Die Diskussion um Risiken der Hormonersatztherapie während der Wechseljahre ­ Folge sind angeblich 5.000 Brustkrebserkrankungen und 3.000 Fälle von Gebärmutterkrebs ­ hält an. Als Ursache hatten das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin und das Wissenschaftliche Institut der AOK unter anderem ermittelt, dass Ärzte hierzulande immer noch viel zu häufig reine Östrogenpräparate verordneten. Die seien aber nur für Frauen geeignet, deren Gebärmutter entfernt worden sei.

Das Brustkrebsrisiko, sagen Kritiker der Bremer Wissenschaftler, sei internationalen Studien zufolge bei einer Einnahme der Hormonpräparate über weniger als fünf Jahre nicht erhöht.

Die Fachverbände der Frauenärzte gehen im Gegensatz zu den Bremer Berechnungen von etwa 500 zusätzlichen Krebsfällen pro Jahr in Deutschland aus. Bei der Bewertung der Risiken dürfe auch der Nutzen einer Hormoneinnahme nicht übersehen werden, zum Beispiel für die Knochengesundheit und das Herz-Kreislauf-System. Vor einer Verordnung sei auf jeden Fall die individuelle Nutzen-Risiko-Analyse für jede einzelne Frau erforderlich.

Ebenfalls geklärt werden muss noch der vermutete positive Einfluss von Hormongaben auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In mehreren Studien wurden positive Auswirkungen auf Cholesterin- und Blutfettwerte nachgewiesen. Unklar ist aber, ob die Herzinfarktrate gesenkt werden kann. Eine neuere Studie zeigt, dass eine schon bestehende Herzerkrankung und Arterienverkalkung durch Hormongaben nicht zu bremsen sind. Klarheit soll in etwa fünf Jahren eine US-Studie mit 27.000 Teilnehmerinnen bringen. Für Deutschland gibt es bisher keine Daten.

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