Wechseljahre des Mannes Meldung

"Männerärzte" sagen: Männer in den Wechseljahren sind behandlungsbedürftig. Mit Hormonen können sie frisch gemacht werden. Klar ist nur: Die Prostata muss regelmäßig kontrolliert werden.

Ist es der Jungbrunnen oder nur eine grandiose Geschäftsidee? Gestresste US-Amerikaner dürfen seit einigen Jahren ein Hormon schlucken ­ ohne ärztlichen Rat, ohne Rezept, weitgehend unbehelligt von Bedenkenträgern aus Wissenschaft und Forschung. Denn das DHEA, ein schwach androgen wirkender Vorläufer des männlichen Sexualhormons Testosteron, wird in den USA als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Seine Anhänger preisen DHEA als "Powerhormon", das jung erhält ("Anti-Aging") und gegen allerlei Malaisen des Alters hilft.

Nebenwirkungen bekannt

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PSA-Werte im Blut: So werden die meisten Prostatakrebserkrankungen erkannt. Einer von fünf Männern wird von diesem Krebs betroffen sein.

Allerdings sind bei DHEA, aus dem der Körper Testosteron wie Östrogen bildet, auch entsprechende, manchmal schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt: Zum Beispiel Herzerkrankungen, vermutlich Prostatakrebs bei Männern, bei Frauen männliche Effekte wie Akne und zunehmende Körperbehaarung.

Weil kein Antrag gestellt wurde, ist DHEA in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, wird aber von Interessenten über das Internet aus dem Ausland geordert. Theoretisch ist alles klar: Die Gabe von Testosteron bewirkt eine Zunahme der Muskelmasse und -kraft sowie der Knochenmasse und -dichte. Gleichzeitig verringert sich die Fettmasse. Es wirkt dem altersbedingten Verlust roter Blutkörperchen entgegen, die Zahl der Sauerstoffträger im Blut wird erhöht.

Gegen Impotenz hilft Testosteron fast nie. "Es kann sogar zu besonders frustrierenden Erlebnissen kommen, weil es das sexuelle Verlangen steigert, nicht aber die Erektionsfähigkeit", gibt Privatdozent Dr. Friedrich Jockenhövel von der Universität Köln zu bedenken. Wenn einer Potenzschwäche organische Ursachen zugrunde liegen, sind andere, spezifischere Behandlungsformen wie durchblutungsfördernde Injektionen oder Medikamente wie Viagra, Uprima, Ixense hilfreich.

Obwohl über positive Effekte spekuliert wird, konnte bisher keine klinische Studie Verbesserungen bei älteren Männern eindeutig dokumentieren. Nicht mehr umstritten ist in medizinischen Expertenkreisen indes, dass einige Männer unter Veränderungen im Hormonhaushalt ihres Körpers leiden.

Im Unterschied zu den Wechseljahren der Frau sinkt der männliche Hormonpegel jedoch sehr langsam, und auch im fortgeschrittenen Alter sind die Testosteronwerte von Mann zu Mann sehr unterschiedlich.

Bei einigen Betroffenen entwickelt sich Libidoverlust, Nachlassen sexueller Aktivität, Kraftlosigkeit, Vermehrung der Fettmasse, Hauttrockenheit, Blutarmut, Knochenschmerzen durch Osteoporose, aber auch psycho-vegetative Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick und Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen. Die Gesamtheit dieses Syndroms wird heute als partielles Androgen-Defizit des alternden Mannes (PADAM) bezeichnet.

Tabletten, Pflaster, Gele

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Niedrige Hormonwerte allein sind kein Problem. Treten bei einem Mann jedoch zusätzlich charakteristische Beschwerden auf, kann er eventuell von einer Hormonbehandlung profitieren. Es gibt eine Reihe von Präparaten, mit denen Testosteron zugeführt werden kann: Spritzen und Implantate, Tabletten, Pflaster und Gele. Alle haben Vor- und Nachteile. Aus ärztlicher Sicht sind Pflaster, die auf den rasierten Hodensack geklebt werden, am günstigsten, denn mit ihnen kann das Testosteron genau dosiert werden, und sie sind bei Komplikationen schnell zu entfernen.

Testosteronbehandlungen sind für alternde Männer jedoch nicht allgemein zu empfehlen. Langzeiterfahrungen fehlen. "Jede einzelne Therapie ist ein Experiment, dessen Erfolg nicht vorhergesagt werden kann", meint der Würzburger Endokrinologe Professor Bernd Allolio.

Testosteronmangel nachweisen

Ohne nachgewiesenen Testosteronmangel ist eine Therapie nicht gerechtfertigt. Denn die genannten Beschwerden können viele andere Ursachen haben: Erschöpfung und Durchblutungsstörungen treten auch infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes auf, Osteoporose entsteht durch Alkoholkonsum oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Überhaupt nicht zur Debatte steht eine Behandlung, wenn der Patient anfällig für nächtlichen Atemstillstand (Schlafapnoe) ist oder an Prostatakrebs leidet. Diese Erkrankungen können durch Testosterongaben ungünstig beeinflusst werden.

Vieles ist ungeklärt

Kritische Mediziner raten derzeit von Hormonpräparaten ab, zumal ungeklärt ist, wie sie dosiert werden sollen. Dass nicht wenige der an der Hormonforschung beteiligten Mediziner zugeben, selbst DHEA einzunehmen, muss noch kein Beweis für die Wirksamkeit und vor allem die Sicherheit von Hormonpillen sein.

Eine ärztliche Überwachung der Prostata und des prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert) während einer Therapie ist zudem zwingend erforderlich. Das prostataspezifische Antigen (PSA), ein von der Drüse produzierter Eiweißstoff, weist mit erhöhten Werten auf Veränderungen in der Vorsteherdrüse hin.

Prostata: Check, Kontrolle, Chancen

Nur wenige Männer nutzen allerdings die bei Hormoneinnahme besonders dringlichen Prostata-Früherkennungsuntersuchungen, auch aus Angst vor einem negativen Befund. Statt Chancen zu nutzen, riskieren sie viel. Denn einer von fünf Männern wird einmal Prostatakrebs haben. Bei einem 60 Jahre alten Mann beträgt die Wahrscheinlichkeit etwa 50 : 50.

Eine Frühdiagnostik hat erst der PSA-Test ermöglicht, den es seit einigen Jahren gibt. Etwa 90 Prozent aller Prostatakrebserkrankungen werden durch erhöhte PSA-Werte erkannt. Umso unverständlicher ist es, dass der PSA-Test bei der Krebsfrüherkennung keine Kassenleistung ist.

Wird bei einem Patienten in kurzer Zeit ein ungewöhnlich rascher PSA-Anstieg festgestellt, ist das für den Arzt ein Signal für umgehende weitere Untersuchungen. PSA-Werte unter 4 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) gelten als normal, zwischen 4 und 10 ng/ml liegt die Grauzone, ab 10 ng/ml besteht Krebsverdacht.

Verschiedene PSA-Tests

Die Ergebnisse der verschiedenartigen PSA-Testmethoden in den Laboratorien sind nicht immer miteinander vergleichbar. Gefordert werden eine stärkere Qualitätskontrolle und standardisierte Tests. Zahlreiche Testverfahren sind im Umlauf.

- Die PSA-Bestimmung sollte immer mit dem gleichen Test, im gleichen Labor und auch beim gleichen Arzt erfolgen.

Eine gutartige Wucherung (BPH) und andere Faktoren können die Werte erhöhen, das Medikament Finasterid gegen eine gutartige Prostatavergrößerung kann sie um die Hälfte senken. Es gibt auch falsch negative Befunde ­ manchmal bleibt der PSA-Test bei Krebs "stumm".

Bei erhöhten Werten sind weitere Untersuchungen erforderlich: eine rektale Ultraschallbegutachtung und eine Gewebeentnahme (Biopsie) zur Klärung des Verdachts.

- Die Art der Behandlung ­ vor allem die Operationsentscheidung ­ ist auch eine Frage des Alters. Da bei etwa der Hälfte aller Männer erst mit über 75 Jahren Prostatakrebs diagnostiziert wird, stellt eine radikale Entfernung der Drüse unter Umständen ein Risiko dar.

- Bei einem Patienten über 70 Jahre mit einem örtlich begrenzten Prostatakarzinom, bei dem für die nächsten 10 bis 14 Jahre keine Sterblichkeit zu erwarten ist, sollte die Lebensqualität im Vordergrund stehen, sagen viele Ärzte. Denn bei älteren Menschen wächst der Krebs meist nicht mehr so schnell wie in jüngeren Jahren.

Männer in mittleren Jahren profitieren eindeutig von der Krebsfrüherkennung und der möglichen Heilung durch eine Totaloperation. Mit Krebs sollten Männer bei der Erstuntersuchung aber nicht rechnen. Meist ist die Prostata "gutartig" oder ein Medikament kann helfen.

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