Weiterbildung Test

Weiterbildungskurse sollen einen Weg aus der Arbeitslosigkeit weisen. Der Erfolg hängt zunächst von der Beratung durch die Bildungsanbieter ab. Sie soll sicher stellen, dass die angestrebte Weiterbildung zur Qualifikation und Berufserfahrung des Arbeitslosen passt. Die Stiftung Warentest hat 16 Weiterbildungsträger getestet. Fazit: Viele Bildungsanbieter lassen die Kursteilnehmer ins Leere laufen.

Anbieter ohne Interesse

Zu wenig Interesse für die Vorbildung des Arbeitslosen, wenig Auskünfte zum Kursinhalt, kaum Details zur Qualifikation der Dozenten und wenig Informationen zu den Chancen im angestrebten Berufsziel: Das sind die Hauptkritikpunkte der neutralen Tester. 72 Beratungsgespräche haben die „Arbeitslosen“ der Stiftung Warentest geführt. 16 Anbieter wurden erkundet. Die Tester sind Architekten, Geologen, Politologen oder Germanisten. Ziel: Eine Weiterbildung im Bereich Neue Medien oder Facility- und Immobilien-Management. Von sehr guten Beratungsgesprächen waren alle Bildungsanbieter weit entfernt.

Beratung entscheidet

Schade, denn die Beratung vor der Weiterbildung entscheidet wesentlich über den Erfolg des Kurses. Nur wenn die Weiterbildungsmaßnahme zum Arbeitslosen passt, hat der einen Gewinn. Wenn die Anbieter patzen, müssen die Arbeitslosen nachfragen: Wie stehen die Chancen im angestrebten Beruf? Reichen die eigenen Vorkenntnisse? Harmonieren die Kurs-Anforderungen mit den persönlichen Stärken und Schwächen? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann über Sinn und Unsinn einer Weiterbildung entschieden werden.

Kaum Fragen zur Person

Die Anbieter der Weiterbildungskurse wollten erstaunlich wenig über ihre Teilnehmer wissen. Beispiel: BSD mit seiner Weiterbildung zum Onlineredakteur. In drei Beratungsgesprächen gab es keine einzige Frage zur Person. Nicht mal der bislang ausgeübte Beruf war von Interesse. Noch schlimmer bei WBS und GBS: Hier kamen die Beratungsgespräche nur selten zustande. Bei der WBS mussten die Kursinteressenten beharrlich nachfragen: Erst nach fünf bis sieben Anläufen bekamen immerhin zwei der fünf test-Bewerber das gewünschte Beratungsgespräch. Die GBS Schule reagierte auf eine Anfrage mit den Worten: „Wenn es denn unbedingt sein muss...“. Auch bei diesem Anbieter kamen nur zwei Beratungsgespräche zustande. Kuriosum am Rande: Obwohl die WBS einem Interessenten vom Kurs abgeraten und eine weitere Ratsuchende von sich abgesagt hatte, bekamen beide Verträge zugeschickt. Die anderen drei Tester dagegen hörten nie wieder etwas von der WBS. Da ist Frust programmiert.

Arbeitsamt zahlt 14 Milliarden

Auch die Arbeitsämter müssten mehr Druck machen: Immerhin fördern sie die Teilnahme an Weiterbildungskursen. Rund 14 Milliarden Mark gaben die Arbeitsämter im vergangenen Jahr dafür aus. Etwa 400.000 Maßnahmen wurden finanziert: Vom zweitägigen Schnellkurs bis zur zweijährigen Weiterbildung. Gefördert werden Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte und Ungelernte. Voraussetzung: eine allgemeine Beratung durch das Arbeitsamt. Nur anerkannte Weiterbildungskurse werden finanziert. Das Arbeitsamt übernimmt die Kosten und zahlt Unterhaltsgeld, wenn der Arbeitslose vorher eine versicherungspflichtige Beschäftigung hatte.

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