Wärmedämmstoffe Test

Durch den verbesserten Wärmeschutz eines Daches lassen sich im Laufe von zehn Jahren mehrere Tausend Euro an Heizkosten sparen.

Je höher die Energiepreise klettern, desto mehr lohnt es sich, den Wärmeschutz zu verbessern. Obendrein macht die Dämmung das Wohnen viel behaglicher.

Glück für diejenigen, die erst demnächst mit dem Hausbau begin­nen wollen. Sie können sich angesichts der Öl- und Gaspreise von vornherein für ein Passivhaus mit optimalem Wärme­schutz entscheiden. Pech hinge­gen für alle, die in einem schlechter gedämmten Altbau wohnen. Hier drohen im Winter spürbare Konsequenzen für den Geldbeutel.

Da hilft nur eins: Energie sparen. Und zwar am besten ohne Komfortverlust. Ein besserer Wärmeschutz machts möglich. Vor allem die Dachdämmung ist eine Investition, die sich kurzfristig realisieren lässt, sodass sie sich schon in der kommenden Heizperiode auszahlen kann.

Um einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu geben, haben wir als Beispiele 19 Dämmstoffe ausgewählt. Im Test sind Produkte, die sich nicht nur von Profis, sondern auch von Heimwerkern verarbeiten lassen – und zwar in drei wichtigen Anwendungsbereichen:

1. Zwischen den Dachsparren

Wärmedämmstoffe Test

Dachdämmung zwischen den Dachsparren

Dachdämmung zwischen den Dachsparren

Hier steht ohnehin viel Raum zur Verfügung, der sich mit Dämmstoff sinnvoll füllen lässt. Sind die Sparren zu niedrig, lassen sie sich mit Latten verstärken. Wünschenswert ist eine Dämmdicke von 160 Millimetern oder mehr.

2. Unter den Dachsparren

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Dachdämmung unter den Dachsparren

Dachdämmung unter den Dachsparren

Dieser Wärmeschutz eignet sich vor allem als Ergänzung zu einer bereits vorhandenen, aber un­zureichenden Dämmung zwischen den Sparren. Da diese Lösung den Wohnraum etwas verkleinert, sind hier meist nur Dämmstoffstärken von zirka 50 Mil­li­me­tern üblich.

3. Oberste Geschossdecke

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Dachdämmung auf der obersten Geschossdecke

Dachdämmung auf der obersten Geschossdecke

Wenn der Dachboden nicht bewohnt wird, lässt sich hier relativ einfach und preiswert eine Dämmschicht einbauen – entweder zwischen den Deckenbalken oder oberhalb davon.

Wer in Baumärkten nach Dämmstoff sucht, findet in den Regalen meist nur Mineralwolle und Polystyrol. Doch es gibt interessante Alternativen – zum Beispiel sogar echte Wolle. Für unseren Test haben wir gezielt auch Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ausgewählt.

Im Mittelpunkt des Tests stand die Frage, wie einfach sich die verschiedenen Dämmstoffe handhaben und verarbeiten lassen. Die Tabellen helfen, die optimalen Materialien für die verschiedenen Anwendungszwecke auszuwählen.

Transport

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Der Transport im Test: Auch auf schmaler Treppe sicher aufs Dach?

Die Testpersonen mussten die Dämmstoffe über eine enge Treppe ins Dachgeschoss schleppen. Dabei störten meist weniger deren Gewichte, sondern mehr die zum Teil sehr voluminösen Abmessungen. Ärgerlich: Die Pavatherm-Verpackung erwies sich als so instabil, dass einzelne Dämmkeile herausfielen und beschädigt wurden. Auch die empfindlichen Nut-Feder-Schaumstoffe der großformatigen Platten von Linzmeier waren beim Transport in Gefahr.

Zuschnitt

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Problemstelle: Wie lässt sich die Lücke am Entlüftungsrohr schließen?

Bei allen Dämmstoffen prüften wir, ob sie sich einfach und passgenau zurechtschneiden lassen, um Zwischenräume lückenlos auszufüllen. Optimal klappte das beim Isover-Klemmfilz ZKF 1: Er ließ sich mithilfe aufgedruckter Hilfslinien und eines Dämmstoffmessers problemlos und sauber zuschneiden. Bei anderen Materialien hingegen erwies sich die Arbeit mit dem Messer als Tortur. Die Anbieter empfehlen daher meist einen Elektro-Fuchsschwanz mit geeignetem Sägeblatt. Und in der Tat funktionierte der Zuschnitt damit wesentlich besser.

Montage

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Schwer zugängliche Hohlräume lassen sich mit Stopfwolle – hier Hanffasern – füllen.

Bei den Schüttdämmstoffen für die oberste Geschossdecke entfällt der Zuschnitt völlig. Die Verarbeitung besteht nur aus zwei Arbeitsgängen: ausschütten und verteilen. Die Materialien passen sich von selbst Unebenheiten an und füllen jeden Hohlraum optimal aus. Je nach Anwendung muss man aber zuvor eine Rieselschutzfolie verlegen oder ein Lattengerüst (für Begehbarkeit) konstruieren.

Dieser Arbeitsschritt entfällt bei Verbundmaterialien von Bauder und Knauf. Hier ist bereits eine Spanplatte aufge­klebt. Auf großen ebenen Flächen ließen sie sich schnell verlegen. Zwischen den Knauf-Dachbodenelementen blieben allerdings ärgerliche Wärmebrücken. Und auch in Randbereichen (etwa dort, wo die Dachsparren auf die Deckenbalken treffen) beginnen beim Plattenverlegen oft die Probleme: Diesen Übergangsbereich müssen die Heimwerker häufig mit anderen Materialien dämmen und abdichten.

Bei Montagearbeiten zwischen und unter den Sparren erwiesen sich die flexiblen Materialien wie Flachs, Hanf, Glas-, Stein- oder Schafwolle als vorteilhaft. Sie passen sich unebenen, etwas verzogenen Hölzern optimal an. Mit relativ starren Materialien wie Polystyrol gelingt der Lückenschluss nicht immer, sodass hier die berüchtigten Wärmebrücken drohen: Da hilft der dickste Dämmstoff nicht, wenn am Rand Luft vorbeiströmen kann.

Anleitung

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Wärmebrücken: Die Lücken zwischen den Knauf-Platten führten zur Abwertung.

Richtiges Dämmen ist schwie­riger als viele Heimwerker glauben. Gute Anleitungen sind deshalb besonders wichtig, um Bauschäden vorzubeugen. Doch solche Infos sind mitunter Mangelware, wie unser Test zeigt. Einige Anbieter informieren auch im Internet.

Faser- und Staubbelastung

In diesem Prüfpunkt erzielten vor allem naturnahe Materialien (Wolle, Flachs, Getreide, Perlite) Pluspunkte. Deren Verarbeitung empfanden die Prüfpersonen als relativ angenehm. Aber auch Mineralwolle ist gesundheitlich deutlich weniger problematisch als früher. Die Produktionsverfahren sind geändert worden: Jetzt gelten eingeatmete Fasern in der Lunge als „biolöslich“ und Abwehrme­chanismen des Körpers können damit fertig werden. Allerdings „pieksen“ sie die Haut.

Tipp: Achten Sie auf den empfohlenen Arbeitsschutz. Sinnvoll sind Handschuhe und ein Einmal-Arbeitsoverall. Bei Überkopfar­beiten Schutzbrille tragen! Gegen Staub hilft eine Atemschutzmaske.

Alle Dämmstoffe dürfen sich einer positiven Ökobilanz rühmen: Die im Laufe ihres „Lebens“ eingesparte Energiemenge ist viel größer als der Energieaufwand für Produktion und Transport. Auch die Rohstoffbasis – von Altglas für Glaswolle über Altpapier für Zellulosedämmstoffe bis zu den nachwachsenden Rohstoffen – schont die Umwelt.

Wolle und Pflanzen als Alternative

Unser Test zeigt, dass aus Pflanzen oder Schafwolle hergestellte Dämmstoffe mittlerweile eine echte, aber immer noch teure Alternative zu Mineralfasern und Hartschaum sind. Um mit Wolle dämmen zu können, sind die Fasern allerdings gegen Mottenbefall imprägniert. Flachs und Hanf enthalten zum Beispiel Ammoniumphosphat, Soda oder Borsalze, um den Brandschutz zu gewährleisten. Doch kein Bauherr muss sich Sorgen machen: Alle Produkte in der Tabelle sind von der Bauaufsicht zugelassen.

Viele Anbieter werben neben der Energieersparnis mit weiteren Pluspunkten: Etwa damit, dass es im Winter drinnen schön warm wird und unangenehme Zuglufterscheinungen entfallen. Oder mit spürbar besserem Schallschutz. Hinzu kommt der sommerliche Wärmeschutz. Vor allem die Freunde der nachwachsenden Rohstoffe verweisen hier auf die Vorzüge ihrer Produkte. Allerdings darf man den Einfluss der Dämmstoffart auf die Hitze unterm Dach nicht überschätzen: Bauherren sollten vor allem einplanen, dass nicht zu viel Sonne durch unbeschattete Fenster dringt.

Fazit: Dämmen lohnt sich. Nicht nur für den Geldbeutel, sondern vor allem auch fürs behagliche Wohnen.

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