Wasserkocher Test

Heiße Metallbehälter, allergieauslösendes Nickel im Kochwasser, Mängel bei der Verarbeitung – 10 von 24 Geräten überzeugen nicht.

Die Erkenntnis kam im Morgengrauen. Wie immer stand Hans Joachim Schlichting in der Küche und setzte Teewasser auf. „Plötzlich fiel mir auf, dass ich im Laufe der Zeit zu meinem Teekessel eine Art persönliches Verhältnis entwickelt habe“, erzählt der Professor, der heute den Lehrstuhl für Didaktik der Physik an der Universität Münster innehat. „Das den Kochvorgang begleitende Geräusch ist mir zu einer liebgewordenen Melodie geworden.“ Solche Dinge las­sen einem Wissenschaftler keine Ruhe. Schlichting fing an, die Beziehung zu seinem Teekessel zu analysieren und den Kochvorgang mit physikalischen Augen zu sehen. „Unser Verhältnis hat sich seitdem geändert“, bekennt er. „Ich weiß, dass es nie wieder so sein wird, wie es war.“

Die „Melodie des Wasserkochens“

Wasserkocher Test

Praktisch, schnell, Energie sparend: Heißwasser aus dem elektrischen Wasserkocher.

Wer sein Verhältnis zu seinem Kessel nicht verändern will, sollte den nächsten Abschnitt auslassen und gleich zu den Testergebnissen übergehen. Für alle anderen die kurze Geschichte von der „Melodie des Wasserkochens“, die laut Professor Schlichting „im Wesentlichen den 'Todesschreien' kollabierender Dampfblasen zu verdanken ist“. Sie beginnt mit einem leisen Prickeln: Sobald sich Wasser erwärmt, verringert sich die Löslichkeit der darin gelösten Luft – sie entweicht in Form kleiner Bläschen, die nach oben perlen. Nimmt die Temperatur weiter zu, geht das flüssige Wasser in Dampf über: Erste Blasen steigen auf. Doch sie kommen nicht weit, weil der Dampf in den oberen, noch kälteren Wasserschichten wieder kondensiert – die Blasen kollabieren: Sie implodieren mit einem Knall. Je heißer das Wasser wird, desto mehr Blasen entstehen und implodieren. Der ganze Wasserkörper beginnt zu schwingen und verstärkt das Geräusch entsprechend der Kesselgeome­trie. Kurz vor Erreichen der Siedetempe­ratur kehrt wieder Ruhe ein. Die Blasen werden so groß, dass sie es bis an die Wasseroberfläche schaffen. „Damit nimmt die Zahl der Implosionen ab und verschwindet völlig, wenn alle Blasen ihr Ziel, die Freiheit in der Außenluft, erreichen“, so Schlichting. Dann kocht es – und die Melodie klingt leise plätschernd aus.

24 Wasserkocher von 15 bis 100 Euro

Wasserkocher Test

Mit einem Deckel, der sich weit öffnen lässt, ist das Füllen und Reinigen einfacher.

Wir haben 24 Wasserkocher mit Behältern aus Kunststoff, Metall und Glas getestet, davon 21 mit verdeckter Heizwendel und 3 mit offener. Preise: 15 bis 100 Euro. Alle sind über einen Sockel mit der Steckdose verbunden, die Kannen lassen sich ohne Kabel nutzen. Zwei haben einen integrierten Wasserfilter.

Der elektrische Wasserkocher gehört zu den praktischsten Möglichkeiten, Wasser zu erhitzen. Verglichen mit der klassischen Herdplatte oder der Mikrowelle ist er nicht nur am schnellsten, sondern auch sparsam . Um einen Liter Wasser zum Sieden zu bringen, brauchen alle Geräte rund 100 Wattstunden, je nach Bauart mal etwas mehr, mal etwas weniger. Abhängig von der Geräteleistung sind manche schneller als andere: Die leistungsstärksten Kocher im Test brauchen keine drei Minuten. Bei einigen dauert es dann aber sehr lange, bis sie automatisch abschalten: Der Clatronic WKS 2878 etwa köchelt fast eine Minute vor sich hin und verbraucht dabei unnötige Energie. Das ist Verschwendung. Insge­samt schnitten aber alle Geräte bei den Kocheigenschaften „gut“ oder „befriedigend“ ab .

Ausgießen ohne zu kleckern

Wasserkocher Test

Der Wasserkocher ist am schnellsten: So viel Zeit, Energie und Geld kostet es, einen Liter Wasser von 15 auf 95 Grad Celsius zu erhitzen

Der Wasserkocher ist am schnellsten: So viel Zeit, Energie und Geld kostet es, einen Liter Wasser von 15 auf 95 Grad Celsius zu erhitzen

Auch bei der Handhabung gibt es nur feine Unterschiede. „Gut“ ist zum Beispiel, wenn sich der Deckel weit öffnen lässt, sodass die Kanne leicht zu befüllen ist. Auch das Reinigen wird so einfacher . Je nach Wasserhärte setzen alle Geräte mit der Zeit Kalk an. Der sollte re­gelmä­ßig den Anbieterangaben folgend entfernt werden. Vor allem der Kenwood-Kocher mit Wasserfilter macht hier Schwierigkeiten . Erfreulich: Aus allen Kannen lässt sich heißes Wasser ohne zu kleckern ausgießen.

Nickel im Kochwasser

Größere Probleme ergaben sich in puncto Sicherheit und Schad­stofffrei­heit. Die getesteten Kocher mit offenem Heizelement ge­ben Nickel ins Wasser ab. Bei diesen Geräten liegt der Heizstab wie ein am Boden montierter Tauchsieder direkt im Wasser. Je nach Material der Wendel können sich beim Erhitzen Metalle ins Wasser lösen. Nickel ist ein häufiges Kontaktallergen: Sensibilisierte Menschen reagieren bei Kontakt mit Entzündungen der Haut . Da auch das Trinken von nickelbelastetem Wasser allergische Reaktionen auslösen kann, ist in der Trinkwasserverordnung ein Grenzwert festge­legt. Die Nickelkonzentrationen, die wir im Kochwasser des Clatronic WK 2885 und des AFK WK-1.7 N gefunden haben, liegen um ein Vielfaches darüber. Beide Kocher sind für Nickelallergiker ungeeignet, ein Hinweis auf den Geräten fehlt.

Kocher mit verdeckter Heizwendel erhitzen das Wasser über eine metallene Bodenplatte. Hier gingen zum Teil leichte Kupfergehalte ins Kochwasser über, die aber allesamt deutlich unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung lagen. Andere Schadstoffe, etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) im Kunststoff, fanden wir nicht.

Fast 90 Grad heiß

Edelstahlbehälter werden mit fast 90 Grad Celsius so heiß, dass eine unachtsame Berührung schmerzhaft enden kann. Wer beide Hände braucht, um eine bis zu drei Kilogramm schwere, gefüllte Kanne auszugießen, sollte besser einen Kocher mit Kunststoffbehälter wählen. Die bleiben außen kühler. Und auf die Metalloptik muss niemand verzichten: Manche sind mit Metall ummantelt. An der elektrischen Sicherheit gab es dagegen nichts auszusetzen. Die Dampfstoppautomatik schaltete alle Geräte zuverlässig ab. Wichtig zu wissen: Wird die angegebene Mindestfüllmenge unterschritten oder der Deckel beim Kochen nicht verschlossen, kann der Dampfstopp technisch bedingt schlecht reagieren. In einem solchen Fall könnte das Wasser bis zum letzten Tropfen verkochen, bevor mit dem Trockengehschutz die zweite Sicherung greift. Sie funktionierte bei allen Kochern im Test ebenfalls zuverlässig.

Etwa die Hälfte der Wasserkocher schaltet von selbst ab, wenn die Kanne vom Sockel genommen wird. Die anderen müssen manuell ausgeschaltet werden, sonst heizen sie beim Aufsetzen einfach weiter. Generell gilt: Das Abnehmen und Aufsetzen der Kanne unter Strom verkürzt die Lebensdauer der Kontakte. Also besser den Schalter benutzen.

Das Kochgeräusch haben wir übrigens auch beurteilt – nicht nach Melodie, sondern nach Dezibel. Einige Geräte sind so laut, dass sie eine normale Unterhaltung unmöglich machen. Was aber die Liebha­ber von Kochklängen vielleicht auch freuen wird.

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