Weinblätter Test

Ob gefüllt oder ungefüllt: Weinblätter sind mit Vorsicht zu genießen. Wir fanden jede Menge Pestizide. Fast jedes zweite Produkt hätte nicht verkauft werden dürfen.

Es gibt sie mit Reis, Käse oder Hackfleisch, mit Kräutern, Minze, Pinienkernen oder Rosinen: Gefüllte Weinblätter sind gerade von türkischen, griechischen und orientalischen Speiseplänen nicht wegzudenken. Aber auch bei uns greift man inzwischen gern auf die exotische Variante der Kohlroulade zurück, die in jedem gut sortierten Supermarkt angeboten wird.

Allerdings lauern in den grünen Blättern Stoffe, die den unbeschwerten Genuss verderben. Wir haben 33 gefüllte und ungefüllte Weinblätter, darunter zwei Bioprodukte, unter die Lupe genommen und auf mehr als 370 Pestizide überprüft. Unerfreuliches Ergebnis: Kein Produkt war frei von Rückständen. 15 Produkte hätten nach geltendem Gesetz gar nicht in den Einkaufskorb gelangen dürfen. Sie waren „stark belastet“. Das bedeutet, bei ihnen waren die erlaubten Höchstgrenzen für Pestizide in einem oder sogar in mehreren Fällen überschritten. Einige Blätter zeigten sich mit unappetitlichen gelben Ablagerungen, die auf einen zu hohen Schwefelgehalt hindeuten. Nur zehn Weinblätter waren sehr gering oder gering belastet.

Besonders ärgerlich: Auf Bio ist hier kein Verlass. Auch in den beiden Bioprodukten von bio-verde und Greek Artisans fanden unsere Prüfer Pestizide. bio-verde war „deutlich belastet“ und Greek Artisans hätte gar nicht über den Ladentisch gehen dürfen.

Lücke im Gesetz

Weinblätter Test

Die Pestizidfunde in Weinblättern zu bewerten, ist nicht ganz einfach. Für das Nischenprodukt gibt es bis auf Kupfer keine spezielle Höchstmengenregelung. In der amtlichen Lebensmittelüberwa­chung wird dafür in der Regel der Maßstab wie bei frischen Kräutern angelegt. Auch wir haben uns daran orientiert. Obwohl üb­licherweise nur wenige Weinblätter pro Mahlzeit gegessen werden, erscheinen die Höchstmengenüberschreitungen sehr bedenklich. Andererseits liegen die erlaubten Grenzwerte für Tafeltrauben oft deutlich höher – obwohl im Durchschnitt mehr Trauben als Blätter auf einmal gegessen werden. Hier besteht Klärungsbedarf.

Pestizide im Weinanbau

Weinblätter Test

Ursache der Belastung sind Pflanzenschutzmittel, die im Weinanbau eingesetzt werden. Pestizide sollen die Rebstöcke beispielsweise vor Insektenfraß und Pilzbefall schützen. Rückstände der gespritzten Gifte finden sich dann in Trauben und Laub. Im ökologischen Weinanbau wird auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pes­tizide verzichtet. Erlaubt sind dagegen Schwefel und Kupfer. In unserem Test wurden jedoch in den Bioprodukten Rückstände von Substanzen gefunden, die für den Öko-Weinbau verboten sind.

Verwirrend für den Verbraucher ist die Aufschrift auf den Agra-Weinblättern. Sie lautet im Original „Product der okologisch saubern Gebieten“, obwohl es sich um kein Bioprodukt handelt. Nachgewiesen wurden darin gleich acht Pestizide, davon vier mit deutlicher Höchstmengenüberschreitung.

Am häufigsten fielen unseren Prüfern bei den überschrittenen Grenzwerten die Pestizide Penconazol, Procymidon und Schwefel auf. Trauriger Spitzenreiter war das Produkt der Marke La Comtesse. Hier lag der ermittelte Procymidon-Wert gleich um das 365 fache über dem Erlaubten. Dieses Produkt sollte nicht auf den Tisch kommen.

Gutes aus dem Weinblatt

Dabei können Weinblätter richtig gut schmecken. Und auch die Zubereitung ist einfach: Frische Blätter werden kurz blanchiert, nach Wunsch gefüllt und dann mit etwas Wasser 30 bis 40 Minuten gegart. In Lake eingelegte Blätter müssen vor dem Verarbeiten kurz gewässert werden, um das Salz zu entfernen.

Gäbe es das Pestizidproblem nicht, könnten Weinblätter womöglich Positives zur Gesundheit beitragen. Die enthaltenen Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) unterstützen den Körper beim Kampf gegen sauerstoffhaltige, freie Radikale. Ob rotes Weinlaub wie in manchen Medikamenten versprochen auch die Blutgefäße stärken kann, ist jedoch nicht gesichert. In der Naturheilkunde werden warmfeuchte Laubwickel empfohlen, um müde, geschwollene Beine wieder auf Trab zu bringen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1150 Nutzer finden das hilfreich.