Wege zur Arbeit Meldung

Neue Urteile sorgen dafür, dass Arbeitnehmer jetzt für zahlreiche Arbeitswege doppelt so viel absetzen dürfen wie bisher.

Gute Nachrichten kommen vom Bundesfinanzhof (BFH): Die obersten Finanzrichter haben entschieden, dass alle Arbeitnehmer höchstens eine regelmäßige Arbeitsstätte haben. Der Vorteil: Für jeden Weg zu einem anderen Arbeitsort können sie Reisekosten absetzen (Az. VI R 55/10, VI R 36/10 und VI R 58/09).

Wege zur Arbeit Meldung

Das bringt Autofahrern häufig mehr Steuerersparnisse. Denn als Reisekosten können sie für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent geltend machen oder ihre tatsächlichen Kilometerkosten und außerdem häufig die Pauschalen für Verpflegung.

Bisher erkannte das Finanzamt nur die Pendlerpauschale von 30 Cent je Kilometer der einfachen Entfernung an – auch bei Berufstätigen mit mehreren Arbeitsstätten. Das Finanzamt argumentierte, dass es dann mehrere regelmäßige Arbeitsstätten gebe.

Die Finanzbeamten müssen die Grundsatzurteile der obersten Finanzrichter nun in allen offenen Fällen anwenden. Um den Beamten die Einordnung von Arbeitsstätten zu erleichtern, stellte das Bundesfinanzministerium (BMF) eine Zeitregel auf: Arbeitnehmer haben dort eine regelmäßige Arbeitsstätte im Betrieb ihres Chefs, wo sie mindestens 20 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen (BMF-Schreiben vom 15.12.2011, Az. IV C 5 - S 2353/11/10010).

In der Praxis wird die Zeitregel allerdings zu manchem Streit führen. Denn es kommt noch auf ein weiteres Merkmal an: Das Finanzamt darf eine Arbeitsstätte nur dann als regelmäßig ansehen, wenn dort auch der qualitative Schwerpunkt der Arbeit liegt. Ist das nicht der Fall, obwohl die Zeitregel erfüllt ist, müssen Arbeitnehmer das dem Finanzamt nachweisen, damit sie höhere Reisekosten absetzen dürfen.

Beispiel: Ein angestellter Handelsvertreter, der montags bis donnerstags im Außendienst beim Kunden ist und freitags Vor- und Nacharbeiten in der Firma erledigt, hätte nach der Zeitregel eine regelmäßige Arbeitsstätte in der Firma seines Chefs.

Doch der Schwerpunkt der Arbeit liegt eindeutig im Außendienst, und das ist nach den BFH-Urteilen entscheidend. Weil das Firmenbüro nicht Mittelpunkt der Tätigkeit ist, gilt es auch nicht als regelmäßige Arbeitsstätte. Im Ergebnis hat der Vertreter keine regelmäßige Arbeitsstätte und kann für alle Arbeitstage Reisekosten abrechnen:

1 251 Euro Steuerersparnis mit Außendienst

Fahrten zum Büro des Chefs: 50 Arbeitstage 20 Kilometer Hin- und Rückweg 0,30 Euro: 300 Euro
+ Fahrten zu diversen Kunden: insgesamt 9 000 Kilometer Hin- und Rückweg 0,30 Euro: 2 700 Euro
+ Verpflegungspauschale für 180 Tage 6 Euro: 1 080 Euro
= Werbungskosten: 4 080 Euro

Steuerersparnis inklusive Soli bei 30 Prozent Grenzsteuersatz: 1 251 Euro

Tipp: Erkennt das Finanzamt Ihre Reisekosten nicht an, legen Sie innerhalb eines Monats Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein. Lassen Sie sich von Ihrem Chef bestätigen, dass der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit außerhalb des Betriebs liegt, damit das Finanzamt alle Reisekosten akzeptiert.

Jahrelang am anderen Ort

Auf hohe Werbungskosten können auch Arbeitnehmer kommen, die vorübergehend in einer anderen Einrichtung ihres Arbeitgebers oder in einem verbundenen Unternehmen tätig sind. Denn dieser Ort wird nicht zu ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte, selbst wenn sie jahrelang dort arbeiten.

Beispiel: Ein Softwareentwickler wird von seiner Berliner Firma für vier Jahre in eine Zweigstelle in Nürnberg geschickt, um dort ein neues Programm einzuführen. Er hat in Nürnberg keine regelmäßige Arbeitsstätte, da er nach Berlin zurückkehren soll.

Folglich kann er für jeden Fahrkilometer mit seinem Auto zur Nürnberger Firma mindestens 30 Cent absetzen. Behält er in Berlin seine Wohnung und mietet in Nürnberg noch eine, kann er auch die Kosten für den zweiten Haushalt geltend machen.

3 685 Euro Steuerersparnis

Fahrten von der Nürnberger Wohnung zur Außenfiliale: 230 Tage 50 Kilometer Hin- und Rückweg 0,30 Euro: 3 450 Euro
+ Verpflegungspauschale für die ersten drei Monate: 90 Tage 6 Euro: 540 Euro
+ Mietkosten für Zweitwohnung in Nürnberg 12 Monate 600 Euro: 7 200 Euro
+ 12 Heimfahrten 445 Kilometer (einfache Entfernung) 0,30 Euro: 1 602 Euro
= Werbungskosten: 12 792 Euro

Steuerersparnis inklusive Soli bei 30 Prozent Grenzsteuersatz: 3 685 Euro

Tipp: Entscheidend ist, dass Sie nur vorübergehend woanders eingesetzt werden. Wie lange, spielt keine Rolle. Wenn Sie am Ende unbefristet bleiben, kommt es nur darauf an, dass Ihr Einsatz zu Beginn befristet war und Sie nicht dauerhaft bleiben sollten.

Sonderfall befristeter Einsatz

Arbeitnehmer, die befristet in einem anderen Unternehmen arbeiten, haben in dieser Zeit ebenfalls keine regelmäßige Arbeitsstätte. Das entschied das Finanzgericht Münster für einen Leiharbeiter, weil er sich nicht darauf einstellen konnte, langfristig dort beschäftigt zu sein (Az. 13 K 456/10).

Auch ein Monteur setzte sich durch. Sein Arbeitsplatz war ein Baucontainer, der sich leicht transportieren lässt. Der Mann konnte nicht damit rechnen, auf Dauer am selben Ort zu arbeiten.

Das Finanzamt wollte nur 30 Cent Entfernungspauschale für die einfache Strecke akzeptieren. Doch der Monteur darf Reisekosten absetzen, also doppelt so viel: Für die 46 Kilometer zur Baustelle sind das 6 155 Euro (2 46 Kilometer 223 Arbeitstage 30 Cent). Davon muss er nur das Geld abziehen, das sein Arbeitgeber ihm erstattet hat (Finanzgericht Münster, Az. 10 K 2037/10).

Neben Fahrt- und Übernachtungskosten kommen häufig in den ersten drei Monaten je Einsatzstelle die Verpflegungspauschalen dazu: je nach Dauer der Abwesenheit von zuhause zwischen 6 und 24 Euro am Tag.

Die Dreimonatsfrist beginnt wieder neu, wenn die Einsatzstelle wechselt oder die auswärtige Tätigkeit nur ein oder zwei Tage in der Woche dauert oder wenn der Einsatz aus beruflichen Gründen für mindestens vier Wochen unterbrochen wird.

Fahrende Arbeitnehmer wie Berufsfahrer, Piloten, Rettungsassistenten und Seeleute können meist endlos Verpflegungspauschalen in ihrer Steuererklärung geltend machen. Denn mit jeder Fahrt beginnt die Frist neu, selbst wenn sie dieselbe Strecke fahren.

Die Frist fängt wieder neu an, wenn ein Kraftfahrer morgens um 7 Uhr auf dem Betriebshof den Auftrag abholt und endet, wenn er den Lkw dort wieder abstellt. Kommt er um 15.30 Uhr zurück, hat er 6 Euro Verpflegungspauschale gut, weil er mehr als acht Stunden unterwegs war. Dadurch kommt auf 1 380 Euro (230 Tage 6 Euro) Werbungskosten im Jahr.

Einschnitte geplant

Bei der Verpflegungspauschale könnte es allerdings bald Einschnitte geben, die Neuerungen sollen frühestens ab 2014 kommen. Nach den Plänen des Bundesfinanzministeriums soll es nur noch einheitlich 9 Euro Verpflegungspauschale für mindestens zehn Stunden Abwesenheit geben.

Das ist einfacher, aber für viele nachteilig: Leer ginge dann aus, wer heute für weniger als zehn Stunden Abwesenheit 6 Euro bekommt. Hohe Einbußen hätten alle, die mehr als 14 Stunden auf Achse sind und derzeit bis zu 24 Euro pro Tag erhalten.

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