Tropischer Regen­wald am künst­lich angelegten Gatúnsee in Panama.

Investitionen in Bäume sind schlecht für den Geldbeutel. Im Test waren alle Angebote mangelhaft.

Die Werbung auf der Internetseite von Forest Finance lässt die Herzen grüner Anleger höher schlagen. „Wir machen Wald – machen Sie mit“, heißt es dort. Direkt­investitionen in Wälder seien gut für die Natur, schafften lang­fristige Arbeits­plätze für Wald­arbeiter und brächten den Investoren auch noch eine Rendite von 6 Prozent pro Jahr „bei normalen Verlauf“, erklärt Harry Assenmacher, über­zeugter Umwelt­schützer und Chef der Forest Finance in Bonn, den potenziellen Anlegern.

Trotz der Pleiten der Frank­furter Green Planet AG vor vier Jahren oder der Lignum Sach­wert Edel­holz AG vor einem Jahr scheinen Wald­investments gut anzu­kommen. 18 000 Anleger haben bei Forest Finance Wald­anteile in Vietnam, Panama und Kolumbien, weitere knapp 800 Anleger, darunter viele Unternehmen, bei der bayerischen Firma Miller Forest in Paraguay gepachtet oder gekauft.

Ob Kauf oder Pacht, bei beiden Anbietern schließen Anleger einen Dienst­leistungs­vertrag ab. Er umfasst die Auffors­tung des Wald­grund­stücks und die spätere Holzernte. Bei Miller Forest soll der Wald nach 6, 12 oder 18 Jahren, bei Forest Finance nach 12 oder 25 Jahren gerodet werden.

Die Beteiligungs­summe von mindestens 396 Euro bei Forest Finance und 968 Euro bei Miller Forest muss zu Vertrags­beginn gezahlt werden. Wachsen die Bäume wie geplant, erhalten Anleger vielleicht ihr Kapital zurück plus eine Rendite, die laut Anbieter zwischen 4,3 und knapp 7 Prozent betragen soll. Dafür muss die Schlussernte jedoch gut und der Holz­preis so hoch wie kalkuliert ausfallen.

Unser Rat

Angebote. Im Test schnitten alle untersuchten Wald­investments mangelhaft ab. Die Prospekt­angaben sind in wesentlichen Punkten nicht nach­voll­zieh­bar. Erwartete Holz­preise wurden ohne belast­bare Markt­daten angegeben. Ob nach vielen Jahren die in Aussicht gestellte Rendite erwirt­schaftet wird, ist höchst ungewiss.

Engagement. Sie wollen in Wald­investments anlegen, weil Sie der Natur helfen wollen? Wegen der Risiken der Anlage sollten Sie nur Geld anlegen, wenn Sie auch bereit wären, den Betrag zu spenden.

Vorsicht. Finger weg von Anbietern, die keinen Verkaufs­prospekt und kein Vermögens­anlagen-Informations­blatt vorlegen (VIB). Bei Anbietern, die beides vorlegen, sollten Sie die Risiken studieren, damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen. Der Spar­vertrag von Forest Finance, der mit Monats­raten bespart wird, eignet sich wegen der hohen Kosten nicht für Klein­anleger.

Alle Angebote sind mangelhaft

Sicher ist das nicht, wie unser Test der Wald-Direkt­investments zeigt. Selbst Anbieter wie Miller Forest und Forest Finance, die aus unserer Sicht zu den Seriösen zählen, ist es nicht gelungen, ihre Projekte nach­voll­zieh­bar darzustellen. Alle Angebote schnitten in fast allen Prüf­bereichen mangelhaft ab.

Immerhin haben Miller Forest und Forest Finance – anders als zahllose dubiose Anbieter von Baum­investments im Internet – die seit Januar 2017 vorgeschriebenen Verkaufs­prospekte und Vermögens­anlagen-Informations­blätter (VIB) vorgelegt. Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) hat die Geld­anlage­angebote gestattet.

Leider prüft die Bafin nur, ob die Angaben der Anbieter in sich schlüssig sind. Ob sie richtig sind, prüft sie nicht. Anleger müssen darauf vertrauen, dass die Annahmen stimmen.

Aus Sicht von Finanztest sind die Prospekte jedoch in vielen Punkten intrans­parent. Auch sind die Risiken deutlich höher als die Rendite­chancen. Im schlimmsten Fall können Investoren ihr gesamtes Geld verlieren.

Weder Miller Forest noch Forest Finance veröffent­lichen Markt­einschät­zungen und Wert­gut­achten zu den Grundstücks­preisen in den Anbauländern. Anleger wissen deshalb nicht, ob sie vielleicht zu viel für ein Grund­stück oder dessen Pacht zahlen.

Kaum Gutachten

Auch gibt es in den Prospekten keine Gutachten zu den verschiedenen Baumsorten und deren Markt­preisen. Anleger können also nicht beur­teilen, was Eukalyptus, Kiefern und Akazien wert sind.

Dabei entscheidet die Höhe der Holz­preise zum Zeit­punkt der Schlussernte über den Erfolg eines Wald­investments. Und die schwanken im Laufe der Jahre extrem, wie selbst eine Grafik in dem Prospekt von Miller Forest zeigt. Rendite­angaben sind bei Holz­investments deshalb nur vage Prognosen.

Für Holz und Ernte angegebene Kosten sind nur Moment­aufnahmen. Im Prospekt von Miller Forest werden zum Beispiel kalkulierte Ernte­kosten noch mit 48 US-Dollar pro Fest­meter angegeben. Tatsäch­lich wird aber laut Anbieter nur noch mit 36 US-Dollar kalkuliert. Das Beispiel macht deutlich, dass sich Anleger auf Preis­angaben im Prospekt nicht verlassen können.

Selbst die nied­rigeren Ernte­kosten von 36 US-Dollar sind noch ziemlich hoch und machen im Moment satte 60 Prozent des Brutto­holz­preises aus. Für die Schluss­zahlung bei Vertrags­ende können, je nach Markt­lage, böse Über­raschungen auf die Anleger zukommen.

Die Ertrags­rechnungen des Miller-Konkurrenten Forest Finance sind mathematisch für Anleger exakt nach­voll­zieh­bar. Ob die Theorie allerdings die Praxis abbildet, steht in den Sternen. Woher der Anbieter die Zahlen nimmt, erfahren Anleger nicht.

Irritierend fanden wir angesichts der welt­weit immer häufiger auftretenden Natur­katastrophen, dass Miller Forest keine Versicherungen hat. Forest Finance hat wenigs­tens drei Projekte gegen Feuer versichert.

Das reicht jedoch nicht. Denn auch Stürme, Über­schwemmungen und Schädlings­befall können große Schäden in Wäldern anrichten und zu Erntee­inbußen führen.

Verflechtungen mit Auslands­firmen

Negativ auf Direkt­investments können sich Verflechtungen mit ausländischen Firmen auswirken. Bei den Vermögens­anlagen 1 und 2 pachten Anleger ein Wald­stück bei der Miller Forest Investment AG. Der Grund gehört aber einer Estancia Laguna Kare in Paraguay, die das Grund­stück an die Felber Forestal S.A. in Paraguay verpachtet. Diese wiederum verpachtet den Grund an Miller.

Bei Forest Finance gehört der Grund und Boden, auf dem der Kakao­wald wächst, einer Sustainable Forest Project Development S.A.C. in Peru, an der die Forest Finance Service GmbH zu 90 Prozent beteiligt ist. Laut Anbieter verkürzt der Umweg über die perua­nische Firma die Prozesse für Immobilienkäufe in Peru. Später würden die Flächen an die Forest Finance Panama S.A. über­tragen.

Zwar schließen Anleger ihre Verträge nach deutschem Recht ab. Doch was nützt ihnen das, wenn sie ihre Ansprüche in Paraguay, Panama, Kolumbien oder Peru durch­setzen müssen? Das dürfte ein extrem teures, wahr­scheinlich aussichts­loses Unter­fangen sein.

Konflikte könnten auch durch Veränderungen in den jeweiligen Staaten entstehen. So ist Kolumbien politisch instabil – und damit auch die Rahmenbedingungen für Baumplan­tagen. Oder was passiert, wenn ein südamerikanischer Staat entscheidet, dass der Wald keinem Ausländer gehören darf? Paraguay kann Wald­besitzer zum Beispiel unter bestimmten Voraus­setzungen ent­eignen.

Anleger haben nichts zu sagen

Auch bei den Anbietern selbst haben Anleger keinerlei Mitbestimmungs- oder Kontroll­rechte, obwohl sie unternehmerische Risiken tragen. Bei Vertrags­ende dürfen sie nicht mitentscheiden, ob ihre Bäume gefällt und vermarktet werden. Wachsen die Bäume etwa lang­samer als gedacht oder findet ein Anbieter andere Gründe, warum mit der Ernte noch gewartet werden muss, können Anleger nichts machen.

Der Verein Wald­rat von Miller Forest ist da fast schon ein kleines High­light. Wer 20 Euro Beitrag pro Jahr plus 5 bis 10 Euro pro Hektar zahlt, kann Mitglied im Wald­rat werden. Der schickt dann ab und an jemanden nach Südamerika, um zu schauen, ob der Wald wächst und gedeiht. Ist das nicht der Fall, kann der Wald­rat meckern, Eingriffs­rechte hat er allerdings nicht.

Tipp: Nach­haltig orientierte Fonds finden Sie in unserem Test Ethisch-ökologische Fonds.

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