WM-Teilnehmer Spanien Meldung

Als Spanien vor vier Jahren Welt­meister wurde, ging es dem Land wirt­schaftlich schlecht. Die Konjunktur trat auf der Stelle, viele waren arbeitslos. Jetzt, in Brasilien, ist der Glanz des Tiki-Taka-Spiels verblasst: Spanien schon in der Vorrunde raus. Die spanische Wirt­schaft allerdings steht besser da als noch vor vier Jahren. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Spanien in Zahlen*

WM-Teilnehmer Spanien Meldung

Spanien auf der Welt­karte

Spanien auf der Welt­karte

  • Einwohner: 47,8 Millionen
  • Haupt­stadt: Madrid
  • Währung: Euro

Erste Zeichen von Erholung

Nach wie vor liegt die Arbeits­losenquote bei mehr als 25 Prozent. Die Wirt­schaft zeigt jedoch erste Zeichen von Erholung. Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat wuchs das Brutto­inlands­produkt (BIP) im ersten Quartal 2014 um 0,4 Prozent. Die Exporte sind gestiegen, und auch die Nach­frage im Land selbst hat wieder angezogen. Spanien ist wieder wett­bewerbs­fähig. Die Helaba nennt als eine Ursache dafür „die moderate Lohn­entwick­lung bei gleich­zeitig deutlich steigender Produktivität“. Spanien könne nun als Modell für andere Krisenländer gelten.

Risiko­aufschläge geringer

Dass die Krise sich verflüchtigt hat, zeigt ein auch Blick auf die Risiko­aufschläge für Staats­anleihen. Im Welt­meister­schafts­sommer 2010 lagen die Renditen für Papiere mit zehnjäh­riger Lauf­zeit bei 4,5 Prozent pro Jahr. Das waren seiner­zeit 2 Prozent­punkte mehr als für Bundes­anleihen. Der Rendite­unterschied zeigte das höhere Risiko der spanischen im Vergleich zu den deutschen Papieren. Im Juli 2012 hatte die Krise ihren Höhe­punkt erreicht. Griechen­land hatte gerade umge­schuldet und die Risiko­aufschläge für die südeuropäischen Krisen­staaten standen auf Rekord­hoch: 7,5 Prozent pro Jahr gab es da für spanische Anleihen. Anfang Juni 2014 waren die Renditen auf 2,6 Prozent gesunken.

Ibex auf Steig­flug

Dass es in Spanien aufwärts geht, zeigt noch viel deutlicher die Entwick­lung am Aktienmarkt. Der spanische Leit­index Ibex 35 steht jetzt bei rund 11 150 Punkten – fast schon wieder doppelt so hoch wie auf dem Tief­punkt im Juli 2012, als er an der 6 000-Punkte-Marke kratzte. Seinen bisher höchsten Stand hatte der Ibex 35 mit knapp 16 000 Punkten im Früh­jahr 2007 vor Ausbruch der Finanz­krise.

Spanienfonds im Test

Anleger, die einen weiteren Aufschwung für wahr­scheinlich halten, können mit Fonds in den spanischen Aktienmarkt einsteigen. Beispiels­weise bietet db x-trackers einen ETF, einen börsen­gehandelten Indexfonds, auf den Ibex 35 an, von Amundi gibt es einen ETF auf den MSCI Spain. Der MSCI Spain bietet mit nur 22 Titeln allerdings einen engeren Zugang zum spanischen Markt als der Ibex 35. Im MSCI Spain macht außerdem allein die Finanz­branche ungefähr die Hälfte des Indexes aus.

Aktienfonds mit Schwer­punkt Spanien gibt es zu wenige, als dass sie in unserem Test eine eigene Gruppe bilden würden. Anleger finden diese Fonds einsortiert in die Gruppe der Aktienfonds Euro­land, allerdings ohne Bewertung. Außer Indexfonds und ETF gibt es auch gemanagte Fonds, etwa den Fidelity Iberia, der über fünf Jahre eine Rendite von 14,7 Prozent pro Jahr erzielt und damit den MSCI Spain deutlich geschlagen hat. Der hat es in derselben Zeit nur auf 8,8 Prozent gebracht.

Das Fußball­tief

Eigentlich gibt es keinen wirk­lichen Zusammen­hang zwischen Rasen­sport und Konjunktur. In Spanien heißt es im Welt­meister­schafts­sommer 2014 allerdings: Während die Wirt­schafts­reformen schon greifen, fängt die Zeit des Umdenkens im Fußball jetzt erst an.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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