Waschmaschinen Unternehmensverantwortung Test

Unter welchen Bedingungen werden Waschmaschinen produziert? Wir gingen in sieben Ländern auf die Spur. Unser Fazit fällt positiv aus: Die Branche steht gut da.

Früher war es selbstverständlich, dass deut­sche Waschmaschinen aus Deutschland kommen. Heute wird deutsche Qualitätsarbeit zunehmend in Osteuropa erledigt. Wie andere Firmen auch investieren Miele und Bosch-Siemens dort seit Jahren in hochmoderne Werke, meist in abgelegenen Regionen Polens oder Tschechiens. Ihre deutschen Fertigungsbetriebe für die Königin der weißen Ware lassen sich inzwischen an einer Hand abzählen. Neben Miele und Bosch-Siemens produziert nur noch Whirlpool bei uns – eine große US-Firma, die in den 1990ern Bauknecht kaufte.

Uns interessierte, unter welchen Arbeitsbedingungen Waschmaschinen gebaut werden. Wie kümmern sich die Anbieter um die Mitarbeiter in West und Ost? Wie steht es generell um ihr soziales und ökologisches Engagement (Englisch: Corporate Social Responsibility, CSR)? Dazu besuchten wir die 8 Anbieter der 13 Waschmaschinen aus dem Warentest (sieheTest Waschmaschinen aus test 10/2008). Unsere Wege führten nach Süd- und Osteuropa, doch nicht ein Mal in deutsche Regionen.

Anbieter geben sich offen

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Das Positive gleich vorweg: Alle acht Anbieter haben mitgemacht und uns Einblicke in ihre Konzernzentrale und die Fertigungsbetriebe gegeben. So viel Transparenz gab es noch nie in früheren CSR-Untersuchungen. Auch wenn der Bosch-Siemens-Konzern (BSH), der bei den Haushaltsgeräten die Nummer eins in Europa ist, unser Vorgehen immer genau kontrollierte.

Bis auf Gorenje in Slowenien und Miele in Tschechien erlaubten uns alle Firmen zusätzlich, Interviews mit ihren Arbeitern zu führen. So konnten wir das Betriebsklima noch besser einschätzen.

Engagement in Ost und West

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In den Montagehallen werden rund 150 Bauteile zu einer Waschmaschine zusammengefügt. Auch Trommel und Gehäuse werden hier produziert.

Die Branche steht in Sachen CSR gut da. Die Mehrheit handelt „stark engagiert“: Arçelik, Bosch-Siemens, Miele, Otto, Quelle, Whirlpool in Italien sowie Electrolux in Frankreich und Italien. Grund für die vielen guten Urteile ist die übersichtliche Produktionskette. Die meisten Anbieter sind zugleich Hersteller der Maschinen. Als Eigentümer der Produktionsstätten stellen sie wichtige Bauteile in Eigenregie her und haben so vieles gut unter Kontrolle. Die Versandhändler Otto und Quelle können sich auf ihre Produzenten Whirlpool und Electrolux verlassen. Auch die weltweiten Zulieferer – für eine Maschine sind es 100 bis 150 – werden von den meisten Herstellern sorgfältig ausgewählt. Darüber hinaus haben alle Hersteller für sich CSR-Leitlinien definiert und den Verhaltenskodex des Europäischen Dachverbands der Hausgerätehersteller, Ceced, unterzeichnet. Sie verpflichten sich in diesem Kodex freiwillig, fair und nachhaltig zu produzieren.

Grob betrachtet können die Produktionsbedingungen in Osteuropa mit denen in Frankreich oder Italien mithalten. Beim genauen Hinsehen zeichnen sich jedoch im Osten Schwächen beim Umgang mit den Mitarbeitern ab: Für Electrolux in Polen, Gorenje in Slowenien und Whirlpool in der Slowakei fällt die Bewertung eine Stufe niedriger aus. Sie handeln „engagiert“.

Wenig Chancen für Betriebsräte

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Das Gehäuse wird mit Leben gefüllt. Herzstück der Maschine ist die Trommel, die vom Laugenbehälter, dem Gegengewicht und Rohren umgeben wird. Hinzu kommen u. a. der Motor, viel Elektronik, die Tür.

Eine dieser Schwächen ist das Fehlen einer Arbeitnehmervertretung, die auch Einfluss hat. Betriebsräte, wie sie bei uns üblich sind, fanden wir in Polen, Tschechien und der Slowakei nicht. „Es ist unglaublich schwierig, in Polen Betriebsräte einzurichten“, heißt es auch vonseiten der IG Metall. Haben die Angestellten ein Problem am Arbeitsplatz, können sie im Grunde nur ihren direkten Vorgesetzten ansprechen. Oder die Arbeitssituation akzeptieren, wie sie ist.

Das polnische Werk von Bosch-Siemens ist als einziger osteuropäischer Betrieb im Bereich Soziales „stark engagiert“. Electrolux zeigt in seinem polnischen Werk hingegen nur „Ansätze“, was den Einsatz für die Mitarbeiter betrifft. Zudem ließ die Qualität der dort gefertigten Waschmaschine zu wünschen übrig (siehe Der Fall AEG-Electrolux).

In Italien ist der Hausgerätesektor wirtschaftlich bedeutend. Die zwei italieni­schen Stätten von Electrolux und Whirlpool bieten ihren Arbeitern durchschnittliche Bedingungen, so wie die meisten osteuropäischen Betriebe im Test. Soziale Zusatzleistungen könnten noch ausgebaut werden.

Viele Unternehmen beschäftigen Leiharbeiter, um auf Schwankungen in der Produktion reagieren zu können. Den Herstellern zufolge liegt ihr Anteil an der Belegschaft bei maximal 30 Prozent. Leiharbeiter sollen genauso viel verdienen wie Festan­ge­stellte. Das ist aber schwer nachzuprüfen. Für alle Arbeiter gilt es, möglichst viele Maschinen zu produzieren. Je nach Leistung erhalten sie jeden Monat einen Bonus.

Gleiches Werk, gleiche Qualität?

Viele Hersteller produzieren in ihrem Werk mehrere Maschinentypen. Diese sind deshalb nicht automatisch gleich gut. Ihre Qua­lität kann zum Beispiel von Konstruktionsmerkmalen und den verwendeten Materialien abhängen. So schnitten zwei Maschinen von Whirlpool und Otto, beide aus demselben Werk in Italien, in der Dauerprüfung für den Warentest unterschiedlich ab. Anders verhielt es sich bei den Bosch- und Siemens-Geräten, die beide aus demselben Werk in Polen stammen. Beide waren nahezu gleich „gut“ (sieheTest Waschmaschinen aus test 10/2008).

Überall geschäftiges Montieren

Egal wo wir waren, die Produktionsstätten ähnelten sich stark. Meist sind es riesige Hallen mit langen Fertigungsstraßen, wo die Waschmaschine an Dutzenden Stationen am Fließband komplettiert wird. Überall wird geschäftig montiert. Das Sirren der Elektroschrauber, die Bauteile oder Kabel verbinden, liegt stets in der Luft. Roboterarme bewegen schwere Gegenstände wie das Gegengewicht aus Beton, das die Maschine beim Schleudern im Griff halten soll.

Kostensparen mit Grenzen

Wer seine Produktion von Deutschland gen Osten verlagert, spart laut den Gewerkschaften etwa 50 Euro pro Waschmaschine ein. Dank niedrigerer Löhne kann er im inter­na­tio­­­nalen Wettbewerb besser mithalten. Trotz­­dem hält sich das Sparpotenzial in Grenzen, da die Arbeitskosten nur 20 Prozent ausmachen. Größter Kostenfaktor ist das Material: Hochwertiger Stahl kostet in Osteuropa genauso viel wie anderswo.

Starker Einsatz für die Umwelt

Apropos Materialien: Wie immer haben wir auch die Umweltpolitik der Firmen hinterfragt – und viele gute Urteile vergeben. Bis auf Whirlpool in der Slowakei und Electrolux in Polen sind alle hier „stark engagiert“.

Alle Anbieter halten die RoHS-Richtlinie ein, die gefährliche Substanzen wie Blei oder Kadmium verbietet. Diese könnten etwa in der Elektronik zum Einsatz kommen. Arçelik, BSH und Miele gehen über RoHS hinaus und vermeiden weitere Flammschutzmittel und Weichmacher. Die neuen Werkhallen wie jene von Miele in Tschechi­en beeindrucken mit umweltfreundlichen Produktionsprozessen. Es werden Abgase vermieden, verschmutzte Wässer aufbereitet und Materialabfälle recycelt.

Informtionen zu weiteren 4 Waschmaschinenherstellern:
www.test.de/csr-waschen

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