Wechsel der Kranken­versicherung Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts

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Wechsel der Kranken­versicherung - Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts
Zwei Systeme. Versicherte dürfen nicht beliebig zwischen gesetzlicher und privater Kranken­versicherung hin und her wechseln. © Getty Images / Matthias Tunger

Die Beiträge in der privaten Kranken­versicherung (PKV) steigen. Wir erklären, wer in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) zurück wechseln kann und wie das geht.

Wechsel der Kranken­versicherung Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts

Wenn Sie in frühen oder auch späteren Jahren in die private Kranken­versicherung (PKV) gewechselt sind und das heute bereuen, kann das verschiedene Gründe haben. Der häufigste: Die Beiträge steigen, Ihr Einkommen nicht. Oder: Früher waren Sie Single, heute haben Sie Kinder, für die Sie eigene Verträge benötigen. Das summiert sich. In der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) sind Kinder lange kostenfrei familien­versichert.

Die Hürden für einen Wechsel zurück in die GKV sind hoch. Die Stiftung Warentest zeigt Ihnen, wie er funk­tionieren kann und was Sie dafür tun müssen.

Warum sich die Unter­suchung „Wechsel der Kranken­versicherung“ für Sie lohnt

  • Zurück in die Kasse. Das ist nicht leicht, aber mach­bar. Bis zum 55. Geburts­tag gibt es für Sie als privat kranken­versicherte Person verschiedene Wege, in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurück­zukehren. Sind Sie 55 Jahre alt oder älter, ist Ihnen der Weg meist versperrt – die Expertinnen der Stiftung Warentest sagen Ihnen, wie es trotzdem noch klappen kann.
  • Versicherungs­pflichtig werden. Um in die GKV zu kommen, müssen Sie in den meisten Fällen versicherungs­pflichtig werden. Wir zeigen, wie Angestellte und Selbst­ständige vorgehen können, um die Versicherungs­pflicht zu erreichen. Wichtig für Selbst­ständige ist vor allem, welche Punkte die Kassen prüfen. Zum Beispiel: Wann ist man eigentlich „haupt­beruflich selbst­ständig“?
  • Ab 55 Jahren. Fallen Sie nicht auf Anbieter im Internet herein, die für viel Geld sogar Rentne­rinnen und Rentnern noch eine problemlose Rück­kehr in die GKV versprechen. In unserem Beitrag lesen Sie, welche Wege Sie für einen recht­lich einwand­freien Wechsel ohne faule Tricks gehen müssen.
  • Alternativen. Für lang­jährig privat Versicherte ist es oft vorteilhafter, in der PKV zu bleiben. Wir zeigen Ihnen, welche Möglich­keiten Sie bei Ihrer privaten Versicherungs­gesell­schaft haben, um den Beitrag zu reduzieren.

Als Arbeitnehmer in die GKV zurück kommen

Sind Sie angestellt tätig und jünger als 55 Jahre, werden Sie wieder versicherungs­pflichtig, wenn Ihr Einkommen unter die Jahres­arbeits­entgelt­grenze von derzeit 66 600 Euro brutto im Jahr sinkt. Waren Sie schon am 31. Dezember 2002 privat versichert, muss Ihr Gehalt allerdings sogar unter 59 850 Euro brutto im Jahr (Werte für 2023) sinken.

Wir erklären, was Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer tun können, wenn Sie

  • Ihr Gehalt nicht oder nur zeit­weise reduzieren wollen,
  • bereits 55 Jahre oder älter sind,
  • sich in der Vergangenheit von der Versicherungs­pflicht befreien ließen.

Für Selbst­ständige ist der Wechsel aufwendiger

Als selbst­ständig Erwerbs­tätiger kommen Sie nur in die Kasse zurück, wenn Ihre selbst­ständige Tätig­keit nicht mehr Ihr Haupt­beruf ist. Anderenfalls ist für Sie sowohl die Versicherungs­pflicht als auch die Familienversicherung ausgeschlossen.

Wir erklären Ihnen:

  • was Sie als Selbst­ständige tun können, um in die Kasse zurück­zukommen, obwohl Sie Ihre selbst­ständige oder freiberufliche Tätig­keit nicht komplett aufgeben wollen,
  • worauf es den Kassen ankommt, damit Ihre Selbst­ständig­keit als Neben­job anerkannt wird.

Wechsel der Kranken­versicherung Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts

Rück­kehr mit über 55 – ohne faule Tricks

Egal ob Sie selbst­ständig, angestellt, arbeitslos oder schon in Rente sind: Ab dem 55. Geburts­tag ist Ihnen in den meisten Fällen der Rückweg in die GKV versperrt. Doch es gibt Ausnahmen.

Wir zeigen Ihnen, auf welche Rege­lungen Sie ab 55 Jahren zurück­greifen können,

  • wenn Sie als privat versicherte Person mit einer gesetzlich kranken­versicherten Person verheiratet sind oder in einer einge­tragenen Lebens­part­nerschaft leben,
  • wenn Sie als Privatversicherte vorüber­gehend im europäischen Ausland arbeiten,
  • wenn die Krankenkasse später heraus­findet, dass Sie sich mit falschen Angaben oder einer fingierten Anstellung Zugang zum gesetzlichen Versicherungs­system verschafft haben.

Falls ein Wechsel doch nicht geht

Der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist längst nicht für jeden sinn­voll und möglich. Die Alternative für viele: ein Tarifwechsel inner­halb der privaten Kranken­versicherung, um den Beitrag zu senken.

Ist für Sie bereits klar, dass Sie in der privaten Krankenversicherung bleiben werden, und Sie vor allem daran interes­siert sind, mit einem Tarifwechsel Geld zu sparen, finden Sie ausführ­liche Informationen in unserem Special Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung.

Privat Kranken­versicherte, die in finanziellen Schwierig­keiten stecken, finden viele Tipps und eine ausführ­liche Darstellung der sogenannten Sozial­tarife der PKV in unserem Special zum Standardtarif, Basistarif und Notlagentarif.

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117 Kommentare Diskutieren Sie mit

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gume1 am 07.01.2023 um 08:30 Uhr
Frage zur Beratung durch Kanzelei

Kennt jemand in diesem Forum eine seriöse, ggf auch Honorarberatung/Kanzelei im Raum Düsseldorf zu diesem Thema, an die man sich wenden kann?

Nee am 04.01.2023 um 13:51 Uhr
Zurück in die GKV - und als Rentner?

Nach der erfolgreichen Rückkehr in die GKV stellt man einige Jahre später als Rentner fest, dass da noch ein Haken ist. Um in die Krankenkasse für Rentner zu kommen muß man 90% der 2. Hälfte des Arbeitslebens in der GKV gewesen sein. D.H jemand der von 25 - 65 gearbeitet hat, muss spätenstens mit 46 zurück, sonst kann er als Rentner nur freiwilliges Mitglied werden und muß auf alle Einkommen, z.B. auf Kapitalerträge, Beiträge zahlen.
Die meisten Opfer dieser Regelung sind Partner von Privatversicherten, die wärend der Erziehungspause auch in der PKV waren, dann aber nach einer Scheidung mit Ende 40 wieder versicherungspflichtig gearbeitet haben.

Profilbild Stiftung_Warentest am 29.12.2022 um 15:37 Uhr
Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung

@alle: Die Zahlen zeigen, dass privat Versicherte auch im Alter vornehmlich die Vorzüge der privaten Krankenversicherung nutzen wollen und im System der privaten Krankenversicherung verbleiben.
Es liegen uns keine Hinweise dazu vor, dass die Gesetzlichen Krankenkassen eine missbräuchliche Nutzung der Rückkehrregel festgestellt haben.

Profilbild Stiftung_Warentest am 29.12.2022 um 15:35 Uhr
Umweg zurück in die GKV

@eddi0102: Der Gesetzgeber hat mit strengen Regeln dafür gesorgt, dass die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ab dem 55. Geburtstag nahezu vollständig versperrt ist. Damit soll genau das verhindert werden, was Sie anprangern: Nämlich, dass gut verdienende Menschen erst die Vorteile der privaten Versicherung mitnehmen und später wenn sie älter sind, weniger Einkünfte haben und vielleicht häufiger krank sind, ins solidarisch finanzierte gesetzliche System zurückkehren. Diese Regelung ist aus unserer Sicht konsequent und sinnvoll.

Gleichzeitig gehört es zu unseren Aufgaben, die Verbraucherinnen und Verbraucher über ihre gesetzlichen Rechte aufzuklären. Das tun wir mit diesem Beitrag.
Aus vielen Leserzuschriften wissen wir: Manche Menschen sind in die private Krankenversicherung geraten, weil sie schlecht beraten wurden, weil sie ihre langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven und die Beitragsentwicklung der privaten Versicherung falsch eingeschätzt hatten oder weil sie sich als kleine Selbstständige die in der Vergangenheit unverhältnismäßig hohen Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung schlicht nicht leisten konnten.
Wir sehen nichts Verwerfliches darin, diesen Menschen die Information zu geben, welche Optionen ihnen in ihrer jetzigen Lage offenstehen.

eddi0102 am 29.12.2022 um 09:52 Uhr
Es reicht!

Da dieser Beitrag trotz der Kritik nun prominent im Heft erschien:
Ich bleibe dabei: Hierfür Tipps zu geben ist absolut unmoralisch!
In jungen Jahren wäre man in der GKV Nettozahler. Hier kehrten die Privatversicherten der Solidargemeinschaft den Rücken zu. In späteren Jahren wird man in der GKV Netto-Empfänger. Nun, da es in der PKV teuer wird, kehrt man in den Schoß der GKV zurück und läßt sich von anderen subventionieren.
Jahrelang haben diese Personen tausende von Euro an Beiträgen gespart, und dabei noch die Vorteile der PKV genossen. Nun lassen sie andere für sich mitzahlen. Und die Stiftung Warentest gibt hierzu Tipps. Pfui, das ist einfach nur ekelhaft und widerlich. Aus diesem Grund habe ich soeben mein jahrelanges Abo gekündigt. So etwas möchte ich nicht weiter mittragen.