Weintrauben Test

Lecker, aber belastet.

Sie sehen so appetitlich aus und schmecken so süß. Aber in den grünen Früchtchen stecken Spritzmittel. Mehr als jede zweite Probe war deutlich bis stark belastet.

Diese Untersuchungsbilanz ist uner­freulich: Ende Juli, Anfang August haben wir 26 Proben grüner Tafeltrauben im Berliner Einzelhandel eingekauft und auf rund 440 verschiedene Pestizide untersucht. Mehr als die Hälfte der Weintrauben, 14 Proben genau, war jedoch deutlich bis stark mit Pestiziden belastet. Deutlich belastet heißt: Die Pestizidgehalte betrugen mehr als 50 Prozent der zuläs­sigen Höchstmenge. Das traf auf sechs Proben zu.

Acht „nicht verkehrsfähig“

Weintrauben Test

Weinlese. Vor der Ernte halfen Pestizidcocktails, Schädlinge zu bekämpfen.

Bei den anderen acht überschritten die Werte für eines oder mehrere der Pestizide die Höchstmenge sogar deutlich. Diese stark belasteten Trauben hätten eigentlich gar nicht verkauft werden dürfen, sie sind „nicht verkehrsfähig“. Doch in der Praxis ist das schwer umsetzbar. Bis Lebensmittelkontrolleure die Trauben im Labor untersucht haben, ist das frische Obst längst verzehrt.

Nur elf Proben waren gering oder sehr gering belastet. Und nur eine einzige Probe war völlig pestizidfrei. Sublima hieß die lose verkaufte Ökotraube, die wir in einem Bioladen kauften. Unsere Test-Trauben stam­mten übrigens meist aus Spanien und Italien, vereinzelt auch aus der Türkei, Südafrika, Chile, Argentinien und Ägypten. Griechische Trauben fanden wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

Bio liegt vorn

Das Ergebnis des Tests entspricht dem anderer Untersuchungen. So belegt auch eine neuere Bestandsaufnahme des Untersuchungsamts Baden-Württemberg, dass in Ökotrauben eher selten Pestizide nachgewiesen werden. Dagegen sind fast alle Weintrauben aus konventionellem Anbau – bis zu 95 Prozent – mehr oder weniger mit Rückständen belastet.

Spritzmittel im Weinanbau

Reben und Rebstöcke sind anfällig für viele Schädlinge, Pestizide im Weinanbau daher oft notwendig. Richtig angewendet müssen sie keine kritischen Rückstände zur Folge haben. Der Ökoanbau verzichtet zwar auf die meisten dieser Chemikalien, dafür muss er aber auf Ersatzmittel wie Kupfer ausweichen. In den Biotrauben im Test fanden wir allerdings auch keine Kupferrückstände.

Der Begriff Pestizide umfasst eine Vielzahl von Stoffen mit unterschiedlichem Verwendungszweck: Herbizide gegen Unkräuter, Fungizide gegen Pilzbefall, Insektizide gegen Insekten, Akarizide gegen Spinnmilben, Molluskizide gegen Schnecken. Wir haben in den grünen Trauben insgesamt 25 verschiedene chemische Verbindungen nachgewiesen und mengenmäßig bestimmt. Häufig fanden wir in einer einzelnen Probe gleich mehrere Pestizide. Trauriger Spitzenreiter mit insgesamt acht verschiedenen Pestiziden waren die bei Spar gekauften Weintrauben der Sorte Superior Seedless.

Ein Pestizid tauchte besonders häufig auf: Flufenoxuron, das im Weinanbau vor allem gegen Spinnmilben eingesetzt wird. Die Höchstmenge ist bislang noch nicht EU-weit geregelt. In Deutschland gilt eine zulässige Höchstmenge von 0,01 Milli­gramm pro Kilogramm. In Spanien ist das Zehnfache dieses Werts erlaubt.

Gesundheitsgefährdend?

Wie problematisch sind die gefundenen Stoffe für den Menschen? Akut toxisch, also unmittelbar gesundheitsgefährdend sind die zugelassenen Substanzen nicht. Doch generell gilt: Langfristig ist eine ständige überhöhte Aufnahme von Pestiziden kritisch zu betrachten. Viele Stoffe reichern sich im Organismus an und können dann möglicherweise schädigend wirken. Und auch über mögliche Wechselwirkungen der Pestizide im Körper ist immer noch viel zu wenig bekannt. Im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes gilt deshalb: Jeder Mensch sollte so wenig Pestizide wie möglich mit der Nahrung aufnehmen.

Gesundheitsfördernd?

Die Natur hat in Trauben viel Gutes verpackt. Neben Vitaminen und Mineralstoffen vor allem auch sekundäre Pflanzenstoffe wie die antioxidativ sehr wirksamen Polyphenole (Katechine, Tannine). Diese Gerbstoffe stecken allerdings zu einem hohen Prozentsatz in den Traubenkernen. Und so kann man es auch bedauern, dass die zweifellos bequemer zu verzehrenden kernlosen (seedless) Sorten eine immer größere Marktbedeutung haben.

Tipp: Waschen Sie die Weintrauben immer erst unmittelbar vor dem Verzehr. So kann der weiße Duftfilm, der Kondensniederschlag, die Trauben länger schützen. Um Pestizidrückstände möglichst weitgehend zu entfernen, sollten Sie warmes Wasser benutzen und die Trauben anschließend trockentupfen.

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