Wasser­kocher Test

Günstig und fix heißt ihre Devise. Doch wegen Schwächen in der Hand­habung schneidet am Ende nur jedes zweite Modell gut ab.

Wasser­kocher Test

Deckel auf, Wasser rein, schließen, auf den Sockel stellen, Knopf drücken, warten, fertig: Wasser­kocher arbeiten schnell und zuver­lässig. Rund drei Minuten dauert es, bis ein Liter Wasser kocht. Der Russell Hobbs ist mit seinen 3 000 Watt der flinkste im Test, die anderen brauchen mit ihren 2 000 bis 2 400 Watt etwas länger.

Nichts erhitzt Wasser schneller als die elektrischen Kocher – weder Mikrowelle, Glaskeramik- oder Induktions­koch­feld, weder Herd­platte noch Gasherd. Bei den Energiekosten müssen sie sich nur dem Gasherd geschlagen geben: Er kann beim Wasser­kochen etwas Geld sparen. Rund 1 Cent pro Liter.

Die Wasser­kocher im Test kosten zwischen 18 Euro und 104 Euro. Keiner hat ein Problem, für kochendes Wasser zu sorgen. Der Hand­habungs­test erweist sich als ihre Heraus­forderung. Jeder zweite Kocher lässt sich schwer bedienen, vor allem das Entkalken und Reinigen macht oft Mühe. Die Siebe setzen sich im Laufe der Zeit mit Kalk zu. Es gilt, diese Mineralplätt­chen zu beseitigen, bevor die Siebe in der Ausguss­öffnung verstopfen. Beim Ausgießen rinnt das im Extremfall brodelnd heiße Wasser sonst unkontrolliert durch die Deckelfugen.

Kalk­plätt­chen im Tee

Der Aus- und Einbau der Siebe sorgt allerdings bei vielen Geräten für Verdruss. Das Sieb klemmt beim Heraus­nehmen, das Einsetzen ist eine Fummelei. So manches dieser Plastikteile landet erst einmal im Kocher, bevor es wieder an Ort und Stelle sitzt.

Wenn zudem die Deckel­öffnung so klein ist, dass die Hand nicht durch­passt, wie bei Efbe, WIK und WMF ärgert es erst recht. Theoretisch können die Siebe gleich draußen bleiben. Wer aber will schon die Kalk­plätt­chen im Tee haben, die zwangs­läufig am Kesselboden entstehen? Kalk­ablagerungen verschlechtern außerdem den Wärmeüber­gang vom Topfboden zum Wasser. Die Schichten wirken wie eine Dämmung. Einmal verkrustet sind die Kocher nur schwer zu reinigen.

Tipp: Benutzen Sie regel­mäßig einen handels­üblichen Entkalker – bei hartem Wasser nach rund 100 Litern. Wenn Sie täglich 1 Liter kochen also drei- bis viermal im Jahr.

Fünf mit Temperatur­regelung

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Sperre. Wer den Krups für nied­rigere Temperaturen nutzt, bringt das Wasser nicht so einfach wieder zum Sieden.

Weniger Kalk bildet sich, wenn das Wasser nicht bis zum Sieden erhitzt wird. Bei fünf Kochern kann der Nutzer die Temperatur einstellen. Wer löslichen Kaffee oder grünen Tee trinkt, wählt beispiels­weise 70 oder 80 Grad. Das Gerät schaltet sich dann auto­matisch ab. Lieb­haber grünen Tees müssen das Wasser nicht bis zum Siede­punkt erhitzen und dann auf die passende Temperatur abkühlen lassen. Das spart Zeit und Energie. Bei täglich 1 Liter grünem Tee bringt die Temperatur­regelung gut 2 Euro im Jahr.

Alle Modelle mit Temperatur­regelung können übrigens das Wasser eine Zeit lang warm halten. Sie heizen immer wieder nach, bis zu einer halben Stunde lang. Wenn das Wasser nicht siedend heiß sein muss, lässt es sich allerdings auch in einer Thermos­kanne warm halten.

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Bilderrätsel. Jedes Symbol auf den Knöpfen steht für eine Temperatur. Für welche? Das steht in der Anleitung.

Einen Nachteil bringt die Temperatur­regelung mit sich: Sie erschwert die Hand­habung. Wer zum Beispiel beim Krups-Kocher auf das Knöpf­chen mit dem Thermo­meter-Symbol drückt, löst eine Sperre aus. Mithilfe dieses Knöpf­chens stellt der Kocher die Abschalt­temperatur schritt­weise ein: 50, 60, 70, 85 Grad. Nur keine 100 Grad mehr. Wie sich die Sperre lösen lässt, steht in der Anleitung: Kocher vom Sockel nehmen oder so oft die Taste drücken, bis die Anzeige erlischt. Erst dann kocht der Kocher wieder. Auch der Philips lässt sich kaum ohne Anleitung bedienen. Es erschließt sich nicht, welches Piktogramm auf dem Geräteso­ckel für welche Gradzahl steht.

Wer ein wenig Energie sparen will, kann sich seinen Wasser­kocher auch danach auswählen, wie lange er das Wasser vor sich hin brodeln lässt, bis er sich bequemt abzu­schalten. Knapp 30 Sekunden verzögert der AEG das Abschalten. Braun, Philips und Unold lassen 20 Sekunden verstreichen. Das kostet den einen oder anderen Euro pro Jahr. Alle anderen Kocher schalten schneller ab.

Standby-Strom oder vier Monate Tee

Drei Wasser­kocher ziehen ständig Strom, sobald sie am Netz hängen – den Standby-Strom: Philips, Krups und AEG. Viel kostet das nicht – bis 1,20 Euro im Jahr. Doch die verschwendete Energie des AEG würde genügen, vier Monate lang morgens eine große Tasse Tee zu kochen.

Tipp: AEG und Krups ziehen keinen Standby-Strom, wenn Sie den Behälter vom Sockel nehmen oder den Netz­stecker ziehen. Eine schalt­bare Steck­dosen­leiste ist wegen Kurz­schluss­gefahr bei über­kochendem oder Tropf­wasser nicht geeignet.

Plastik statt Blech

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Der Topf aus Stahl (Kenwood) erreicht die Siede­temperatur des Wassers. Doppelwandig und Kunststoff innen (Siemens) isoliert besser.

Wasser­kocher mit doppelwandigem Plastiktopf heizen sich außen längst nicht so stark auf wie Bottiche aus Stahl­blech. Das ist wichtig für Haushalte mit Kindern. Einwandige Plastikkocher dämmen zwar besser als Stahl, werden nach einer Weile aber auch außen heiß. Das aufgekochte Wasser sollte also bald ausgegossen werden.

Beim Kochen könnten sich aus den Geräten Schad­stoffe lösen. Bis auf sehr geringe Mengen Bisphenol A, die laut europäischer Lebens­mittel­behörde EFSA kein Risiko bedeuten, haben wir keine gefunden. Betroffene Geräte sind am Befriedigend für Schad­stoff­freiheit erkenn­bar. Wer ganz sicher gehen will, kauft sich einen Kocher mit der Note Gut auch in diesem Punkt.

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