecht, falls eine Förderung nach dem Sozialgesetzbuch III nicht erfolgt. Die Teilnahme an einer beruflichen Weiterbildung muss mit einer Frist von sechs Wochen kündbar sein, jeweils zum Ende von drei Monaten. Die Fristen müssen im Schulungsvertrag zwischen Teilnehmer und Bildungsträger genannt sein.

Hat ein Kursteilnehmer das Recht, jederzeit aus dem Kurs auszusteigen?

Kommt eine Vertragspartei wesentlichen Pflichten nicht nach, kann der Vertrag auch fristlos gekündigt werden, zum Beispiel wenn ein Kurs mit gravierenden Mängeln durchgeführt wird, die trotz entsprechender Forderungen nicht abgestellt werden. Aber um unliebsame Überraschungen nach einem Abbruch zu vermeiden, sollte vorher unbedingt Kontakt mit dem Arbeitsamt aufgenommen werden. Denn wird ein Kurs ohne wichtigen Grund abgebrochen, tritt eine Sperre des Arbeitslosengeldes für die Dauer von zwölf Wochen ein.

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