Wasser mit Geschmack Test

Die Anbieter werben mit Apfel, Erdbeere oder Orange. Tatsäch­lich setzen sie meist Fantasiearomen ein. Das täuscht Verbraucher. Drei Produkte enthalten krebs­erzeugendes Benzol.

Ein knackiger, grüner Apfel, zarte Wasser­perlen auf der Schale und ein Vulkan in der französischen Auvergne, unter dem natürliches Mineral­wasser entspringt: Mit dieser Idylle vermarktet Danone Waters sein Erfri­schungs­getränk Volvic Apfel. Die Franzosen waren die ersten, die Wasser mit Geschmack auf den Markt brachten. Schon Mitte der 90er Jahre gab es die ersten Sorten Volvic Mineral­wasser mit Frucht­geschmack.

Mitt­lerweile haben zahlreiche Anbieter solche Wässer in ihr Sortiment aufgenommen. Das Konzept – natürlich und fruchtig – geht auf. Die Deutschen kaufen mehr aromatisierte Wässer denn je: 2012 stieg ihr Absatz um mehr als 20 Prozent.

Aber wie viel Frucht enthalten sie wirk­lich? Wir haben 25 Wässer mit Frucht­geschmack in acht beliebten Sorten – von Apfel über Erdbeere bis Zitrone – ins Labor geschickt, darunter Marken­produkte und Eigenmarken des Handels. Das Test­ergebnis ist ernüchternd. Nur 6 Wässer mit Geschmack schneiden befriedigend ab, 6 sind mangelhaft, der Rest ist ausreichend. Für alle gilt: volle Frucht – Fehl­anzeige.

Frucht­abbildungen führen in die Irre

Wasser mit Geschmack Test

Irreführung: Hier ist nicht drin, was drauf­steht (Beispiele)

Der Test zeigt: Jedes der 25 Wässer mit Geschmack enthält nur ein individuelles Kunst­aroma, obwohl auf fast jedem Etikett reife, appetitliche Früchte abge­bildet sind. Das entspricht nicht den Leitsätzen für Erfri­schungs­getränke. „Natur­getreue Abbildungen“, heißt es dort, werden „nur dann verwendet, wenn Frucht­saft und/oder Frucht­mark enthalten sind“. Leitsätze sind keine Rechts­vorschrift, sie beschreiben aber, was der Verbraucher erwarten kann. Er erwartet Frucht. Ist sie drauf, aber nicht drin, ist das Verbraucher­täuschung. Die Produkte kommen durch zugesetztes Aroma auf den Geschmack. Doch das steht erst im Klein­gedruckten in der Zutaten­liste.

Gerade große Marken enttäuschen

Auch bei Volvic Apfel täuscht der Apfel auf dem Etikett. Aber nicht nur das. Im Zutaten­verzeichnis steht „Apfelaroma“. Das bedeutet: Für den Geschmack dürfte hier nur das authentische Aroma des Apfels sorgen. Doch im Labor entdeckten wir ein aus verschiedenen synthetischen Aroma­stoffen zusammengesetztes Fantasiearoma, das geschmack­lich ein Apfelaroma vortäuscht.

Auch nicht besser ist Bonaqa Pfirsich-Maracuja, ein Produkt aus dem Hause Coca-Cola. Auf dem Etikett sind Früchte abge­bildet, und im Zutaten­verzeichnis heißt es: Pfirsichsaft aus Pfirsichsaft­konzentrat (1,4 %) und natürliches Maracujaa­roma mit anderen natürlichen Aromen. Pfirsichsaftaroma konnten wir gar nicht finden, Maracujaa­roma lediglich in Spuren. Statt­dessen wurde ein Fantasiearoma aus natürlichen Aroma­stoffen verwendet, das geschmack­lich Pfirsich und Maracuja nur ähnlich ist.

Cassis-Aroma aus einer Arznei­pflanze

Um den Geschmack von schwarzer Johannis­beere (Cassis) zu imitieren, setzen Vitrex und Netto Marken-Discount haupt­sächlich auf Buccoblätter­extrakt, dem weitere natürliche Aroma­stoffe zugefügt wurden. Das müsste so auch im Zutaten­verzeichnis stehen. Die Anbieter deklarieren aber nur „natürliches Aroma“ und verheimlichen den Aroma­extrakt der Heil­pflanze Bucco. Deren Blätter haben einen cassis-ähnlichen Geschmack und werden auch für Teemischungen verwendet.

Aromatisiert und nur orangen­ähnlich

Aromabezeichnungen sind eine Heraus­forderung für Verbraucher. Steht zum Beispiel „natürliches Orangenaroma“ im Zutaten­verzeichnis, heißt das nicht, dass es ausschließ­lich Aroma­stoffe aus der Orange enthalten muss. Die Aromen­ver­ordnung erlaubt sogar bis zu 5 Prozent orangenfremde, aber natürliche Aromastoffe. Auch das voll­ständige Aroma der Orange muss nicht enthalten sein. Manche Aroma­stoffe werden von den Anbietern gezielt entfernt, weil sie das Getränk trübe machen würden. Auf die Klarheit des Wassers mit Geschmack legen sie großen Wert – so sieht es aus wie natürliches Mineral­wasser.

Bei Real Quality mit Orangengeschmack und Volvic Orange steht im Zutaten­verzeichnis „natürliches Orangenaroma“. Wir fanden bei beiden Aroma­stoffe, die in der Orange vorkommen, aber in völlig anderen Größen­ordnungen. An den natürlichen Verhält­nissen des Fruchtaromas wurde gebastelt. Das hat Folgen für den Geschmack. Beide Produkte schme­cken aromatisiert und nur orangen­ähnlich. Sie schneiden sensorisch nur ausreichend ab. Von einem natürlichen Fruchtaroma kann man einen natürlichen Frucht­geschmack erwarten.

Gerol­steiner punktet im Geschmack

Dem natürlichen Frucht­geschmack recht nah kommen die Produkte in den Geschmacks­richtungen Zitrone und Zitrone-Limette. Nur sie riechen und schme­cken nicht aromatisiert. Bei Apollinaris und Rheinfels Quelle kommt aber Zitrusschale durch – das gibt Minus­punkte.

Als einziges Produkt im Test kann sensorisch nur ein teures über­zeugen: Gerol­steiner Naturell Zitrone Limette. Es riecht und schmeckt nicht aromatisiert, sondern kräftig fruchtig nach Zitrone-Limette. Das volle Arom­aspekt­rum von Zitronen und Limetten bietet aber auch dieses Getränk laut Analyse nicht. Die Aromatüftler, die Flavor­isten, haben bei Geruch und Geschmack offen­bar ein glück­liches Händ­chen bewiesen.

Benzol über Trink­wasser-Grenz­wert

Besorgnis­erregend: In drei Wässern fanden wir krebs­erzeugendes und keim­zell­schädigendes Benzol. Bekannt ist, dass Benzol aus einer Reaktion des Konservierungs­stoffes Benzoesäure mit dem Antioxidations­mittel Ascorbinsäure entstehen kann. Da keines der Produkte beide Stoffe enthielt, über­raschte der Nach­weis von Benzol in drei Getränken mit Kirsch­geschmack. In Vitrex Kirsche waren es bis zu 4,6 Mikrogramm Benzol pro Liter – der Trink­wasser- Grenz­wert liegt bei 1 Mikrogramm. In Penny/ Elitess aqua plus Kirsch waren es im Schnitt 0,9 und in Volvic Kirsche 0,5 Mikrogramm pro Liter. Benzol hat in Lebens­mitteln nichts zu suchen.

Kalorien­arm heißt nicht zucker­arm

Wasser mit Geschmack Test

Viel Zucker. 1,5 Liter Hella Erdbeere und Aqua Culinaris Aqua Plus Erdbeer von Aldi (Süd) enthalten je 70,5 Gramm Zucker. Das entspricht 23,5 Stück Würfel­zucker.

Viel Zucker. 1,5 Liter Hella Erdbeere und Aqua Culinaris Aqua Plus Erdbeer von Aldi (Süd) enthalten je 70,5 Gramm Zucker. Das entspricht 23,5 Stück Würfel­zucker.

Aromen sind nicht alles, was in den Wässern steckt. Fast allen wird Zucker zugesetzt. Am meisten Zucker enthalten die Getränke mit Erdbeer­geschmack. Wer die ganze Flasche Hella Erdbeere oder Aqua Culinaris Aqua Plus Erdbeer von Aldi (Süd) trinkt, deckt seinen täglichen Flüssig­keits­bedarf von mindestens 1,5 Litern. Gleich­zeitig nimmt er aber auch 70,5 Gramm Zucker auf. Das entspricht 23,5 Stück Würfel­zucker. Frauen haben damit schon die tolerier­bare tägliche Menge Zucker über­schritten – Kinder erst recht. Im Test waren nur Apollinaris Lemon und Rheinfels Quelle Lemon zucker- und kalorienfrei. 16 der 25 Produkte werben damit, kalorien­arm zu sein. Das dürfen sie laut EU-Verordnung, so lange sie pro 100 Milliliter nicht mehr als 20 Kilokalorien enthalten. Das trifft bei allen zu. Mineral­wasser pur hat übrigens null Kalorien, Wasser mit Geschmack bis zu 200 Kilokalorien pro Liter.

Quelle wird oft nicht genannt

Bis auf Bonaqa enthalten alle Produkte natürliches Mineral­wasser. Aus welcher Quelle es kommt, steht selten auf dem Etikett. Nur bei Marken wie Volvic oder Gerol­steiner ist der Name Programm.

Fazit: Wässer mit Geschmack sind teurer als natürliches Mineral­wasser und enthalten oft reichlich Zucker. Volle Frucht fanden wir in keinem der Getränke im Test, statt­dessen Kunst­aromen. Früchte haben auf dem Etikett deshalb nichts zu suchen. Jede Aromatisierung muss richtig und klar erkenn­bar gekenn­zeichnet werden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 114 Nutzer finden das hilfreich.