Freie Reparaturdienste: Meisterlich im Abzocken

Viele Betriebe pfuschen und kassieren ab. Der Kunde ist der Dumme.

Sie locken mit schnellen Terminen, günsti­gen Anfahrpauschalen und fachmänni­schem Service. Als preiswerte Alternative zum Werkskundendienst taugen freie Werkstätten oft trotzdem nicht. Nur ein Monteur arbeitete gut und günstig.

Sechs Berliner Firmen haben wir exem­pla­risch auf den Zahn gefühlt. Sie werben mit großen und kleinen Anzeigen im Branchenfernsprechbuch oder verteilen Handzettel. Das Ergebnis unserer Stichprobe ist erschütternd. Zwar reparierten alle sechs Monteure den Fehler an der Pumpe, aber dreimal wurden zusätzlich teure Teile ausgetauscht, die nicht kaputt waren.

Doch es geht noch schlimmer. Zwei Firmen, die mit Postwurfzetteln auf sich aufmerksam machen, kassierten für eine ausgetauschte Pumpe, die sie gar nicht eingebaut hatten. Die Testkunden merkten davon nichts. Beide Male transportierten die Monteure die Maschine kurzerhand in ihre Werkstatt. „Es war offensichtlich, dass die Maschine von Anfang an mitge­nommen werden sollte“, notierte der betroffene Testkunde. Im anderen Fall wirkte „der Techniker eher gelangweilt, er machte sich keine Mühe, die Maschine genauer anzuschauen (keine Messung, kein Aufschrauben) – das lässt auf die generelle Strategie schließen, die Maschine erst mal mitnehmen zu wollen“. Die Kunden mussten mehr als 200 Euro bezahlen und fühlten sich zu Recht übers Ohr gehauen.

Mit welchen Tricks Kunden geprellt werden, verdeutlicht auch diese Geschichte: Der Monteur diagnostiziert ein defektes Steuergerät, erstellt einen Kostenvoran­schlag und holt das Ersatzteil („ist gebraucht, also günstig“) aus dem Lager. Am nächsten Tag baut er es ein. „Als er sich unbeobachtet fühlt, kippt er die Maschine ab und repariert von unten schnell den defekten Steckkontakt an der Pumpe.“ Danach stellt er noch einen kaputten Wasserstandsregler fest, den er ebenfalls erneuert. Das Ganze beschert der Kundin eine Rechnung über 311 Euro und die beschwichtigenden Hinweise, dass „die Maschine sehr gut sei und jetzt bestimmt noch zehn Jahre halten würde“.

Nur ein alteingesessener Meisterbetrieb verteidigt die Ehre der Branche. Der schweig­same Monteur ortet zielstrebig das lose Pumpenkabel, repariert es und kassiert nach 13 Minuten dafür knapp 63 Euro. Das ist fair und angemessen. Doch perfekt war auch diese Reparatur nicht. Das ramponierte Netzkabel übersah er ge­nauso wie die meisten seiner Kollegen.

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