Viele Anleger meiden aus Angst vor Währungs­risiken Fonds, die in Fremdwährung notiert sind – zum Beispiel ETF auf den Aktien­index MSCI World, deren Anteile auf Dollar lauten. Dazu gibt es keinen Grund. Währungs­risiken lauern woanders. Die Finanz­experten der Stiftung Warentest erklären, wo – und zeigen, was Anleger dagegen tun können.

Fonds­währung spielt keine Rolle

Für das Risiko zählt nur der Inhalt

Viele Leser sind sich unsicher, ob sie auch dann einem Währungs­risiko ausgesetzt sind, wenn sie Fonds kaufen, deren Anteile auf US-Dollar oder eine andere fremde Währung lauten. So stoßen Sparer, die in den Welt­aktien­index MSCI World investieren wollen, oft auf börsen­gehandelte Indexfonds (ETF), die in US-Dollar notiert sind. Im Produktfinder Fonds und ETF listen wir regel­mäßig empfehlens­werte Fonds auf. Einige der dort aufgeführten ETF notieren in US-Dollar, andere in Euro. Den Lyxor ETF MSCI World können Anleger zum Beispiel in Euro erwerben. Dagegen notiert der Fonds db x-trackers MSCI World ETF in US-Dollar. Doch für das Währungs­risiko ist entscheidend, welche Wert­papiere ein Fonds kauft. Sind es zum Beispiel Aktien von US-amerikanischen Firmen, von japa­nischen Unternehmen oder solche von Firmen aus dem Euroraum?

Fonds­währung spielt keine Rolle

Die Währung, in der die Fonds­anteile gehandelt werden, spielt für die Anleger dagegen keine Rolle, wie zwei fiktive Beispiele zeigen: Ein Fonds, der in Euro­land investiert, und ein anderer Fonds, der in US-Aktien anlegt. Bei beiden Fonds können Sparer Anteile jeweils in Euro oder Dollar erwerben (siehe Grafiken Beispiel 1 und 2).

Beispiel 1: Der Anleger hält Fonds, die in Euro­land investieren

Im ersten Fall möchte ein deutscher Anleger Anteile an einem Fonds kaufen, der in Euro­land-Aktien investiert. Fonds A notiert in Euro, Fonds B allerdings in US-Dollar, und der Anleger ist sich unsicher, ob er bei einer Dollarschwäche an Wert verlieren könnte. Doch die Gefahr besteht nicht, da sich der Wert des Fonds an der Entwick­lung der Euro-Aktien orientiert. Der Anleger kauft die Anteile zwar in Dollar und auch der Preis des Fonds wird in Dollar ange­zeigt – doch das Geld liegt nur in Euro-Werten (siehe Grafik „Beispiel 1“). Einzige Ausnahme: Es kann sein, dass das Fonds­management einen Teil des Fonds­vermögens nicht in Aktien investiert, sondern als flüssige Mittel hält – etwa um Anleger auszuzahlen, die ihre Anteile zurück­geben. Wenn es sich bei diesen Cashbe­ständen um Dollar­anlagen handelt, kann ein Währungs­risiko bestehen. Doch im Vergleich zum Gesamt­vermögen des Fonds sind das meist verschwindend geringe Anteile.

Beispiel 2: Der Anleger hält Fonds, die in US-Aktien investieren

Im zweiten Fall möchte der deutsche Anleger einen Fonds kaufen, der in amerikanische Werte investiert. Auch hier hängt die Wert­entwick­lung von den Aktien ab, die der Fonds kauft – nicht von der Währung, in der die Fonds­anteile notieren. Da es sich um US-Aktien handelt, besteht in diesem Fall tatsäch­lich ein Währungs­risiko für hiesige Anleger – und zwar sowohl bei Fonds A, der in Euro notiert, als auch bei Fonds B (siehe Grafik „Beispiel 2“). Fällt der Dollar, machen Anleger Verlust, steigt der Dollar, machen sie Gewinn. In welcher Währung der Anteils­preis ausgezeichnet ist, ist hingegen egal. Selbst wenn die Anteile auf Euro lauten – das Währungs­risiko besteht weiter.

Wo das Währungs­risiko wirk­lich liegt

Das ist auch bei den eingangs erwähnten ETF auf den MSCI World der Fall. Dass die Fonds­währung keine Rolle spielt, zeigt sich daran, dass die Rendite der Fonds – fast exakt – über­einstimmt. Der ETF von Lyxor hat in den vergangenen fünf Jahren 9,4 Prozent pro Jahr erzielt, der ETF von db x-trackers 9,6 Prozent (Stand 31. Januar 2020). In der gleichen Zeit hat der Euro gegen­über dem Dollar verloren. Gäbe es wegen der Fonds­währung ein Wechsel­kurs­risiko, müsste der Unterschied deutlich erkenn­bar sein. Die Währungs­risiken liegen im Fonds selbst: In den ETF auf den MSCI World liegen zum größten Teil Aktien aus den USA. Das heißt, das Dollarrisiko macht den größten Batzen aus. Weitere Wechsel­kurs­risiken bestehen mit Aktien aus Groß­britannien, der Schweiz, Japan oder Australien. Insgesamt listet der MSCI World 23 Länder, für rund 90 Prozent der Aktien besteht ein Währungs­risiko.

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Aktienfonds: Absicherung meist unnötig

Nur in Euro­land gibt es für hiesige Anleger kein Währungs­risiko. Sobald ein Fonds auch Aktien aus anderen europäischen Ländern wie Groß­britannien oder der Schweiz kauft, wirken sich die Wechsel­kurse auf die Gesamt­rendite aus – manchmal positiv, wenn Pfund und Franken steigen, manchmal aber auch negativ, wenn die ausländischen Währungen fallen. Lohnt es sich, das Risiko abzu­sichern?

Aktien- und Währungs­risiken über­lagern sich oft

Bei Wechsel­kurs­änderungen handelt es sich meist um kurz­fristige Bewegungen. Anders als Aktien folgen die Währungen der Industrienationen keinem lang­fristigen Trend. Ob sie steigen oder fallen, kann sich sehr schnell ändern, wie die Entwick­lung des herkömm­lichen Aktien­index MSCI World im Vergleich mit dem währungs­gesicherten MSCI World zeigt. Dollar und Euro wechseln sich ab, mal steigt der eine, mal der andere.

Nur kleine Unterschiede

Eine Analyse von Finanztest zeigt, dass sich viele Indizes mit und ohne Währungs­sicherung lang­fristig nur gering­fügig unterscheiden. Beim Welt­aktienmarkt steht im Vergleich der herkömm­liche MSCI World-Index ein wenig besser da als der währungs­gesicherte Index. Bemerkens­wert auch Norwegen, Schweden, Finn­land und Dänemark – zusammengefasst im MSCI Nordic Countries: Gesicherter und ungesicherter Index weisen über längere Frist eine ähnliche Wert­entwick­lung auf, mal war der eine ein biss­chen besser, mal der andere. Eine Währungs­absicherung wäre unnötig gewesen. In der Schweiz hätte sie sogar geschadet. Der Franken ist seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht geworden und hat gegen­über dem Euro zugelegt.

Währungs­sicherungen über längere Sicht unnötig

Die Grafik zeigt, wie sich der Welt­aktien­index MSCI World entwickelt hat - einmal in der herkömm­lichen Variante mit Währungs­risiken, einmal in der abge­sicherten Variante („Hedged“). Die Balken geben an, in welchem Jahre welche Variante besser gelaufen ist. Zeigen die Balken nach unten, hat die herkömm­liche Variante besser abge­schnitten. Zeigen die Balken nach oben, hat es sich gelohnt, die Fremdwährungs­risiken abzu­sichern. Das auf und Ab zeigt, dass sich die Währungs­verluste und -Gewinne über eine längere Zeit mehr oder weniger ausgleichen und eine Absicherung nicht sinn­voll war.

Über längere Zeiträume kein Trend erkenn­bar

Anders als Aktien, die einem lang­fristigen Aufwärts­trend folgen, gibt es bei Hartwährungen keinen solch eindeutigen Verlauf. Wer sein Geld länger­fristig in Aktienfonds liegen lässt, braucht daher auch keine Wechsel­kurs­absicherung. Gerade bei Aktienmärkten werden Währungs­effekte von den Börsen­entwick­lungen außerdem oft über­lagert und spielen für das Gesamt­investment nur eine kleine Rolle. Ein wenig anders sieht es über kürzere Zeiträume aus. Auf drei, vier Jahre betrachtet kann es für eine Währung durch­aus in eine Richtung gehen. Das könnte dafür sprechen, die eigene Aktien­anlage abzu­sichern – allerdings sollte man für so kurze Anlage­zeiträume Aktien in der Regel gar nicht erst kaufen.

Tipp: Für den Fall, dass Sie sich dennoch für einen währungs­gesicherten Fonds entscheiden wollen, finden Sie in unserer Fonds­daten­bank in Euro abgesicherte Aktienfonds Welt.

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Wie die Absicherung funk­tioniert

Wer sich gegen Wechsel­kurs­verluste absichert, muss dafür meist Geld bezahlen. Je höher die Zinsen in der ausländischen Währung sind, desto teurer wird das. Gesicherte Fonds bieten weniger Chancen auf Rendite – wir raten insbesondere bei Aktienfonds in der Regel davon ab.

Zur Absicherung ein Termin­geschäft

Um eine Geld­anlage in fremder Währung abzu­sichern, schließen Fonds­manager Devisen­termin­geschäfte ab. Beispiel Aktienfonds USA: Fällt der Dollar, fällt – umge­rechnet in Euro – auch der Preis des Fonds. Das passende Termin­geschäft entwickelt sich entgegen­gesetzt, das heißt, es gleicht die Währungs­verluste des Aktienfonds wieder aus. Wenn der Dollar steigt, würde zwar auch der Preis des Fonds in Euro steigen – doch in diesem Fall fressen die Verluste aus dem Termin­geschäft die Gewinne wieder auf. Was auch immer mit dem Dollarkurs passiert – der Anleger mit dem abge­sicherten Fonds kriegt nichts davon mit. Fast nichts.

Fall­stricke bei der Absicherung

Die Fonds­manager müssen sich im Voraus entscheiden, welchen Betrag sie absichern, beispiels­weise ein Fonds­vermögen von 1 Million Dollar. Steigen nun die Aktien eines Fonds auf 1,2 Millionen Dollar, dann sind die hinzugewonnenen 200 000 Dollar erst einmal ungesichert. Den ursprüng­lichen Absicherungs­betrag können die Manager im Nach­hinein nicht mehr ändern. Aber sie können ihre Absicherungs­geschäfte jeweils monatlich neu abschließen und an die neuen Kurs­stände anpassen. Täglich wäre natürlich noch besser – aber auch teuer. Deshalb ist die Absicherung so gut wie nie perfekt.

Kosten der Absicherung

Was die Währungs­sicherung kostet, hängt davon ab, wie hoch die Zinsen in den unterschiedlichen Währungs­räumen sind. Sind die Zinsen im Dollarraum höher als im Euroraum, dann legt der Fonds­manager entsprechend drauf. In einem Währungs­raum mit nied­rigeren Zinsen – in Japan jahre­lang der Fall – macht er mit der Währungs­absicherung sogar ein Plus.

Tipp: Wenn Sie Fonds mit Währungs­absicherung (Hedge) suchen, nutzen Sie unsere große Fondsdatenbank. Währungs­gesicherte Fonds finden Sie unter „weitere Filter“ und „Währung­absicherung“. Oder Sie filtern nach „Fonds­gruppen“ und achten dort auf den Namens­zusatz „hedged“. Sie können auch Fonds finden, die in anderen Währungen als dem Euro abge­sichert sind, etwa in Dollar oder Schweizer Franken. Das hat für Euro-Anleger allerdings wenig Sinn: Beim Verkauf des Fonds wechselt Ihre Bank den Erlös ohnehin in Euro um.

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Anleihen sollten sicher sein

Rentenfonds sind anfäl­liger für Wechsel­kurs­risiken als Aktienfonds. Während Währungs­schwankungen die Auswirkungen schwankender Aktien­kurse sogar abschwächen können, erhöhen sie bei Rentenfonds in der Regel die Risiken für die Anleger.

Sicherer ist es in Euro

Eine Geld­anlage in Anleihen läuft in der Regel so ab: Es gibt regel­mäßig Zinsen und am Ende der Lauf­zeit zahlt der Emittent zu 100 Prozent den Nenn­wert zurück. Für eine Euro-Anleihe stimmt das, kauft er dagegen eine Dollar-Anleihe, passt es nicht mehr unbe­dingt. Ist der Dollar im Laufe der Jahre um 10 Prozent gefallen, gibt es auch 10 Prozent weniger Geld zurück. Nicht von ungefähr empfehlen die Finanztest-Experten als Sicher­heits­baustein fürs Depot Rentenfonds, die nur erst­klassige, und zwar vorwiegend in Euro notierte Staats- und auch Unter­nehmens­anleihen kaufen. Anleger finden die Fonds in unserer großen Datenbank in der Gruppe Staatsanleihen Euro sowie in der Gruppe Staats- und Unternehmensanleihen Euro. Eine Alternative sind Fonds, die welt­weit in Staats- und Unter­nehmens­anleihen investieren, das Währungs­risiko aber absichern. Anleger finden solche Fonds in der Gruppe Staats- und Unternehmensanleihen Welt Euro hedged.

Wer will, kann auch spekulieren

Manche Anleger wollen sich Währungs­schwankungen aber bewusst zunutze machen und von möglichen Wechsel­kurs­steigerungen profitieren. Auch für ihre Zwecke gibt es Fonds. Sie nehmen für die höheren Renditen, die sie sich dadurch erhoffen, höhere Risiken bewusst in Kauf. Wer auf den Dollar setzen will, kann zum Beispiel Rentenfonds Staats­anleihen USA (US-Dollar) kaufen.

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Gold­barren haben immer ein Dollarrisiko

Gold ist beliebt. Viele Anleger kaufen Münzen oder Barren, um sich gegen unsichere Zeiten abzu­sichern. Mehr als eine Beimischung in ein gut gestreutes Depot sollte Gold aber nicht sein – dafür ist die mittel­fristige Entwick­lung zu riskant. Das Edel­metall wird wahr­scheinlich nie wert­los werden, doch die täglichen Schwankungen sind recht hoch. Hinzu kommt, dass der Gold­preis in Dollar fest­gestellt wird. Anleger mit Gold­investments haben daher fast immer auch ein Wechsel­kurs­risiko.

Physisches Gold hängt am Dollar

Ein Beispiel zeigt, wie sich Gold in Dollar und Euro unterschiedlich entwickeln kann. Dabei kann der Wechselkurs durch­aus auch ein zusätzliches Plus schaffen. Der Preis für eine Fein­unze (31,1 Gramm) Gold ist von Ende 2014 bis Ende 2019 um 330 Dollar auf 1520 Dollar gestiegen – das sind knapp 30 Prozent. In Euro gerechnet belief sich der Anstieg sogar auf knapp 40 Prozent, weil der Dollar im selben Zeitraum gegen­über dem Euro ebenfalls zugelegt hat.

Absicherung funk­tioniert mit Gold-ETC

Wer sein Gold­investment gegen Wechsel­kurs­risiken absichern will, kann zum Beispiel auf so genannte Gold-ETC zurück­greifen. Gold-ETC sind börsen­gehandelte Wert­papiere. Gold-ETC gibt es sowohl ohne Währungs­absicherung, etwa das bei vielen bekannte Xetra-Gold, als auch mit Absicherung. Mehr zu diesen Anlage­möglich­keiten finden Sie in unserem großen Gold-Special Barren, Münzen, Gold-ETC und Sparpläne im Test.

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Haben Sie noch Fragen?

Fragen senden Sie an fonds@stiftung-warentest.de oder Stiftung Warentest, Post­fach 30 41 41, 10724 Berlin. Daten zu mehr als 19 000 Fonds finden Sie in der großen Daten­bank Fonds und ETF.

Dieses Special ist erst­mals am 18. April 2017 auf test.de erschienen. Es wurde am 11. März 2020 aktualisiert.

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