Dampfbremsen: Dichtung und Wahrheit

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Die dickste Dämmung nutzt wenig, wenn sie nicht vor Luftzug und Feuchtigkeit geschützt ist. Wer hier spart oder nachlässig arbeitet, riskiert Wärmeverluste und Bauschäden.

Arglos saß Michael K. an einem schönen Februartag auf der Toilette und las Zeitung. Plötzlich platschte ein Wassertropfen aufs Papier. Ein Blick nach oben zeigte die Quelle: Die Verkleidung des Dachflächenfensters war an der Oberseite völlig durchnässt. Wie konnte das sein: Tagelang weder Regen noch Schnee und trotzdem ein feuchtes Dach? Des Rätsels Lösung: Das Wasser kam nicht von außen, sondern von innen. Die feuchtwarme Luft aus dem Badezimmer war durch winzige Ritzen in der oberen Dachfensterverkleidung in die dahinterliegende Mineralwollschicht eingedrungen. An den eiskalten Wintertagen bildete sich dort Kondenswasser und verwandelte sich sogar in Eis. Als dann die Sonne mal wieder kräftiger schien und das Dach auftaute, begann es zu tropfen.

Winzige Ritzen, große Probleme

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Dieselbe Dachschräge, oben als normales Foto, darunter als Thermografieaufnahme: Die Farbunterschiede zeigen, wo Undichtigkeiten Wärmebrücken verursacht haben.

Dass eine kleine Ursache eine so große Wirkung haben kann, ist für Fachleute nicht verwunderlich. In Häusern sind immer beachtliche Luft- und Feuchtigkeitsmassen in Bewegung und können im ungünstigsten Fall auch in die Dämmschicht geraten. Ursache ist zum Beispiel der Wind, der meist aus Richtung Westen weht: Durch kleinste Fugen und Ritzen gelangt der Luftzug vor allem auf der Westseite ins Haus. Auf der Ostseite sucht sich die Luft ihren Weg nach draußen.

Im Winterhalbjahr sorgt außerdem die Heizung dafür, dass die Luft von unten in Richtung Dach drückt. Ähnlich wie bei einem Heißluftballon bewirkt die Erwärmung einen gewissen Auftrieb. Je wärmer es drinnen und je kälter es draußen ist, desto stärker. Durch winzige undichte Stellen in der Außenhülle können so im Laufe der Zeit große Luftmengen entweichen – und obendrein viel Feuchtigkeit. Denn die Luft transportiert Wasser, das in der Wohnung verdunstet ist. Zum Beispiel literweise beim Wäschetrocknen, Putzen, Duschen oder Blumengießen. Das Problem: Warme Luft kann viel mehr Wasser aufnehmen als kalte. Beim Abkühlen kondensiert die feuchte Luft, zum Beispiel wenn sie durch die winterlich kalte Dachdämmung entweicht. Ähnlich wie an einer Flasche, die man an warmen Sommertagen aus dem Kühlschrank holt. Ist die Feuchtigkeit erst einmal in die äußere Gebäudehülle eingedrungen, kann sie dort zu schweren Bauschäden führen: Nasse Mineralwolle dämmt nicht, Schimmelpilze befallen die Bauteile, Hölzer verziehen sich und werden anfällig für Schädlinge. Besonders tückisch: Die Probleme bleiben oft monate- oder sogar jahrelang unentdeckt.

In Altbauten mit einer Vielzahl zugiger Türen und Fenster sowie der Ofenheizung war die Gefahr gering. Doch je besser Gebäude heutzutage abgedichtet sind, desto mehr steigt das Risiko, dass feuchte Luft an wenigen Problemstellen sozusagen kanalisiert entweicht. Typische Gefahrenpunkte sind neben der Abdichtung von Dachfenstern auch Kniestock, Gaubenanschlüsse und Rohrdurchführungen.

Richtiges Dämmen, Dichten und Lüften sind beim Bau neuer Niedrigenergie- oder Passivhäuser untrennbar miteinander verknüpft. Die optimale Abdichtung gilt hier als Voraussetzung für den Erfolg des Energiespar­konzepts. Mittlerweile bietet die Industrie eine Vielzahl winddichter Materialien an, die vor allem die Dachdämmung zur Raumseite hin vor Luftzug schützen sollen. Die Palette reicht von Dampfsperrfolien aus Alu und/oder Kunststoff bis zu Dampfbremsen auf Polyamid- oder Zellulosebasis. Auch Holzwerkstoffplatten lassen sich als winddichte Ebene verarbeiten. Je nach Anwendungsfall ist die unterschiedliche Wasserdampfdurchlässigkeit wichtig. So werben Anbieter „diffusionsoffener“ Dampfbremsen damit, dass einmal eingedrungene Feuchtigkeit hier nicht gefangen ist, sondern im Laufe der Zeit wieder entweichen kann. Spezielles Zubehör ergänzt das Angebot:

  • Klebebänder, Dichtstoffe, Klebmassen, um die Folien und Platten luftdicht untereinander und mit anderen Materialien wie Holz oder Stein zusammenzufügen,
  • Dicht- oder Kompribänder aus aufquellenden, dauerelastischen Ma­terialien, zum Beispiel für den Fenstereinbau,
  • Gummimanschetten, um Rohre und Kabel durch die luftdichte Schicht zu führen.

Experten raten aber, dass Bauherren weder den Werbeversprechen der Hersteller noch dem selbstsicheren Auftreten der Handwerker blindlings vertrauen sollten. So sei die Dauerhaltbarkeit der Klebebänder nicht immer sicher gestellt. Werden damit Folien auf rauem Holz verklebt, hält diese Verbindung oft nur kurzfristig. Ärgerlich: Wenn Handwerker die Klebestellen nicht gründlich vom Baustaub entfernen, haben auch gute Produkte keine Chance. Selbst perfekt abgedichtete Dächer und Wände erleben diesen Zustand oft nur wenige Tage lang. Dann kommen andere Handwerker, um zum Beispiel die Leitung zur Satellitenschüssel oder zur Außenbeleuchtung zu verlegen, – und „vergessen“, die Löcher in der Abdichtung zu verschließen. Auf einer Expertentagung zur Bauwerkabdichtung kritisierte ein Bausachverständiger Elektriker deshalb sogar als potenzielle „Bauzerstörer“.

Keine Chance für Pfuscher

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Die Blower-Door-Messung hilft, Leckagen aufzuspüren: Eine flexible Abdichtung samt Gebläse wird im Türrahmen eingesetzt. Erzeugt der Ventilator drinnen einen Unterdruck, lässt sich oft schon mit bloßer Hand orten, wo die Luft hereinpfeift.

Bauherren haben es schwer, pfuschende Handwerker zu ertappen. Wurden die Fehlerstellen zügig verkleidet, sieht am Ende des Arbeitstages alles perfekt aus. Ob dieser schöne Schein trügt, lässt sich mit einer Blower-Door-Messung (siehe Bild) ab etwa 200 Euro überprüfen: Ein kräftiges Gebläse erzeugt im Haus einen Unterdruck (oder Überdruck). Hat das Gerät damit viel Mühe, ist dies ein deutliches Indiz dafür, dass zu viel Luft durch Fugen und Ritzen strömt. Pech für die Handwerker. Sie müssen nachbessern.

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