Warnstreiks bei der Bahn Meldung

Streiks der Lokführer-Gewerkschaft können heute zu Zugausfällen und -verspätungen führen. Die Bahn sagt: Das ist höhere Gewalt. test.de und führende Reiserechtler sagen: Auch bei streikbedingten Ausfällen und Verspätungen sind Entschädigungen fällig.

Aktuelle Informationen

Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt heute zwischen 4.00 Uhr und 10.00 Uhr den Personenverkehr. Seit gestern abend bis heute 10.00 Uhr wird zudem auch im Güterverkehr gestreikt. Die Bahn informiert unter www.bahn.de/aktuell über Zugausfälle und Verspätungen. Stets gilt: Wenn der geplante Zug 20 Minuten nach der geplanten Abfahrt noch nicht da ist, dürfen die Fahrgäste umsteigen, auch wenn ihr Ticket eigentlich nicht für andere Züge gilt. Sogar in ICEs dürfen sie einsteigen. Nur reservierungspflichtige Züge sind tabu.

Neues Gesetz

Seit Verabschiedung des Fahrgastrechtegesetzes im Juli 2009 gilt: Die Bahn muss ihre Fahrgäste bei Zugausfällen und -verspätungen entschädigen. Ab 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof sind 25 und ab 120 Minuten 50 Prozent der Ticketkosten fällig. Unter Umständen muss die Bahn auch bis zu 80 Euro für Taxifahrten und Hotelübernachtungen zahlen. Hier die Details: Rechte für Bahnfahrer.

Verantwortung für Streik

Reisende gehen allerdings leer aus, wenn Ausfall oder Verspätung auf einen äußeren, nicht zum Bahnbetrieb gehörenden Umstand beruht. So stehts im Gesetz. Gemeint sind vor allem Fälle höherer Gewalt wie Wetterkatastrophen und fremdverschuldete Unfälle. Bei Streiks gehen die Meinungen auseinander: Die Bahn und manche Juristen sehen sie generell als höhere Gewalt. Bei legalen Arbeitsniederlegungen des eigenen Personals sehen viele Juristen die Bahn in der Pflicht. Eine solche Störung stammt aus dem Verantwortungsbereich des Unternehmens, argumentiert etwa der renommierte Reiserechtler Ernst Führich. Die Bahn hat es schließlich in der Hand, die Tarifverhandlungen mit der Lokführergewerkschaft zum Erfolg zu führen.

Rechte sichern

Klar: Die Bahn wird Anträge auf Entschädigung zunächst ablehnen. Fahrgästen bleibt, sich bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zu beschweren. Schlichtungsstellen-Geschäftsführer Heinz Klewe hat allerdings in Zeitungsinterviews bereits Position bezogen: Er sieht bei Warnstreiks von Bahnpersonal keinen Anspruch auf Entschädigung für Fahrgäste. Beschwerden wegen der Verweigerung von Fahrgastrechten nehmen außerdem das Eisenbahnbundesamt und verschiedene regionale Schlichtungsstellen entgegen. Wenn das nicht hilft, bleibt nur noch der Rechtsweg. test.de-Tipp: Selbst zu klagen, ist aufwendig. Zumindest sollten Sie Ihre Ansprüche allerdings anmelden. Sie müssen dazu nur das Bahn-Formular ausfüllen und samt der nötigen Unterlagen einreichen. Sie erhalten das Formular im Zug, Bahnhof oder online. Bewahren Sie die Unterlagen und das Ablehnungsschreiben auf. Sofern Gerichte die Bahn vor Ablauf der Verjährung ihres Falls (drei Jahre nach Ende des Jahrs der fraglichen Fahrt) verurteilen, können Sie Ihre Entschädigung nachträglich erhalten.

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