Weiterbildung Schnelltest

Tücken einer Lernform: Wer an eigenständiges Arbeiten nicht gewöhnt ist, verliert beim Fernunterricht schnell den Überblick.

Der Hamburger Tchibo-Konzern bietet in seinen Kaffee-Verkaufsstellen weit mehr an als Salzmühlen, Spargeltöpfe und Saunahandtücher: Mit seiner jüngsten Aktion lockt der Kaffeeröster Weiterbildungs-Interessierte an – per 120-Euro-Finanzspritze pro abgeschlossenem Fernlehrgang. test.de sagt, was von der Offerte zu halten ist und wie Sie Fallstricke beim Fernlernen vermeiden.

Kooperation mit dem größten Fernlehrinstitut

Aus über 200 Fernlehrgängen können sich Tchibo-Kunden „ihre“ Weiterbildung heraussuchen. Kooperationspartner der Aktion, die auf dem Tchibo-Internetauftritt unter der Rubrik „Das Angeboot“ bis einschließlich 27. September läuft, ist das Institut für Lernsysteme (ILS). Beim ILS, Deutschlands größtem Fernlehrgang-Anbieter, bilden sich jährlich rund 60000 Erwachsene aller Altersstufen, Qualifikationen und Kompetenzen fort. Thematisch sind den Weiterbildungen des Instituts keine Grenzen gesetzt: Vom Hauptschul- bis zum IHK-Abschluss, von der Astrologischen Psychologie bis zur Netzwerktechnik ist alles dabei.

120 Euro pro Abschluss

120 Euro für einen ILS-Fernlehrgang: Damit erstattet Tchibo seinen Kunden über den Daumen gepeilt einen Monat ihrer Weiterbildung, sofern diese erfolgreich abgeschlossen wird. Denn das ILS stellt seinen Kunden durchschnittlich eben jene Summe pro Monat in Rechnung. Ein Beispiel: Für einen dreijährigen Lehrgang zum staatlich geprüften Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Absatzwirtschaft/Marketing müssen Teilnehmer 4968 Euro berappen, also 138 Euro pro Monat.

Weiterbildung zu Werbezwecken

Neu sind solche Aktionen keineswegs. Allein das ILS hat zum Beispiel mit dem Bertelsmann-Buchclub und dem ADAC zwei weitere Kooperationspartner. Auch sie stellen ihren Mitgliedern ähnliche Sonderkonditionen in Aussicht, wenn sie sich erfolgreich weiterbilden. Hinzu unterhält das ILS Partnerschaften mit Unternehmen, die ihren Mitarbeitern vergünstigte Konditionen ermöglichen. Auch andere Fernlehrinstitute versuchen, mit solchen Partnerschaften Kunden anzulocken. Neu hingegen ist, dass Unternehmen wie Tchibo Weiterbildung von der Ladentheke aus verkaufen und zu Werbezwecken nutzen.

Nachfrage steigt

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten ist noch der ökonomische. Auch für den Verbraucher bekommt Weiterbildung einen immer wichtigeren Stellenwert – und die Ausgaben dafür steigen: Laut einer Schätzung des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb) zahlt jeder Arbeitnehmer durchschnittlich rund 500 Euro jährlich für Weiterbildung. Das zeigt auch die gestiegene Nachfrage nach Lernformen wie E-Learning oder Fernunterricht.

Vier Wochen kostenlos testen

Tchibo und ILS richten sich mit der Aktion vor allem an Verbraucher, die noch nie aus der Ferne gelernt haben. Um etwaige Hemmschwellen gar nicht erst aufkommen zu lassen, lockert das ILS sogar seine Vertragsbedingungen: So sind während der Aktion die verbraucherschutzrechtlichen Klauseln für Weiterbildungen teilweise günstiger, als dies das Fernunterrichtsschutzgesetz mindestens verlangt: Teilnehmer dürfen zum Beispiel ihren Lehrgang vier statt wie sonst üblich zwei Wochen kostenlos testen. Und sie können sofort nach Vertragsbeginn eine dreimonatige Kündigungsfrist wahrnehmen. Laut Gesetz ist eine Kündigung ohne Angabe von Gründen erst sechs Monate nach Vertragsbeginn möglich.

Nicht jeder kann aus der Ferne lernen

Vorsicht ist dennoch geboten: Die Lernform Fernunterricht ist nicht für jeden geeignet. Sie erfordert von den Teilnehmern viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Sie müssen Zeitpunkt und Dauer des Lernens in Eigenregie bestimmen. Das ist nicht jedermanns Sache. Auch mangelt es am direkten Kontakt zu Lehrern und Mitschülern. Da fällt es mitunter schwer, am Ball zu bleiben. Eine wichtige Aufgabe fällt deshalb den Beratern der Bildungsanbieter zu. Sie empfehlen nicht nur geeignete Kurse, sondern prüfen auch die grundsätzliche Eignung der Bildungs-Interessierten für einen Fernlehrgang. Diese Aufgabe werden die ILS-Berater auch gegenüber den Tchibo-Kunden wahrnehmen, versicherte ILS-Pressesprecherin Dörte Giebel gegenüber test.de. Dafür hat das Institut eigens eine Hotline eingerichtet. Sie ist von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 20 Uhr unter 08 00/1 45 21 45 (gebührenfrei) erreichbar.

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