Riester-Neuabschluss Ist eine Riester-Rente jetzt noch sinn­voll?

166
Riester-Neuabschluss - Ist eine Riester-Rente jetzt noch sinn­voll?

Abschluss. Jetzt noch anfangen zu riestern? In bestimmten Fällen lohnt sich die Riester-Rente auch heute noch. © Getty Images / Westend61

Ab 2026 soll es neue Riester-Modelle geben. Auf diese warten oder jetzt noch abschließen und Förderung mitnehmen? Die Stiftung Warentest hilft bei der Entscheidung.

Kommt jetzt das Lindner-Modell?

Die Bundes­regierung macht Ernst und über­arbeitet die in Verruf geratene staatlich geförderte private Alters­vorsorge, sprich: die Riester-Rente. Das ist über­fällig.

Ein erster Gesetz­entwurf liegt seit Ende September vor. Danach können Bürgerinnen und Bürger ab 2026 mit neuartigen Spar-Modellen rechnen. Das Bundes­finanz­ministerium ist federführend bei der Ausarbeitung des Gesetz­entwurfs.

Bundes­finanz­minister Christian Lindner möchte die Fördergrenzen erhöhen und vereinfachen. Kunden sollen künftig auch eine größere Auswahl an Produkten haben, mit denen sie für ihr Alter vorsorgen können. Insbesondere ein Alters­vorsorge-Depot – von einigen Medien bereits auf den Namen Lindner-Depot getauft – soll ermöglichen, das Geld flexibler und gewinn­orientierter zu investieren.

Was für die neue geförderte Alters­vorsorge konkret in Planung ist, erfahren Sie unter So soll die neue Riester-Rente aussehen.

Bei einem wichtigen Punkt bleibt aber alles beim Alten: dem Kreis der Förderberechtigten. Nach wie vor richtet sich die Unterstüt­zung des Staates vor allem an renten­versicherungs­pflichtig Versicherte und Beamten. Was das konkret heißt und wer dazu gehört, zeigen wir im Abschnitt Wer kann überhaupt riestern?

Abschließen oder abwarten?

Für Verbrauche­rinnen und Verbraucher stellt sich die Frage: Jetzt noch einen alten Riester-Vertrag abschließen oder auf die neuen geförderten Produkte warten? Für einen schnellen Abschluss spricht,

  • dass Sparende keine Förderung verschenken, bis die neuen Produkte auf den Markt kommen. Und die kann je nach Einkommen oder Familien­konstellation schnell mehrere Hundert oder sogar über 1 000 Euro im Jahr ausmachen.

Dagegen spricht alles, was schon so lange gegen die Riester-Vorsorge spricht:

  • unflexible und bürokratische Vorsorgeregeln,
  • oftmals hohe Kosten, vor allem in der Auszahl­phase,
  • wenig Kosten-Trans­parenz,
  • wenige Anbieter und einge­schränkter Wett­bewerb,
  • Rendite selten einschätz­bar.

Auf den ersten Blick spricht also viel gegen und wenig für den Abschluss eines Riester-Vertrags nach altem Modell. Geplant ist allerdings derzeit, dass Bestands­kunden förderunschädlich zu den neuen Produkten wechseln können. Dann stünde dem Abschluss eines Riester-Vertrags nach altem Muster nichts im Wege.

Zu diesem Zeit­punkt des Gesetz­gebungs­verfahrens können wir aber nicht beur­teilen, ob das wirk­lich so sein wird und ob ein Wechsel mit Kosten verbunden sein wird.

Wann eine Riester-Rente jetzt noch sinn­voll ist

Es gibt aber eindeutige Fälle, bei denen ein Abschluss trotz aller Unwäg­barkeiten infrage kommt. Und zwar immer dann, wenn der staatliche Beitrag zum Vertrag im Vergleich zu den eigenen Einzahlungen hoch ist.

Das ist vor allem bei Vätern und Müttern mit nied­rigerem Einkommen und mehreren Kindern der Fall. Sie profitieren besonders von den Zulagen, die der Staat zahlt, wenn Sparende bestimmte Voraus­setzungen erfüllen. Welche das sind, zeigen wir im Abschnitt Was Sparende tun müssen, um die volle Förderung zu erhalten.

Tipp: Mit unserem Eigenbeitragsrechner können Sie einfach heraus­finden, wie viel Sie einzahlen müssten, um die volle Förderung zu erhalten.

Bei Riester gibt es eine Zulage für den Sparenden selbst – die Grund­zulage – und Zulagen für Kinder, solange Eltern für diese Kindergeld erhalten. Die Grund­zulage beträgt bis zu 175 Euro im Jahr. Für jedes ab 2008 geborene Kind legt der Staat noch einmal bis zu 300 Euro im Jahr drauf, für davor geborene Kinder bis zu 185 Euro. Um die vollen Zulagen zu erhalten müssen Vorsorgende bestimmte Bedingungen erfüllen.

Ist der Vertrag haupt­sächlich staats­finanziert, sind eventuelle hohe Kosten für Kunden immer noch ärgerlich. Auch drücken unter Umständen Steuern die spätere Rente. Trotzdem ist die Wahr­scheinlich­keit, dass sie ein ordentliches Plus aus dem Vertrag holen, sehr hoch. Ein Beispiel:

Beispiel Zulagen: Drei Kinder und Minijob

Eine Mutter hat drei kleine Kinder und arbeitet in einem Minijob. Sie selbst muss 60 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag einzahlen, um die volle Förderung zu erhalten. Diese zahlt der Staat in Form von Zulagen in den Vertrag. Sie betragen 1 075 Euro im Jahr und setzen sich so zusammen:
– 175 Euro pro Jahr Grund­zulage für die Mutter
– 900 Euro Kinder­zulagen pro Jahr für die Kinder (3 x 300 Euro)

Förderung und Eigenbeitrag ins Verhältnis setzen

Die Mutter aus dem Beispiel oben könnte also für die Jahre 2024 und 2025 – bevor die neuen Produkte auf den Markt kommen – mit 120 Euro Eigenbeitrag 2 150 Euro Zulagen für ihren Vertrag erhalten.

Will sie das Geld nicht verschenken, stellt sich die Frage nach dem besten Vertrag. Für die meisten dürfte ein Riester-Fondssparplan sinn­voll sein. Der ist güns­tiger und flexibler als klassische oder fonds­gebundene Riester-Renten­versicherungen. Riester-Bank­sparpläne werden nicht mehr angeboten.

Bei höherem Eigenbeitrag genau über­legen

Anderes gilt für Sparende, die aufgrund eines höheren Einkommens selbst deutlich mehr zum Kapital­aufbau beitragen müssen. Solange gesetzlich noch nicht eindeutig geregelt ist, dass Bestands­kunden zu den neuen Produkten förderunschädlich und kostengünstig wechseln können, sollten sie den Abschluss gut abwägen.

Zwar können gerade kinder­lose Gutverdienende vergleichs­weise stark von Steuer­vorteilen profitieren. Aber sie zahlen auf den späteren Auszahl­betrag voraus­sicht­lich auch deutlich mehr Steuern als Nied­rigverdiener. Hinzu kommen die oft schlechten Verrentungs­konditionen für die alten Produkte. Vorsorgenden ist es kaum möglich, die Rendite des Vertrags einzuschätzen.

Tipp: Es ist noch nicht genau klar, zu welchen Konditionen Sie als Riester-Bestands­kunde zu den neuen geförderten Produkten wechseln können. Eventuell bieten Ihnen Versicherer, Banken oder Fonds­gesell­schaft künftig Verträge mit Wechsel­option an. Auch diese müssen Sie sich gut anschauen. Sollten Sie sich für den Abschluss eines alten Produkts entscheiden und später fest­stellen, dass ein Wechsel zu einem besseren neuen schwierig ist, können Sie Ihren alten Vertrag still­legen. Sie zahlen nicht weiter ein, verlieren aber – anders als bei einer Kündigung – die Förderung nicht.

Alters­vorsorge geht auch ohne Riester

Auch wenn die geförderte Alters­vorsorge derzeit wenig über­zeugt – das Sparen einfach aufzuschieben und auf Besserung warten, ist meist keine gute Idee. Vorsorge fürs Alter braucht einen langen Atem. Hier geht es um große Summen. Schließ­lich will man später 20 oder 30 Jahre von dem Investment zehren können.

Alters­vorsorge-Sparen geht auch ohne Förderung. Geeignet ist hier besonders die von Finanztest entwickelte Pantoffel-Sparmethode. Einen Über­blick zu Alternativen gibt auch unser Artikel Altersvorsorge im Überblick.

Riester-Rente: Alles Wichtige auf test.de

FAQ. Zu kaum einem Thema schreiben Sie uns so oft wie zu Riester. Die interes­santesten und häufigsten Fragen beant­worten wir in unseren Riester-FAQ – etwa zu Umschichtungen bei Fonds­sparplänen oder zur Aufteilung der Riester-Rente bei einer Scheidung.

Riester-Frust. Immer mehr Riester-Kunden sind in der Auszahl­phase. Doch die Rente ist oft kleiner als erwartet. Unsere Finanztest-Kollegen haben mit Sparern und Spare­rinnen gesprochen und zeigen an Beispielen, was Sie gegen den Riester-Frust tun können.

Die richtige Wahl bei der Auszahlung. Die Riester-Rente im klassischen Sinne ist nur eine von mehreren möglichen Auszahlformen – nicht notwendiger­weise die beste für Sie. In unserer Unter­suchung Geld oder Rente: Riester-Auszahlung im Steuer-Check zeigen wir Ihnen, wie Sie rechnen müssen, um für sich die optimale Auszahlform zu finden.

Fonds­policen optimieren. Sie haben bereits eine Riester-Renten­versicherung, die Ihr Geld in Fonds investiert? Dann können Sie unseren Fondspolicen-Optimierer nutzen, um mehr Rendite heraus­zuholen.

166

Mehr zum Thema

166 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Kommentarliste

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

  • Profilbild Stiftung_Warentest am 04.10.2024 um 15:10 Uhr
    Neues Riestersystem

    @Spitzohr: Wie das neue Zulagen­system letztendlich ausgestaltet sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

  • Spitzohr am 03.10.2024 um 22:53 Uhr
    Riester 2025

    Wenn ich den Entwurf richtig verstehe, gelten die neuen Förderungen bereits ab dem Veranlagungszeitraum 2025. Heißt das, wenn dieser Vorschlag Gesetz wird, sollte man bereits im kommenden Jahr existierende Riesterverträge mit 3000 € besparen, um die maximale Förderung zu erhalten?

  • Question777 am 17.01.2024 um 18:36 Uhr

    Kommentar vom Autor gelöscht.

  • Profilbild Stiftung_Warentest am 09.01.2024 um 17:36 Uhr
    Riester-Rente R+V, Vertragsbeginn in 2002

    @Physik: Unter dem folgenden Link finden Sie unsere Berichterstattung zur Auszahlphase der Riester-Verträge.
    www.test.de/riester-auszahlphase
    Überlegen Sie gut, ob Sie einen späteren Beginn der Rentenauszahlung wünschen. Es braucht viele Jahre, bis der Vertrag ins Plus dreht. Sie müssen also relativ alt werden, damit die Riester-Rentenversicherung sich lohnt.
    Sie können uns gern das Angebot der R+V zusenden. Für uns ist es sehr interessant, zu sehen, was welche Angeboten die Versicherer machen: finanzteststiftung-warentest.de

  • Physik am 04.01.2024 um 18:15 Uhr
    Riester-Rente mit Vertragsbeginn in 2002

    Ich habe eine Riester-Rentenversicherung bei der R+V Lebensversicherung AG 2002 abgeschlossen.
    Wo gibt es Informationen zu solchen Altverträgen von R+V?
    Die Versicherung will mir die Rente jetzt auszahlen, obwohl ich nicht im Ruhestand bin. Kann man das ändern? Wie wirkt sich die Auszahlung auf die Besteuerung aus?