Abschluss. Jetzt noch anfangen zu riestern? In bestimmten Fällen lohnt sich die Riester-Rente auch heute noch. © Getty Images / Westend61
Ab 2026 soll es neue Riester-Modelle geben. Auf diese warten oder jetzt noch abschließen und Förderung mitnehmen? Die Stiftung Warentest hilft bei der Entscheidung.
Kommt jetzt das Lindner-Modell?
Die Bundesregierung macht Ernst und überarbeitet die in Verruf geratene staatlich geförderte private Altersvorsorge, sprich: die Riester-Rente. Das ist überfällig.
Ein erster Gesetzentwurf liegt seit Ende September vor. Danach können Bürgerinnen und Bürger ab 2026 mit neuartigen Spar-Modellen rechnen. Das Bundesfinanzministerium ist federführend bei der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs.
Bundesfinanzminister Christian Lindner möchte die Fördergrenzen erhöhen und vereinfachen. Kunden sollen künftig auch eine größere Auswahl an Produkten haben, mit denen sie für ihr Alter vorsorgen können. Insbesondere ein Altersvorsorge-Depot – von einigen Medien bereits auf den Namen Lindner-Depot getauft – soll ermöglichen, das Geld flexibler und gewinnorientierter zu investieren.
Was für die neue geförderte Altersvorsorge konkret in Planung ist, erfahren Sie unter So soll die neue Riester-Rente aussehen.
Bei einem wichtigen Punkt bleibt aber alles beim Alten: dem Kreis der Förderberechtigten. Nach wie vor richtet sich die Unterstützung des Staates vor allem an rentenversicherungspflichtig Versicherte und Beamten. Was das konkret heißt und wer dazu gehört, zeigen wir im Abschnitt Wer kann überhaupt riestern?
Abschließen oder abwarten?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt sich die Frage: Jetzt noch einen alten Riester-Vertrag abschließen oder auf die neuen geförderten Produkte warten? Für einen schnellen Abschluss spricht,
- dass Sparende keine Förderung verschenken, bis die neuen Produkte auf den Markt kommen. Und die kann je nach Einkommen oder Familienkonstellation schnell mehrere Hundert oder sogar über 1 000 Euro im Jahr ausmachen.
Dagegen spricht alles, was schon so lange gegen die Riester-Vorsorge spricht:
- unflexible und bürokratische Vorsorgeregeln,
- oftmals hohe Kosten, vor allem in der Auszahlphase,
- wenig Kosten-Transparenz,
- wenige Anbieter und eingeschränkter Wettbewerb,
- Rendite selten einschätzbar.
Auf den ersten Blick spricht also viel gegen und wenig für den Abschluss eines Riester-Vertrags nach altem Modell. Geplant ist allerdings derzeit, dass Bestandskunden förderunschädlich zu den neuen Produkten wechseln können. Dann stünde dem Abschluss eines Riester-Vertrags nach altem Muster nichts im Wege.
Zu diesem Zeitpunkt des Gesetzgebungsverfahrens können wir aber nicht beurteilen, ob das wirklich so sein wird und ob ein Wechsel mit Kosten verbunden sein wird.
Wann eine Riester-Rente jetzt noch sinnvoll ist
Es gibt aber eindeutige Fälle, bei denen ein Abschluss trotz aller Unwägbarkeiten infrage kommt. Und zwar immer dann, wenn der staatliche Beitrag zum Vertrag im Vergleich zu den eigenen Einzahlungen hoch ist.
Das ist vor allem bei Vätern und Müttern mit niedrigerem Einkommen und mehreren Kindern der Fall. Sie profitieren besonders von den Zulagen, die der Staat zahlt, wenn Sparende bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Welche das sind, zeigen wir im Abschnitt Was Sparende tun müssen, um die volle Förderung zu erhalten.
Tipp: Mit unserem Eigenbeitragsrechner können Sie einfach herausfinden, wie viel Sie einzahlen müssten, um die volle Förderung zu erhalten.
Bei Riester gibt es eine Zulage für den Sparenden selbst – die Grundzulage – und Zulagen für Kinder, solange Eltern für diese Kindergeld erhalten. Die Grundzulage beträgt bis zu 175 Euro im Jahr. Für jedes ab 2008 geborene Kind legt der Staat noch einmal bis zu 300 Euro im Jahr drauf, für davor geborene Kinder bis zu 185 Euro. Um die vollen Zulagen zu erhalten müssen Vorsorgende bestimmte Bedingungen erfüllen.
Ist der Vertrag hauptsächlich staatsfinanziert, sind eventuelle hohe Kosten für Kunden immer noch ärgerlich. Auch drücken unter Umständen Steuern die spätere Rente. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein ordentliches Plus aus dem Vertrag holen, sehr hoch. Ein Beispiel:
Beispiel Zulagen: Drei Kinder und Minijob
Eine Mutter hat drei kleine Kinder und arbeitet in einem Minijob. Sie selbst muss 60 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag einzahlen, um die volle Förderung zu erhalten. Diese zahlt der Staat in Form von Zulagen in den Vertrag. Sie betragen 1 075 Euro im Jahr und setzen sich so zusammen:
– 175 Euro pro Jahr Grundzulage für die Mutter
– 900 Euro Kinderzulagen pro Jahr für die Kinder (3 x 300 Euro)
Förderung und Eigenbeitrag ins Verhältnis setzen
Die Mutter aus dem Beispiel oben könnte also für die Jahre 2024 und 2025 – bevor die neuen Produkte auf den Markt kommen – mit 120 Euro Eigenbeitrag 2 150 Euro Zulagen für ihren Vertrag erhalten.
Will sie das Geld nicht verschenken, stellt sich die Frage nach dem besten Vertrag. Für die meisten dürfte ein Riester-Fondssparplan sinnvoll sein. Der ist günstiger und flexibler als klassische oder fondsgebundene Riester-Rentenversicherungen. Riester-Banksparpläne werden nicht mehr angeboten.
Bei höherem Eigenbeitrag genau überlegen
Anderes gilt für Sparende, die aufgrund eines höheren Einkommens selbst deutlich mehr zum Kapitalaufbau beitragen müssen. Solange gesetzlich noch nicht eindeutig geregelt ist, dass Bestandskunden zu den neuen Produkten förderunschädlich und kostengünstig wechseln können, sollten sie den Abschluss gut abwägen.
Zwar können gerade kinderlose Gutverdienende vergleichsweise stark von Steuervorteilen profitieren. Aber sie zahlen auf den späteren Auszahlbetrag voraussichtlich auch deutlich mehr Steuern als Niedrigverdiener. Hinzu kommen die oft schlechten Verrentungskonditionen für die alten Produkte. Vorsorgenden ist es kaum möglich, die Rendite des Vertrags einzuschätzen.
Tipp: Es ist noch nicht genau klar, zu welchen Konditionen Sie als Riester-Bestandskunde zu den neuen geförderten Produkten wechseln können. Eventuell bieten Ihnen Versicherer, Banken oder Fondsgesellschaft künftig Verträge mit Wechseloption an. Auch diese müssen Sie sich gut anschauen. Sollten Sie sich für den Abschluss eines alten Produkts entscheiden und später feststellen, dass ein Wechsel zu einem besseren neuen schwierig ist, können Sie Ihren alten Vertrag stilllegen. Sie zahlen nicht weiter ein, verlieren aber – anders als bei einer Kündigung – die Förderung nicht.
Altersvorsorge geht auch ohne Riester
Auch wenn die geförderte Altersvorsorge derzeit wenig überzeugt – das Sparen einfach aufzuschieben und auf Besserung warten, ist meist keine gute Idee. Vorsorge fürs Alter braucht einen langen Atem. Hier geht es um große Summen. Schließlich will man später 20 oder 30 Jahre von dem Investment zehren können.
Altersvorsorge-Sparen geht auch ohne Förderung. Geeignet ist hier besonders die von Finanztest entwickelte Pantoffel-Sparmethode. Einen Überblick zu Alternativen gibt auch unser Artikel Altersvorsorge im Überblick.
Riester-Rente: Alles Wichtige auf test.de
FAQ. Zu kaum einem Thema schreiben Sie uns so oft wie zu Riester. Die interessantesten und häufigsten Fragen beantworten wir in unseren Riester-FAQ – etwa zu Umschichtungen bei Fondssparplänen oder zur Aufteilung der Riester-Rente bei einer Scheidung.
Riester-Frust. Immer mehr Riester-Kunden sind in der Auszahlphase. Doch die Rente ist oft kleiner als erwartet. Unsere Finanztest-Kollegen haben mit Sparern und Sparerinnen gesprochen und zeigen an Beispielen, was Sie gegen den Riester-Frust tun können.
Die richtige Wahl bei der Auszahlung. Die Riester-Rente im klassischen Sinne ist nur eine von mehreren möglichen Auszahlformen – nicht notwendigerweise die beste für Sie. In unserer Untersuchung Geld oder Rente: Riester-Auszahlung im Steuer-Check zeigen wir Ihnen, wie Sie rechnen müssen, um für sich die optimale Auszahlform zu finden.
Fondspolicen optimieren. Sie haben bereits eine Riester-Rentenversicherung, die Ihr Geld in Fonds investiert? Dann können Sie unseren Fondspolicen-Optimierer nutzen, um mehr Rendite herauszuholen.
-
Den Riester-Vertrag kündigen
- Ein Ausstieg aus dem laufenden Riester-Vertrag kann die beste Option sein. Aber das müssen Sparende genau prüfen. Die Stiftung Warentest sagt, worauf es ankommt.
-
Riester-Frust? So können Sie sich wehren
- Immer mehr Riester-Kunden sind in der Auszahlphase. Doch die Rente ist oft kleiner als erwartet. Wir zeigen an Beispielen, was Sie gegen Riester-Frust tun können.
-
Riester – die große Analyse
- Wie geht es weiter mit der Riester-Rente? Die Pläne der neuen Bundesregierung sind noch vage. Bestandskunden sollten sich aber nicht verunsichern lassen.
Diskutieren Sie mit
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.
Kommentarliste
Nutzerkommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.
@Spitzohr: Wie das neue Zulagensystem letztendlich ausgestaltet sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
Wenn ich den Entwurf richtig verstehe, gelten die neuen Förderungen bereits ab dem Veranlagungszeitraum 2025. Heißt das, wenn dieser Vorschlag Gesetz wird, sollte man bereits im kommenden Jahr existierende Riesterverträge mit 3000 € besparen, um die maximale Förderung zu erhalten?
Kommentar vom Autor gelöscht.
@Physik: Unter dem folgenden Link finden Sie unsere Berichterstattung zur Auszahlphase der Riester-Verträge.
www.test.de/riester-auszahlphase
Überlegen Sie gut, ob Sie einen späteren Beginn der Rentenauszahlung wünschen. Es braucht viele Jahre, bis der Vertrag ins Plus dreht. Sie müssen also relativ alt werden, damit die Riester-Rentenversicherung sich lohnt.
Sie können uns gern das Angebot der R+V zusenden. Für uns ist es sehr interessant, zu sehen, was welche Angeboten die Versicherer machen: finanzteststiftung-warentest.de
Ich habe eine Riester-Rentenversicherung bei der R+V Lebensversicherung AG 2002 abgeschlossen.
Wo gibt es Informationen zu solchen Altverträgen von R+V?
Die Versicherung will mir die Rente jetzt auszahlen, obwohl ich nicht im Ruhestand bin. Kann man das ändern? Wie wirkt sich die Auszahlung auf die Besteuerung aus?