Wasch­maschinen Test

Auch wenn 60 Grad drauf­steht: Spar­programme erreichen diese Temperatur bei weitem nicht. Um das beste Energielabel zu erhalten, drosseln die Anbieter die Temperatur.

Drei Pluszeichen sind die Krönung: mit einem A davor. Wer eine neue Wasch­maschine kauft, achtet auch auf den Strom- und Wasser­verbrauch. Das Energielabel erlaubt Kunden, die Geräte zu vergleichen. A+++ heißt besonders spar­sam, so hat man es gelernt. Was viele nicht wissen: Die Effizienz­klasse spiegelt nur den Verbrauch von zwei Programmen, den „Label­programmen“ 40- und 60-Grad-Baumwolle. Wie hoch der Energieverbrauch der anderen Programme ist, zeigt das Label nicht. Das ist welt­fremd – weil viele die spar­samen Programme gar nicht nutzen.

Spar­programme dauern vielen zu lang

Wasch­maschinen Test

Nur 28 Prozent der Befragten wählen ein Spar­programm. Das zeigt eine Umfrage der Stiftung Warentest vom vergangenen Sommer (test 08/2012). Die meisten wählen Stan­dard­programme, jeder Zweite ein Kurz­programm. Das Spar­programm dauert vielen offen­bar zu lange. Kein Wunder – mehr als drei Stunden sind keine Seltenheit (siehe Grafik). Ein Groß­teil der Befragten weicht sogar auf die schnellen Pflegeleicht­programme aus. Das heißt: Verbraucher kaufen Maschinen mit A+++, um Energie zu sparen – nutzen die spar­samen Programme aber oft gar nicht.

Spar­programm erreicht 60 Grad nicht

Wasch­maschinen Test

Es gibt ein weiteres Problem. Das 60-Grad-Spar­programm bietet nicht die Temperatur, die drauf­steht. Keine Wasch­maschine erreichte damit 60 Grad, wie unser Test im Januar ergab (test 01/2013). Wie aber ist es im Stan­dard­programm?

Wir haben die 13 Maschinen noch einmal ins Labor geholt, um Temperatur, Strom­verbrauch, Wasch­dauer und Kosten von Spar- und Stan­dard­programmen für normal verschmutzte Wäsche zu vergleichen. Ist beim „Stan­dard“ drin, was drauf­steht? Ja, lautet die Antwort – mit einer Ausnahme: dem Whirlpool-Top­lader. Alle anderen Wasch­maschinen, die ein 60-Grad-Stan­dard­programm bieten, zum Teil mit Bezeichnungen wie „Active“ oder „Power Wash Plus“, kommen damit auch auf 60 Grad: die Frontlader von AEG, Blom­berg, LG, Miele, Samsung, Siemens und der Top­lader von AEG. Beim Whirlpool-Top­lader schafft es hingegen auch das Stan­dard­programm nicht über 50 Grad hinaus.

Einige Geräte aus dem Januartest haben allerdings gar kein 60-Grad-Stan­dard­programm für normal verschmutzte Wäsche, sondern nur ihr 60-Grad-Label- beziehungs­weise Spar­programm: die Frontlader von Bauknecht, Candy, Gorenje, Whirlpool sowie der Miele-Top­lader. Hier stehen dem Nutzer als heiße Alternative nur 90-Grad- und teil­weise sogenannte Hygiene­programme zur Verfügung.

Fast doppelt so teuer

Stan­dard­programme waschen schneller als die Spar­varianten – verbrauchen aber in der Regel mehr Strom und Wasser. Das kostet den Verbraucher mehr Geld. Bei der LG-Maschine etwa schlägt der 60-Grad-Bunt­wasch­gang im Spar­programm mit 34 Cent zu Buche, im Stan­dard­programm mit 61 Cent (siehe Grafik oben). Fast doppelt so viel.

Warum es nicht richtig heiß wird

Wie kommt es zum Temperaturwirr­warr? Um mit ihren Label­programmen eine hohe Energieklasse zu erzielen, drehen die Anbieter an der Temperatur. Der meiste Strom geht fürs Aufheizen des Wassers drauf. Deshalb drosseln sie die Temperatur im 60-Grad-Label­programm. Die Maschine heizt das Wasser nur auf 44 bis 58 Grad. Das spart Strom und verbessert die Energieklasse.

Sauber wird die Wäsche trotz des Temperaturdefizits, wie der Test gezeigt hat. Dafür müssen die Maschinen im spar­samen Label­programm aber deutlich länger waschen als im Stan­dard­programm.

Warum das so ist, erklärt die Physik. Vier Kriterien bestimmen das Wasch­ergebnis – die Chemie des Wasch­mittels, die Mechanik in der Trommel, die Zeit und die Temperatur. Verändert sich ein Para­meter, muss sich mindestens ein anderer ebenfalls ändern, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Bleibt beispiels­weise die Wasch­mittel­dosis gleich, muss ein- und dieselbe Maschine entweder warm und lange waschen, wie im Label­programm, oder heiß und schnell, wie im Stan­dard­programm.

Hygie­nisch mit mindestens 60 Grad

Für normal verschmutzte Wäsche reichen in der Regel 40 Grad Celsius aus. Viele Keime lassen sich auch bei nied­rigen Temperaturen bekämpfen. Ein Gesund­heits­risiko kann das Temperaturdefizit aber bergen, wenn kranke oder alte Menschen im Haushalt leben. Dann sollte die Wäsche heiß­gewaschen werden.

Manche Krank­heits­keime wie Pilz­sporen oder das Norovirus sind sehr widerstands­fähig. Es empfiehlt sich, Wäsche erkrankter Personen bei mindestens 60 Grad Celsius mit einem pulverförmigen, bleich­mittel­haltigen Voll­wasch­mittel zu reinigen. Nur so lässt sich die Zahl der Krank­heits­keime auf ein unbe­denk­liches Maß verringern. Auch mit stark verschmutzten Textilien und Hand­tüchern fühlt sich mancher erst wohl, wenn sie heiß gewaschen wurden. Für hygie­nische Sauber­keit sind die Label- oder Spar­programme daher unge­eignet (siehe Tipps).

Über das Energielabel wird diskutiert

Mitt­lerweile diskutieren die Verantwort­lichen in den zuständigen Gremien, die Vergabegrund­lagen des Energielabels zu über­arbeiten – eine Folge unserer Test­ergeb­nisse. Die EU-Verordnung könnte zum Beispiel verlangen, dass ein mit „60 Grad“ gekenn­zeichnetes Wasch­programm auf jeden Fall 60 Grad Celsius erreichen muss. Oder sie könnte für die Label­programme eine maximale Wasch­dauer verbindlich vorgeben. Tricks wie bisher wären so nicht mehr möglich. Ein A+++-Label würde dann wahr­scheinlich zurzeit keine Maschine erreichen.

Bei der Temperatur bleiben wir dran

Denk­bar wäre aber auch, die Wasch­dauer für die Spar­programme auf dem Energielabel auszuweisen. Dann könnte zumindest jeder beim Kauf sofort sehen, worauf er sich einlässt. Ändern kann die Verordnung letzt­lich nur die EU-Kommis­sion. Das kann allerdings mehrere Jahre dauern. Wir werden auch bei unserem nächsten Wasch­maschinentest das Einhalten der Temperaturen strenger bewerten.

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