Finanztest-Leser R. Kühn aus Peine fragt: Ich bin arbeitslos und habe eine berufliche Fort­bildung besucht, die von der Agentur für Arbeit gefördert wurde. Kann ich meine Auto­fahrten steuerlich beim Finanz­amt absetzen? Finanztest antwortet.

Fahrten zur Fort­bildung sind Werbungs­kosten

Ja, Sie rechnen für Ihre Fahrten zur Fort­bildung Werbungs­kosten auf der Anlage N zur Einkommensteuererklärung ab. Hatten Sie im selben Jahr keine Einnahmen, beantragen Sie außerdem vorne im Mantelbogen, dass ein Verlust fest­gestellt wird. Damit sparen Sie dann in Jahren Steuern, in denen Sie Einkünfte haben.

Teil­zeit­fort­bildung

Günstig ist, wenn Sie an einer Teil­zeit­fort­bildung teil­genommen haben. Von Ihren Hin- und Rück­fahrten mit dem Wagen berück­sichtigt das Finanz­amt dann für jeden zurück­gelegten Kilo­meter 30 Cent. Oder Sie rechnen Ihren eigenen Kilo­meter­satz ab, den Sie aus den Auto­kosten und der Fahr­leistung des Jahres ermitteln. Auch Ausgaben für öffent­liche Verkehrs­mittel dürfen Sie als Werbungs­kosten absetzen.

Voll­zeit­fort­bildung

Steuerlich nicht so günstig sind Voll­zeit­fort­bildungen: Sie dürfen die 30-Cent-Pauschale nur für jeden Kilo­meter der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und Ausbildungs­ort abrechnen. Oder Sie geben Ihre Ausgaben für öffent­liche Verkehrs­mittel an, wenn das mehr bringt.

Bislang kein Muster­prozess

Von einer Voll­zeit­fort­bildung geht das Finanz­amt aus, wenn sie mehr als 20 Stunden in der Woche dauert. Amtlich ist das aber nicht. Kurz­lehr­gänge stufen viele Steuer­experten zum Beispiel immer als Teil­zeit­ausbildung ein – auch wenn sie 20 Wochen­stunden über­schreiten. Es gibt bisher allerdings keinen Muster­prozess. Stellt das Finanz­amt sich quer, können Sie dagegen nur selbst vor Gericht klagen.

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