WM-Teilnehmer Uruguay Meldung

Uruguay war zweimal Fußball­welt­meister: 1930 im eigenen Land und 1950 in Brasilien. Auch die Wirt­schaft erlebte ihre Blüte in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hunderts. Von der Krise 2001/2002 hat sich das Land aber weit­gehend wieder erholt. Ob das nach dem WM-Aus auch dem uruguayischen Fußball gelingen wird? test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Uruguay in Zahlen*

WM-Teilnehmer Uruguay Meldung

Uruguay auf der Welt­karte

Uruguay auf der Welt­karte

  • Einwohner: 3,3 Millionen
  • Haupt­stadt: Monte­video
  • Währung: Uruguayischer Peso, 1 Euro = 31, 20 Pesos (Stand 27. Juni 2014)

Früher Vieh­zucht...

Uruguay war dank seiner Vieh­exporte in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hunderts eine der reichsten Volks­wirt­schaften Latein­amerikas. Es folgte eine lange Phase der Schwäche mit immer wieder­kehrenden Rück­schlägen. Nachdem die Uruguayer es Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre geschafft hatten, ihre Währung zu stabilisieren und die Inflation im Griff zu behalten, schwappte die Krise aus dem Nach­barland Argentinien über die Grenze. Weil ihre heimischen Konten einge­froren waren, zogen zahlreiche Argentinier ihr Geld ab, das sie auf uruguayischen Banken geparkt hatten – in der Folge geriet auch das Banken­system in Uruguay in die Bredouille. Der Peso stürzte ab. Mithilfe des Interna­tionalen Währungs­fonds (IWF) bekamen die Uruguayer die Krise jedoch vergleichs­weise schnell wieder in Griff. Zwischen 2004 und 2008 wuchs die Wirt­schaft durch­schnitt­lich um 8 Prozent pro Jahr – ehe die globale Finanz­krise den nächsten Rück­schlag auslöste.

...heute Tourismus und IT

Im Jahr 2013 stieg das Brutto­inlands­produkt (BIP) um 3,5 Prozent pro Jahr. Die Land­wirt­schaft macht mitt­lerweile weniger als 10 Prozent der gesamten Wirt­schafts­leistung aus. Die traditionelle Vieh­zucht gehört immer noch dazu, außerdem bauen die Uruguayer Soja, Reis und Getreide an. Uruguay verfügt über zwölf Frei­handels­zonen, die dem Land Devisen­einkünfte bescheren. Auch der Tourismus gewinnt an Bedeutung. Zwischen Dezember und März, wenn auf der Nord­halb­kugel Winter ist, steuern zahlreiche Kreuz­fahrt­schiffe die Haupt­stadt Monte­video an. Auch die IT-Branche spielt eine wichtige Rolle. Das Onlinemagazin Latin Business Chronicle bescheinigt dem Land einen vorderen Platz im latein­amerikanischen Technologie-Index. Die wichtigsten Versorgungs­unternehmen für Strom, Wasser, Mineralöl und Tele­kommunikation stehen nach Angaben des Auswärtigen Amtes dagegen im Eigentum des Staates, ihre Privatisierung hat die Bevölkerung 2003 per Referendum abge­lehnt.

Anleihen wieder im Blick

Knapp zehn Jahre nach der Banken- und Währungs­krise Anfang der 2000er Jahre haben die Rating­agenturen Uruguay, dem Land mit der Sonne in der Nationalflagge, wieder eine gute Bonität bescheinigt. „Investment Grade“, wie Fachleute das nennen – gemeint sind Rating­noten von AAA bis BBB (Stan­dard and Poor’s). Anleger finden uruguayische Staats­anleihen zu einem geringen Anteil zum Beispiel in dem Fonds UBS Emerging Economies Latin American Bonds. Die drei größten Positionen in dem Fonds nehmen allerdings Mexiko, Brasilien und Vene­zuela ein.

Wolken am Fußball­himmel

1954 und 1970 wurde die „Celeste“, wie Uruguays National­mann­schaft heißt, jeweils Vierter. Danach dümpelte der Fußball jahr­zehnte­lang im Mittel­feld. 2010 konnten die „Himmelblauen“ an alte Erfolge anknüpfen, mit einem erneuten vierten Platz bei der WM in Südafrika. Doch die Stars von damals rund um Diego Forlan sind in die Jahre gekommen. Bis die Mann­schaft aus der Krise findet, und der Fußball­himmel wieder leuchtet, wird es ähnliche Anstrengungen brauchen wie in der Wirt­schaft.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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