Absicherung bei Aktien meist unnötig

Nur in Euro­land gibt es für hiesige Anleger kein Währungs­risiko. Sobald ein Fonds auch Aktien aus anderen europäischen Ländern wie Groß­britannien oder der Schweiz kauft, wirken sich die Wechsel­kurse auf die Gesamt­rendite aus – in diesem Jahr durchweg positiv, weil britisches Pfund und Schweizer Franken ebenso wie der US-Dollar gegen­über dem Euro gestiegen sind. Doch was ist, wenn der Trend sich wieder umkehrt? Lohnt es sich, das Risiko abzu­sichern?

Aktienfonds Welt gewinnen dazu

Der Euro ist gegen­über dem Dollar seit Jahres­beginn um rund 10 Prozent gefallen. Statt 1,38 Dollar gibt’s jetzt nur noch 1,25 Dollar für einen Euro (Stand 30. November). In Pfund ist der Euro rund 4 Prozent billiger geworden und in Franken rund 2 Prozent. Im Umkehr­schluss heißt das: Aktienfonds, die Aktien aus den USA, Großbritannien oder der Schweiz kaufen, haben zusätzliche Gewinne einge­strichen. Auch Aktienfonds Welt, die teils mehr als die Hälfte des Fonds­vermögens in den USA investieren, profitieren von der Stärke des Dollar.

Yen und Kronen schwächeln

Anders sieht es beim Yen aus, der dieses Jahr ein wenig schwächer geworden ist. Auch norwegische und schwe­dische Kronen sind gegen­über dem Euro gefallen – ausgerechnet, denn sowohl norwegische als auch schwe­dische Kronen waren sehr beliebt bei euroskeptischen Deutschen, die ihr Geld im Zuge der Eurokrise in Sicherheit bringen wollten. Nun müssen sie Verluste von knapp 5 Prozent hinnehmen.

Aktien- und Währungs­risiken über­lagern sich oft

Doch diese kurz­fristigen Entwick­lungen sollten niemandem Angst einjagen. Anders als die Aktienmärkte folgen die Währungen der Industrienationen keinem lang­fristigen Trend. Ob sie steigen oder fallen, kann sich sehr schnell ändern, wie die Entwick­lung des herkömm­lichen Aktien­index MSCI World im Vergleich mit dem währungs­gesicherten MSCI World zeigt. Seit Beginn der Finanz­krise Mitte 2007 wechseln Euro und Dollar sich fast jähr­lich ab: Zuerst war der Dollar stärker, 2008 dann der Euro, und zuletzt wieder der Dollar – keine guten Voraus­setzungen für eine sinn­volle Absicherung.

Nur kleine Unterschiede

Eine Analyse von Finanztest zeigt, dass sich viele Indizes mit und ohne Währungs­sicherung lang­fristig nur gering­fügig unterscheiden. Für den Aktienmarkt Europa haben die Experten sowohl über zehn als auch über 15 Jahre einen nur minimalen Rendite­vorteil für die nicht gesicherte Variante fest­gestellt (Stand 31. Oktober 2014). Beim Welt­aktienmarkt steht im 10-Jahres-Vergleich der herkömm­liche MSCI World-Index ein wenig besser da als der währungs­gesicherte Index. Über 15 Jahre ist es umge­kehrt. Bemerkens­wert auch Norwegen, Schweden, Finn­land und Dänemark – zusammengefasst im MSCI Nordic Countries: Gesicherter und ungesicherter Index weisen über zehn und über 15 Jahre nahezu dieselbe Wert­entwick­lung auf. Eine Währungs­absicherung wäre hier ins Leere gelaufen. In der Schweiz hätte sie sogar geschadet. Der Franken ist seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht geworden und hat in allen untersuchten Zeiträumen gegen­über dem Euro zugelegt.

Über längere Zeiträume kein Trend erkenn­bar

Anders als Aktien, die einem lang­fristigen Aufwärts­trend folgen, gibt es bei Hartwährungen keinen solch eindeutigen Verlauf. Wer sein Geld länger­fristig in Aktienfonds liegen lässt, braucht daher auch keine Wechsel­kurs­absicherung. Gerade bei Aktienmärkten werden Währungs­effekte von den Börsen­entwick­lungen außerdem oft über­lagert und spielen für das Gesamt­investment nur eine kleine Rolle. Ein wenig anders sieht es über kürzere Zeiträume aus. Auf drei, vier Jahre betrachtet kann es für eine Währung durch­aus in eine Richtung gehen. Das könnte dafür sprechen, die eigene Aktien­anlage abzu­sichern – allerdings sollte man für so kurze Anlage­zeiträume Aktien in der Regel gar nicht erst kaufen.

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