GSW System Classic. Der runde blaue Knopf regelt den Druck und sorgt dafür, dass Dampf entweichen kann. Der blaue Schieber am Griff soll verhindern, dass der Topf unter Druck aufgeht. Im Test ließ sich der Schieber auch bei zu hohem Druck nach vorne bewegen.

Die Stiftung Warentest prüft gerade Schnell­kochtöpfe. Dabei fiel den Testern ein gravierendes Sicher­heits­problem auf: Der preisgüns­tige Schnell­kochtopf des deutschen Anbieters GSW lässt sich bereits öffnen, wenn er noch unter Druck steht. Verletzungen können die Folge sein. Mit dem Testbefund konfrontiert, zeigt der Anbieter bislang jedoch wenig Einsicht.

Deckel lässt sich trotz zu hohen Drucks bewegen

Schnell­kochtöpfe haben mehrere Sicher­heits­systeme. Eines davon betrifft das Öffnen nach dem Kochen. Der Druck im Topf muss dabei soweit gesunken sein, dass der Deckel nicht weggeschleudert wird und kein heißer Dampf auf die öffnende Person trifft. Die Norm DIN EN 12778:2005 regelt, dass der Druck beim Öffnen maximal 4 Kilopascal (kPa) betragen darf. Nur unter­halb dieser Grenze darf der Deckel zu bewegen sein. Ist der Druck höher, muss der Griff blockieren. Beim GSW System Classic ließen sich einige Test­exemplare öffnen, obwohl der Druck den Norm­wert über­stieg.

Verstoß gegen Din-Norm

Im Test ließ sich der Sicher­heits-Schieber (siehe Abbildung) trotz zu hohem Druck nach vorne bewegen. Folge: Die beiden Griffe gehen auseinander, der Topf ist offen. Dieses Verhalten verstößt nicht nur gegen die Din-Norm, es wider­spricht auch der Gebrauchs­anweisung des GSW System Classic. Dort steht, dass der Topf-Nutzer mithilfe des Knopf-Druck­reglers (siehe Abbildung) erst voll­ständig den Dampf ablassen muss. In der Praxis kann es aber vorkommen, dass sich der Nutzer nicht an die Bedienungs­anleitung hält. Vor allem wenn es schnell gehen soll, könnte er versucht sein, den Topf verfrüht zu öffnen. Dies zu verhindern, ist ja gerade der Zweck der Norm.

Gefahr: Schwere Verbrennungen und Prel­lungen

Die Prüfer der Stiftung Warentest haben analysiert, welches Verletzungs­risiko bei einer falschen Bedienung des GSW-Dampf­druck­topfes besteht. Fazit: Lebens­gefahr besteht nicht, doch es sind erhebliche Verletzungen möglich. Zwei Szenarien sind am wahr­scheinlichsten:

Szenario 1: Heißer Dampf tritt aus, es kann zu Verbrennungen zweiten Grades kommen. Solche Verbrennungen sind nicht tödlich, können aber wochen­lang Beschwerden verursachen.

Szenario 2: Der Topf­deckel wird durch den Druck weggeschleudert und trifft den Körper. Eine Prellung kann die Folge sein.

Der Hersteller zeigt sich uneinsichtig

Den Anbieter des Schnell­kochtopfs GSW System Classic, Gäns Stahl­waren, ficht das nicht an. Weder eine Rück­gabemöglich­keit noch eine Nachbesserung kommt für ihn in Frage. Das Modell würde seit Jahren verkauft, heißt es in einem Schreiben an die Stiftung Warentest. Es habe noch nie Reklamationen, Bean­standungen oder Berichte über entsprechende Vorfälle gegeben, so die GSW. Bei einer Nutzung gemäß Gebrauchs­anleitung werde über die Verriegelung am Deckel „ein eventueller minimaler Rest­druck abge­baut.“ Und weiter: „Eine suggerierte Gefahr besteht zu keinem Zeit­punkt.“ Die Prüfer der Stiftung Warentest kommen zu einer ganz anderen Einschät­zung: Sie sehen durch­aus ein Sicher­heits­risiko.

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