Waschmaschinen Test

1600 Touren, große Trommel und viel Elektronik: Teure Frontlader sind gut gerüstet für üppige Wäscheberge. Doch manche sind zu sparsam. Das zeigt sich im Spülergebnis.

Größer, schneller, sparsamer – der Kampf um Marktanteile beschert dem Verbraucher stets neue Waschmaschinen der Superlative. Waren vor einigen Jahren noch Modelle mit 5-Kilo-Trommel und 1 400 Schleudertouren Spitze, locken heute Geräte in Jumboversion mit bis zu sieben Kilogramm Fassungsvermögen und 1 600 oder 1 800 Umdrehungen in der Minute. Die bestmög­liche Kennzeichnung, das A-Label für Energieverbrauch, Waschwirkung und Schleuderleistung, ist dabei in der teuersten Geräteklasse Pflicht, computerähnliche Benutzerführung am Display die Kür.

Zuverlässig und haltbar

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Logisch wie ein Computer ist die menügeführte Programmeinstellung am Display des AEG-Modells. Kein Problem, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Genau solche Geräte sind in diesem Test vertreten: elf Frontlader mit maximal 1 600 Umdrehungen pro Minute zu Preisen zwischen 540 und 1 400 Euro. Ausgewählt haben wir sie jeweils aus der teuersten Produktlinie der Anbieter. Leisten diese Spitzenmodelle mehr als Frontlader mit weniger Schleudertouren, wie wir sie in den beiden letzten Jahren auf dem Prüfstand hatten?

Ja, sie sind besser, lautet die Antwort mit Blick auf die Qualitätsurteile, wenn auch nicht Spitze. Acht Maschinen schnitten „gut“ ab, immerhin sechs davon mit Noten von 1,8 und 1,9. Nur drei mussten sich mit einem „Befriedigend“ begnügen. In den beiden letzten Tests gab es mehr Mittelmaß und sogar einen Totalausfall. Knackpunkte waren damals Schäden in der Dauerprüfung und ungenügender Schutz vor Überschwemmungen.

Den Waschmarathon (zehn Jahre Nutzung im Zeitraffer) haben diesmal alle Kandidaten heil überstanden. Das Programmschaltwerk vom Bauknecht Dynamic Sense WAL 10988 zickte öfter und schickte Fehlermeldungen aufs Display. Kaputt war aber nichts. Dafür gab es noch ein „Gut“ in der Dauerprüfung. Kleinere Störungen, die sich zum Glück ganz leicht beheben ließen, zeigten auch die Geräte von Blomberg, Candy und LG. Auch dies lag noch im „guten“ Bereich.

Drei mit Schwächen

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Ebenso einfach ist die gewohnte Einstellung am Drehknopf, wenn die Beschriftungen klar und übersichtlich angeordnet sind, wie hier bei Miele.

Kaum punkten konnten die drei jedoch, als wir die Wassersicherheit überprüften und dazu Defekte simulierten. Fällt in der Blomberg-Maschine der Niveauschalter aus – der reguliert den Wasserstand in der Trommel –, läuft es literweise zwischen Türdichtung und Gehäuse heraus, wenn man der Fehlermeldung gehorchend noch einmal die Start-Taste drückt. Bei der Candy Tempo Logic fehlt der Schwimmerschalter als Sicherung in der Bodenwanne. Wird die Maschine undicht, sprudelt es unten aus dem Gehäuse. Das Gleiche droht auch beim LG-Modell mit der Jumbotrommel. Hier sollte der Ablaufschlauch außerdem direkt ins niedrige Abflussrohr montiert werden. Hängt er im Waschbecken oder in der Badewanne mehr als 80 Zentimeter über dem Boden, kann es unter bestimmten Umständen schnell nasse Füße geben: Ist der Niveauschalter defekt, kommt eine Fehlermeldung. Drückt man dann noch mal auf Start, fließt weiter Wasser ein, etwa sechs Minuten lang, und es läuft an der Blende über. Das ist nicht Stand der Technik.

Sie waschen gut...

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Erfreulich: Meistens kam die Wäsche schön sauber aus der Trommel.

Die geprüften Spitzenmodelle bieten eine unendlich anmutende Palette verschiedener Programme, von der klassischen Buntwäsche bis hin zu Kurz-, Schnell- und Spezialprogrammen für moderne Textilien. Die winzigen Mikrochips der vollelektronischen Steuerung machen es leicht, viele unterschiedliche Programmabläufe zu installieren. Ob sie alle tatsächlich benutzt werden, sei dahingestellt. Fachleute sagen, dass ein Haushalt mit vier Programmen auskommt, aber jeder Haushalt vier verschiedene braucht. Welche das sind, hängt vom Kleiderschrank und den individuellen Waschgewohnheiten ab. Die sollte man sich vor dem Kauf vergegenwärtigen. Wer nie teure Wollpullover trägt, die mit der Hand gewaschen werden sollten, kann auf spezielle Programme dafür gut verzichten.

... auch im Kurzprogramm ...

Wir haben drei Standardprogramme geprüft, und zwar immer bei 40 Grad Celsius: die normale Buntwäsche, das Pflegeleichtprogramm und eine Kurzwäsche mit reduzierter Waschzeit für Textilien, die kaum schmutzig sind. Meistens wurde die Wäsche richtig sauber. Anschmutzungen von Ruß, Öl, Blut, Kakao, Fett und Rotwein gingen gut heraus. Der LG intellowasher schwächelte als einziges Gerät im Pflegeleichtprogramm. Die halbe Beladung von 3,5 Kilogramm kam nur „ausreichend“ gesäubert aus der Maschine.

Laut Energielabel sind alle Prüfkandidaten besonders sparsam in Sachen Stromverbrauch. Auch mit Wasser geizen sie. Für die 60-Grad-Buntwäsche, mit der fürs Label geprüft wird, kommen die meisten mit weniger als 40 Liter Wasser pro Ladung aus. Die sieben Kilo in der LG-Maschine benötigen auch nur 49 Liter. Das ist in der Tat wenig. In den Achtzigerjahren war das Dreifache normal. Heutige Waschmaschinen sind genügsam geworden, wenn werbewirksame Labels erobert werden können.

... aber sie sollten besser spülen

Zu Hause fließt meist deutlich mehr Wasser durch die Trommel, weil öfter Standardprogramme bei 30 oder 40 Grad ohne Zusatzfunktionen wie Flecken, Intensiv oder Energiesparen anstehen. AEG Öko-Lavamat Lavalogic 1600, Bosch WFX 3240, Siemens XLP 1640 und LG WD 16220 FD benötigen für sechs beziehungsweise sieben Kilo Wäsche bei 40 Grad Bunt rund 55 Liter. Die Matura von Quelle wäscht fünf Kilogramm mit mehr als 50 Litern.

Trotzdem wird die Wäsche in allen Maschinen nicht gründlich genug ausgespült, weder im 40-Grad-Buntprogramm noch im schnelleren Kurzprogramm. Kein Frontlader kam hier in der Spülwirkung über ein „Befriedigend“ hinaus. Blomberg und Candy schnitten in beiden Programmen sogar nur „mangelhaft“ ab.

Schlechte Spülergebnisse ärgern besonders auf dunklen Textilien, wo sich Waschmittelrückstände als weiße Beläge wiederfinden. Dann muss entweder ein Extraspülgang zugeschaltet werden. Oder man benutzt ein flüssiges Colorwaschmittel. Das wäscht jedoch schlechter als Pulver, wie unser letzter Test von Colorwaschmitteln im März gezeigt hat Und es belastet die Umwelt mehr.Übrigens: Inwieweit Waschmittelreste in der Kleidung für Hauterkrankungen wie Neurodermitis verantwortlich sind, ist wissenschaftlich noch ungeklärt. Uns sind jedenfalls bisher keine Studien bekannt geworden, die einen direkten Zusammenhang beweisen oder widerlegen.

Pflegeleichtes spülen alle Frontlader „gut“, weil weniger Wäsche (halbe Beladung) von nahezu der gleichen Wassermenge umspült wird. Und weil das Waschpulver leichter aus synthetischen Fasern herausgeht als aus Baumwolle. Der LG intellowasher erhöht den Wasserverbrauch sogar. Für dreieinhalb Kilogramm Feinwäsche werden üppige 75 Liter durch die Maschine geschleust. Von „sparsam“ kann da wohl keine Rede mehr sein. Die baugleichen Modelle von Bosch und Siemens begnügen sich für drei Kilo Feines mit 44 Litern und spülen es trotzdem ordentlich. Allein die Wasserkosten schlagen bei der LG-Ladung mit rund 30 Cent zu Buche (bei einem Kubikmeterpreis von 3,85 Euro). Knapp 8 Cent für den Strom muten dagegen bescheiden an.

Kompromiss gesucht

Auch bei den anderen Maschinen sind die Kosten fürs Wasser höher als die Stromkosten. Bei steigenden Wasserpreisen macht sich Wassersparen also für den Einzelnen bezahlt. Aber nur, wenn nicht ständig Extraspülgänge nötig sind, weil die Maschine schlecht spült. Dann wird ein Spareffekt mehr als aufgezehrt. Besser, die Geräte spülen gut und man spart an anderer Stelle. Gefragt ist im Rahmen der technischen Möglichkeiten ein Kompromiss, der alles einbezieht: die Gesundheit, die Umwelt und den Geldbeutel.

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