Wasch­mittel Test

Strahlend weiß flattert die Wäsche im Werbe­wind. Tatsäch­lich aber lauert der Grau­schleier – mit flüssigen Voll­wasch­mitteln. Pulver waschen Weißes besser.

[Update 29.03.2012]

Bei den Produkten Ross­mann/domol, Penny/Shetlan Universal, Schle­cker/AS und Rewe/Ja! Universal wurden aufgrund von Nach­prüfungen das Einzel­urteil Gewässerbelastung, das Gruppen­urteil Umwelt­eigenschaften und das test-Qualitäts­urteil nach oben korrigiert. [Update Ende]

Einmal in der Woche verlässt der Fahrer den Hof des Prüf­instituts, im Gepäck säcke­weise saubere Wäsche. Die liefert er an mehr als 50 Haushalte in der Umge­bung aus. Im Gegen­zug sammelt er schmutzige T-Shirts, Frottier- und Gers­tenkorn­tücher ein. Die Familien haben die Sachen mehrere Tage lang ganz normal benutzt. Zurück im Labor rotiert die Schmutz­wäsche in der Trommel – immer unter gleichen Bedingungen, aber mit verschiedenen Wasch­mitteln. Geschulte Augen begut­achten anschließend akribisch den Reinigungs­effekt.

Welches Voll­wasch­mittel wäscht am weißesten? Welches lässt Flecken am besten verschwinden? Nach rund 6 Monaten und fast 1  000 Wäschen mit etwa 1,6 Tonnen Wäsche zeigt sich: Für alle weißen Textilien und gegen starke Flecken sind Pulver am besten geeignet. Flüssige Voll­wasch­mittel können ihnen nicht das Wasser reichen.

Persil und Ariel gut nur als Pulver

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Weiße Wäsche: Flüssige Produkte waschen schlechter als Pulver.

Anders bei Color­wasch­mitteln: Für alles Bunte gibt es gute flüssige Produkte . Die Ausgangs­frage für den aktuellen Test lautete daher: Können flüssige Voll­wasch­mittel mitt­lerweile mit Pulvern mithalten? Wir ließen die Pulver der beiden Markt­führer Persil und Ariel gegen 19 flüssige Voll­wasch­mittel antreten. Das Resultat: Nur Pulver entfernen Schmutz und Flecken wirk­lich gut.

Die Flüssigen schaffen bestenfalls ein Befriedigend, auch die teuren Ariel mit Actilift (0,28 Euro pro Wäsche) und Persil Universal-Gel (0,25 Euro). Fünf Flüssige belasten die Umwelt stärker: AS flüssig von Schle­cker, domol von Ross­mann, Lidl/Formil Aktiv, Shetlan Universal von Penny und Rewe/Ja! Universal. Sie waschen zwar nicht schlecht, aber ihre Rezepturen enthalten mehr Konservierungs­mittel als andere Wasch­mittel. In festen Pulvern sind Kon­ser­vierungs­mittel übrigens unnötig.

Graue Stunde für den Weißen Riesen

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Grau­schleier: Manche flüssige Voll­wasch­mittel lassen Weißes grau aussehen (oben, rechts). Das Hand­tuch links ist mit Pulver gewaschen.

Grau­schleier: Manche flüssige Voll­wasch­mittel lassen Weißes grau aussehen (oben, rechts). Das Hand­tuch links ist mit Pulver gewaschen.

Gegen alltägliche Verschmut­zungen wie Staub und Schweiß kommen haupt­sächlich wasch­aktive Substanzen, Tenside genannt, zum Einsatz. Sie lösen den Schmutz aus den Fasern und verhindern, dass er sich wieder auf anderen Geweben absetzt. Mit Pulvern klappt das am besten. Auch die Flüssigen von Aldi, dm, Edeka und Netto leisten in diesem Punkt einen guten Job.

Bei Spee Aktiv Gel und Weißer Riese Kraft Gel kann davon keine Rede sein. Bei ihnen verteilt sich der Dreck teil­weise auf dem Gewebe, statt aufgelöst im Spül­wasser in den Abfluss zu fließen. Mit der Zeit bekommen die Textilien einen Schmutz­schleier, dem auch die nächste Wäsche nichts anhaben kann. Statt weißen Schmuck­stücken hängen dann vergraute Frottiertücher im Bad. Am schlimmsten ist das beim Weißer Riese Kraft Gel. Hier ist der Name kein Programm. Ob Flecken von Salatdressing, Schokoeis, Blut oder Motoröl, ob im 60- Grad-Programm, bei 40 oder 20 Grad: Stets zeigt sich der Weiße Riese am schwächsten von allen, bleiben Flecken am stärksten sicht­bar. Nahezu gleich schlecht wirkt das Gel von Spee.

Nur Pulver mit Bleiche gegen Flecken

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Flecken: Make-up ist für viele Flüssig­mittel eine Heraus­forderung.

Flecken: Make-up ist für viele Flüssig­mittel eine Heraus­forderung.

Persil und Ariel hingegen demons­trieren einmal mehr die Vorteile der Pulver. Sie werden mit allen Flecken­arten am besten fertig. Nicht zuletzt deshalb, weil sie neben besonders wirk­samen Enzymen – das sind Eiweiß­körper, die Eiweiß, Fett und Stärke aufspalten können – auch Bleich­mittel enthalten. Gerade bei bleich­baren Flecken von Obst, Gemüse und Rotwein macht sich das bemerk­bar. Flüssige Wasch­mittel müssen grund­sätzlich ohne Bleiche auskommen. Sie lässt sich darin nicht einbinden. Statt­dessen sind bei farbigen Flecken Tenside und Enzyme extrem gefordert, in kühleren Wasch­laugen sind sie vielfach über­fordert. Nur die Flüssigen von Aldi, dm und Persil können schwierige Flecken auch bei 20 Grad ordentlich auswaschen. Bei 40 und 60 Grad kommen nur noch Aldi und dm den Pulvern nahe. Wenn schon Flüssige, dann die. Auch der Preis spricht für sie. Mit 13 Cent pro Wasch­gang kosten sie deutlich weniger als bekannte Marken­produkte.

Für die Hygiene besser 60 Grad

Bleich­mittel wirken auch gegen Keime, aber erst bei höheren Temperaturen. Kalt waschen heißt aber seit einiger Zeit die Devise. Stromsparen beim Wäsche­waschen ist angesagt. Je weniger die Wasch­maschine aufheizen muss, desto weniger Energiebenötigt sie. Die meisten Voll­wasch­mittel weisen die 20-Grad-Wäsche auch extra aus. Wenn es in erster Linie ums Auffrischen geht, reicht der sogenannte Nied­rigtemperatur­bereich oft aus. Kaum verschmutzte Ober­bekleidung ohne sicht­bare Flecken wie das einmal getragene Hemd oder die Bluse vom Kino­besuch werden schon bei 20 Grad genügend sauber. Staub­partikel und Gerüche verschwinden.

Steht die Hygiene im Vordergrund, muss die Wasch­lauge heißer sein. Unter­wäsche, Servietten, Bett­wäsche, Putzlappen, Hand­tücher und stark verdreckte Textilien gehören mindestens in die 40-Grad-Wäsche, besser noch ins 60-Grad-Programm. Leben im Haushalt Personen mit anste­ckenden Krankheiten, Allergiker und Pflegebedürftige, sollten Unter­wäsche, Bett­wäsche und Hand­tücher auf alle Fälle mit einem bleich­mittel­haltigen Pulver bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Das empfehlen Hygieniker und der Industrie­verband Körper­pflege- und Wasch­mittel.

Flüssige schonender zur Farbe

Für den Verbraucher ist es oft schwer, ein Voll­wasch­mittel zu erkennen. Manchmal taucht der Begriff vorn auf der Verpackung gar nicht auf. Einige nennen sich zum Beispiel universal oder Kraftgel. Das kann zu Verwechs­lungen mit Color­wasch­mitteln führen – mit bösen Über­raschungen.

Wer seine farbigen Textilien regel­mäßig mit einem Pulver-Voll­wasch­mittel wäscht, braucht sich über ein verblassendes Rot nicht zu wundern. Flüssige Voll­wasch­mittel schonen Farben besser als Pulver, doch auf Dauer schaden auch sie dem guten Ton.

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