Wein Meldung

Im 17. Jahrhundert wurde der Naturkork zum Standard­verschluss. Heute machen ihm neue Typen den Rang streitig.

Der Klassiker

Der Korken ist elastisch und formschön. Zieht man ihn aus dem Flaschenhals, macht sein sattes „Plopp“ Weinliebhaber zufrieden. Doch der natürliche Traditionsverschluss aus der Rinde der Korkeiche bekommt immer mehr Konkurrenz – nicht nur im Billigweinsektor.

Seine Konkurrenten

Viele Winzer nutzen schon länger Kunststoffstopfen Sie kosten 4 bis 12 Cent pro Stück, Naturkorken hingegen 13 bis 50 Cent. Der Trend geht stark Richtung Schraubverschluss, auch deutsche Premiumweingüter setzen ihn zunehmend ein. Er ist in der Gastronomie sehr beliebt. Weltweit werden in diesem Jahr voraussichtlich 2,5 Milliarden Weinflaschen mit Schraubverschluss verkauft – vor fünf Jahren waren es nur 300 Millionen. Andere Lösungen etablieren sich gerade, etwa Glasstopfen oder auch Edelstahlkronkorken, verborgen unter einer Kapsel am Flaschenhals. Ob sie dem guten alten Rindenprodukt den Rang ablaufen, bleibt abzuwarten. Langjährige Erfahrungen zur Lagerung gibt es für sie noch nicht.

Seine Schwächen

Zum Zuge kommen neue Verschlusstypen auch wegen des unerwünschten Korkge­schmacks. Fünf bis zehn Prozent der Korken sind von ihm betroffen. Schuld sind Mikroorganismen. Sie erzeugen Substanzen, die bei der Sterilisation der Korken geschmacksaktiv werden wie zum Beispiel Trichloranisol. Für deutsche Weißweine ist das folgenschwerer als für kräftige Rotweine aus südlichen Gefilden. Denn der Korkgeist führt dazu, dass dumpfe oder typisch-muffige die fruchtigen Aromen überdecken, der Wein verliert seine Brillanz. Zudem muss Naturkork wachsen und kann nicht in beliebigen Mengen produziert werden.

Seine Stärken

Anhänger des Naturkorkens argumentieren, er lasse dosiert Sauerstoff durch, was als wichtig für die Reife des Weines gilt. Untersuchungen widerlegen das aber: Naturkorken atme gar nicht, er schließe luftdicht ab. Andere Versuche zeigen, dass die Durchlässigkeit des Verschlusses gar nicht so wichtig ist für den Reifeprozess. In der Flasche verbleibe dafür ausreichend Sauerstoff.

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