Wässer Test

Der Griff zur Wasserflasche ist hip – überall und jederzeit. Stille Wässer, gern auch aus Frankreich, werden dabei bevorzugt. Geschmacklich ließen manche Wässer aber zu wünschen übrig. Und Mineralstoffe waren oft Mangelware – schlecht für Sportler.

Wasser muss mit. Trendbewusste verlassen das Haus nicht ohne Wasserflasche. Wasser – ein Symbol für Fitness und Vitalität. Und ständig drängen neue Wässer auf den Markt. Sie wollen mehr als nur den Durst stillen. Was ist von Mondwasser, lebendigem oder leichtem Wasser zu halten?

Wir haben 20 meist stille „Lifesty­le­Wässer“ getestet. Darunter etablierte Marken, aber auch neuere – meist in der praktischen Halbliterflasche für unterwegs. Uns interessierte, wie sie riechen und schmecken, ob sie mikrobiologisch in Ordnung sind, wie viele Mineralstoffe sie enthalten. Das ernüchternde Ergebnis: Im Geschmack waren die meisten nicht fehlerfrei. Drei waren sogar nur „mangelhaft“. Der Mineralstoffgehalt war oft dürftig: In 12 Wässern steckten nur geringe oder sehr geringe Mengen.

Wer abgefülltes Wasser kaufen möchte, hat die Wahl: Darf es Tafelwasser, natürliches Mineral- oder Quellwasser sein?

Natürliches Mineralwasser stammt aus Erd­schichten, die vor Verunreinigungen geschützt sind. Die Quelle muss amtlich anerkannt sein. Das Wasser muss am Quellort abgefüllt werden. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) schreibt vor, dass es von ursprünglicher Reinheit sein muss. Erlaubt ist allerdings, das durch viele Gesteinsschichten versickerte Wasser zu belüften und zu filtern und Eisen zu entziehen.

Quellwasser wird aus unterirdischen Wasserreservoiren gewonnen und am Quellort abgefüllt. Es muss aber weder amtlich anerkannt noch von ursprünglicher Reinheit sein. Chemisch werden an Quellwasser dieselben Anforderungen gestellt wie an Trinkwasser – das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

Tafelwasser kann aus Trink- und/oder Mineralwasser hergestellt sein. Der Abfüller darf ihm Mineralsalze, Meerwasser oder Kohlensäure zusetzen. Es braucht keine amtliche Anerkennung und kann überall hergestellt und abgefüllt werden.

Fehler im Geschmack

Wässer Test

Durstlöscher: Kleine Kunststoff-Flaschen sind leicht und praktisch, um unterwegs jederzeit aufzutanken.

Je nach Quelle und Gestein kann der Geschmack der Mineral- und Quellwässer variieren: Sie können mehr oder weniger süß, sauer, salzig oder bitter schmecken. Ein Geschmack nach Kunststoff aber trübt die vorgeschriebene ursprüngliche Reinheit. Unsere Experten schmeckten diesen Fehler bei 13 Wässern heraus. Ursache für fremden Beigeschmack können Rohrleitungen sein, aber auch Verpa­ckungen und Flaschenverschlüsse. Das Wasser Apollinaris Silence schmeckte übrigens nicht nur nach Kunststoff, sondern auch noch nach Karton. Note für die sensorische Fehlerfreiheit: „mangelhaft“.

Acetaldehyd im Wasser

Kunststoffflaschen haben viele Vorteile. Das Material PET (Polyethylenterephthalat) ist leichter als Glas, bruchsicher und gut zu transportieren. Nachteil: Es ist nicht immer geschmacksneutral. Abbauprodukte wie Acetaldehyd können auf den Inhalt übergehen. Diese Substanz kommt zum Beispiel in Fruchtsäften auch natürlich vor, hat aber in einem Mineralwasser nichts verloren. Wir schmeckten bei fünf Wässern Acetaldehyd heraus – bei Rhönsprudel Naturelle und Danone Hayat so deutlich, dass das Urteil in puncto Geschmack „mangelhaft“ heißt.

Arm an Mineralstoffen

Wie der Geschmack sind auch Art und Menge der Mineralstoffe im Wasser von den Gesteinsschichten der Quelle abhängig. Es gibt mineralstoffreiche und mineralstoffarme Wässer. Noch vor etwa zehn Jahren waren Wässer mit hohem Mineralstoffgehalt gefragt. Die MTVO schrieb sogar vor, dass ein natürliches Mineralwasser eine ernährungsphysiologische Wirkung haben musste. Zum Beispiel durch einen Gehalt von mindestens 1000 Milligramm Mineralstoffe je Liter (mg/l).

Heute ist das anders: Sogar Wässer mit sehr geringem Mineralstoffgehalt (unter 50 mg/l) sind ohne Nachweis einer ernährungsphysiologischen Wirkung zulässig und erobern den Markt. Lauretana wirbt mit seinen nur 14 mg/l sogar damit, das leichteste Wasser Europas zu sein. Doch Wässer wie Lauretana, aber auch BlackForest, Plose, Glaciar Sport, die noch weniger Mineralstoffe als Wasser aus der Leitung enthalten, leisten praktisch keinen Beitrag zur Mineralstoffversorgung.

Im Normalfall ist das nicht problematisch, denn wir nehmen mit dem Essen ausreichend Mineralstoffe auf. Doch in bestimmten Situationen kann sehr mineralstoffarmes Wasser gefährlich werden. Wer stark schwitzt – im Sommer bei intensivem Sport oder bei der Gartenarbeit – verliert nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Trinken ist wichtig, um den Wasserverlust auszugleichen. Zugleich müssen aber auch je nach Anstrengung neben Kohlenhydraten Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium wieder zugeführt werden. Wer sich dann eine Apfelschorle mit einem besonders mineralstoffarmen Mineralwasser mischt, bleibt auf der Strecke. Das Quellwasser Glaciar Sport – es enthält nur 15 mg/l Mineralstoffe – führt deshalb schon mit seinem Namen gewaltig in die Irre.

Arsen und Schwermetalle

Glaciar Sport ist zwar extrem mineralstoffarm, aber es enthält das in hohen Dosen giftige Arsen – und zwar 0,012 mg/l. Für Trinkwasser, also auch für Quellwasser, gilt aber ein Grenzwert von nur 0,010 mg/l. Streng betrachtet hätte Glaciar Sport gar nicht verkauft werden dürfen. Dieser Grenzwert gilt ab 2006 auch für natürliches Mineralwasser. Bis dahin ist das Fünffache erlaubt. Arsen kommt praktisch überall im Boden vor. Es war aber in keinem anderen Wasser nachweisbar. Auch Thallium und radioaktive Stoffe wie Radium und Uran können natürlicherweise im Wasser vorkommen. Für Uran und Thallium gibt es keine Grenzwerte, aber Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (Thallium: max. 2 µg/l, Uran: max. 15 µg/l). Radiumgrenzwerte gibt es nur für Babywässer. Der Test brachte hier nichts Auffälliges.

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