Währungsanleihen Meldung

Andere Länder, andere Zinssätze. Wer sein Geld in andere Währungen steckt, steigert seine Renditechancen. Doch Dollar, Yen und Co. sind unberechenbar. Binnen weniger Tage können sie einbrechen.

Ein kleiner Spekulant steckt in jedem von uns. Jedenfalls in denen, die nach dem Urlaub schon mal überlegt haben, ob sie die Dollar, Pfund oder Schweizer Franken zurücktauschen oder lieber warten sollen, ob der Kurs noch steigt.

Wer wirklich mit Währungen spekulieren will, sollte Wertpapiere kaufen, Währungsanleihen zum Beispiel. Das sind festverzinsliche Wertpapiere, die ähnlich funktionieren wie Bundeswertpapiere oder Bankschuldverschreibungen, aber nicht auf Euro lauten, sondern auf eine andere Währung.

Für deutsche Anleger sind die wichtigsten Währungsräume die USA, Großbritannien, Japan und die Schweiz mit den Währungen Dollar, Pfund, Yen und Franken.

Anleger, die eine Währungsanleihe kaufen, spekulieren sowohl auf die Entwicklung der Zinsen in den jeweiligen Volkswirtschaften als auch auf die Entwicklung der Währung.

Meist steht die Währung im Vordergrund. Eine Anlage kann sich lohnen, wenn die fremde Währung dem Euro gegenüber steigt. Ob sie sich lohnt, hängt außerdem von den Zinsen ab.

Die Währung

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Diese und die folgen Grafiken zeigen, wie sich die aus deutscher Sicht wichtigsten Währungen seit der Freigabe der Wechselkurse 1973 entwickelt haben. Zwar gibt es starke Schwankungen um einen langfristigen Durchschnittswert. Doch ein dauerhafter Aufwärtstrend ist im Verhältnis zweier Währungen kaum möglich. Um die Kurven besser vergleichbar zu machen, haben wir alle Währungen bei einem Wert von 100 starten lassen.

Ins Auge fallen die extremen Unterschiede, die unsere Auswertung der Wertentwicklung über verschiedene Zeiträume ergeben hat. Mit dem Dollar und dem Yen konnten Anleger binnen fünf Jahren im besten Fall mehr als 80 Prozent gewinnen. Sie konnten aber auch 49 und 26 Prozent verlieren. Enorme Schwankungen schüttelten auch das britische Pfund und den vermeintlich braven Schweizer Franken.

Typisch für Währungen ist, dass sie nicht dauerhaft im Wert steigen, wie Aktien oder Anleihen, die auf lange Sicht einem steigenden Trend folgen. Bei Aktien führen schon die Dividenden zu einem Anstieg und im Aktienwert spiegelt sich das Gewinnwachstum des Unternehmens wieder. Das Geld, das in Anleihen liegt, wächst durch die Zinszahlungen.

Währungen hingegen schwanken mal in die eine, mal in die andere Richtung, da der Wechselkurs Ausdruck des Verhältnisses zweier Länder ist. Mal überwiegen die Wirtschaftseinflüsse des einen Landes, dann die des anderen.

Die Zinsen

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Die laufenden Erträge aus Fremdwährungsanleihen stammen aus den Zinsen. Sie sind höher als bei hiesigen Anleihen, wenn das Land, in welchem die Währung gilt, ein höheres Zinsniveau hat als Euroland.

Zurzeit gibt es für zehn Jahre laufende Papiere in Deutschland etwas mehr als 4 Prozent pro Jahr. In den USA ist das Zinsniveau ähnlich. Großbritannien liegt bei 5 Prozent, die Schweiz knapp unter 3, Japan zahlt für zehnjährige Anleihen weniger als 1,5 Prozent pro Jahr. Auf den aktuellen Zins bezogen lohnen sich also nur Anleihen auf Pfund und am wenigsten Papiere in Yen.

Worauf der Anleihekäufer jedoch vor allem achten sollte, ist nicht die aktuelle, sondern die künftige Zinshöhe. Er muss überlegen, in welche Richtung sich die Zinsen bewegen. Sinken sie, ist das gut für ihn: Der Kurs seiner höher verzinsten Anleihe steigt. Ziehen die Zinsen dagegen an, drohen dem Anleger mit der schlechter verzinsten Anleihe Kursverluste.

In welche Richtung sich die Zinsen bewegen, hängt weniger von ihrer absoluten Höhe als von den wirtschaftlichen Aussichten ab. Mit anderen Worten: Die Zinsen in Japan steigen nicht zwangsläufig deshalb, weil sie augenblicklich auf niedrigem Niveau sind.

Irrtümer über Währung und Zins

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Währung und Zinsen können sich gegenseitig beeinflussen. Logisch erscheint, dass die Währung des Landes mit den höheren Zinsen steigt, weil die Anleger sie stark nachfragen. Das war Anfang der 90er Jahre in Deutschland mit der Mark der Fall.

Es ist aber nicht zwingend das Land mit dem höheren Zinsniveau der begehrteste Anlageplatz. Sonst müsste das britische Pfund steigen. Doch das tut es derzeit nicht.

Die unterschiedlichen Zinsen bestimmen eben nicht allein die Wechselkurse. Einfluss haben auch die Güter- und Dienstleistungsströme zwischen den Ländern. Zudem spielen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung eine wichtige Rolle.

Denksport für Anleger

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Währung und Zinsen bewegen sich deshalb oft unabhängig voneinander. Das hat auch die Langfristanalyse von ­Finanztest ergeben. Für Anleger lassen sich daraus folgende Szenarien ableiten: Eine Währungsanleihe bringt doppelten Gewinn, wenn die Währung steigt und gleichzeitig die Zinsen sinken. Das geschah in den vergangenen Jahren in Japan.

Zum Währungsgewinn kann aber auch ein Kursverlust kommen, wenn die Zinsen steigen. Ein solches Szenario ist für Währungsanleihen, die auf Dollar lauten, vorstellbar.

Sollte die amerikanische Wirtschaft wieder schneller wachsen, könnte auch der Dollar aus diesem Grund wieder steigen, gleichzeitig würden aber auch die Zinsen steigen. Glück hätte der Anleger dann, wenn die Währungsgewinne höher wären als die Kursverluste seiner Anleihe.

Pech hat der Anleger, wenn zum Kursverlust der Anleihe auch noch ein Währungsverlust kommt.

Die Bonität

Währungsanleihen werden von Staaten, von Banken und anderen Unternehmen herausgegeben. Von deren Kreditwürdigkeit, der Bonität, hängt es ab, wie sicher die Anleihe ist.

Finanztest empfiehlt nur Emittenten mit erstklassiger Bonität. Das sind die Staaten USA, Großbritannien, Schweiz und Japan, aber auch große Banken, Versicherungen oder andere Unternehmen. Sie müssen ihren Sitz nicht in dem zur Währung gehörenden Land haben. Auch deutsche Banken oder Schweizer Versicherer können Dollaranleihen ausgeben oder Papiere in Pfund auflegen.

Anleihen von Entwicklungsländern oder ihren Unternehmen taugen aber – auch wenn sie auf Dollar lauten – nur für erfahrene Spekulanten.

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