WM-Teilnehmer Nieder­lande Meldung

Fliegende Holländer gab es bei dieser WM öfter zu sehen. Erst versetzte Robin van Persie mit einem Flug­kopf­ball Spanien den Todes­stoß, dann ging Arjen Robben gegen Mexiko schwalben­verdächtig zu Boden. Doch für den ewigen Zweiten Oranje reichte es wieder nicht zum Titel. Auch ökonomisch bleiben große Erfolge aus. Zwar ist das BIP zuletzt wieder gewachsen, aber die Nieder­lande stecken immer noch in der Krise. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Die Nieder­lande in Zahlen*

WM-Teilnehmer Nieder­lande Meldung

Die Nieder­lande auf der Welt­karte

Die Nieder­lande auf der Welt­karte

  • Einwohner: 16,9 Millionen
  • Haupt­stadt: Amsterdam
  • Währung: Euro

Wenig Wachs­tum, viele Schulden

Nachdem die Wirt­schaft der Nieder­lande zwei­einhalb Jahr­zehnte unaufhörlich gewachsen war, kam es infolge der Finanz­krise zum Einbruch: Um 3,7 Prozent schrumpfte das Brutto­inlands­produkt (BIP) im Jahr 2009. In den beiden darauf­folgenden Jahren gab es ein leichtes Plus, im Jahr 2012 ging das BIP um 1,2 Prozent zurück, 2013 noch einmal um 0,8 Prozent. Die Arbeits­losig­keit stieg an, insbesondere waren viele junge Leute ohne Job. Nach Angaben des Berliner Auswärtigen Amtes lag die Jugend­arbeits­losig­keit Mitte 2013 bei 16 Prozent. Der Staat steuerte der Krise mit Ausgaben­programmen entgegen. Das trieb allerdings das Haus­halts­defizit und die Staats­verschuldung hoch. Ende 2013 entzog die Rating-Agentur Stan­dard and Poor’s den Nieder­landen schließ­lich das AAA-Rating.

Kleines Land, große Wirkung

Die nieder­ländische Wirt­schaft ist welt­offen, geprägt von Exporten aus dem eigenen Land, aber auch von dem Umschlag­platz am Hafen von Rotterdam. Obwohl das Land so klein ist, zählt es laut Auswärtigem Amt zum zweitgrößten Exporteur land­wirt­schaftlicher Güter nach den USA. Insgesamt gehören die Nieder­lande zu den fünf größten Export­ländern der Erde – nur die USA, China, Deutsch­land und Japan liegen vor ihnen. Der Hafen in Rotterdam verzeichnete im Jahr 2013 einen Güter­umschlag von 440 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: In Hamburg wurden im selben Zeitraum knapp 140 Millionen Tonnen umge­schlagen. Große und interna­tional tätige Unternehmen in den Nieder­landen sind zum Beispiel der Konsumgüter­hersteller Unilever, die Bank ING, der Ölkonzern Royal Dutch Shell oder der Elektronik­konzern Philips.

Auswahl für Anleger klein

Im Index MSCI Euro­land ist der nieder­ländische Aktienmarkt nach dem französischen, dem deutschen und dem spanischen der viert­größte. Italien liegt erst auf Platz 5. In der öffent­lichen Wahr­nehmung findet er aber viel weniger statt. Während Aktienfonds aus Italien und sogar aus dem kleinen Österreich eigene Fonds­gruppen bilden, haben Anleger nur wenig Auswahl an nieder­ländischen Aktien. Wer sich für ein Investment in den Leit­index der Amsterdamer Börse (AEX) interes­siert, kann sich zwischen zwei börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) entscheiden. Einen ETF auf den AEX bietet iShares an, den anderen State Street. Von Amundi gibt es außerdem einen ETF auf den MSCI Nether­lands. Darüber hinaus finden Anleger zwei gemanagte Fonds, zum einen den BNP Paribas Equity Netherlands und zum anderen den Candriam Equities L Netherlands.

In Schönheit sterben

Die Amsterdamer Börse ist die älteste Wert­papierbörse der Welt, sie wurde 1612 gegründet. Ungefähr zur selben Zeit kam es in den Nieder­landen zur berüchtigten Tulpenmanie, der wohl berühmtesten Spekulations­blase der Geschichte. Der Handel mit den Blumen­zwiebeln lief allerdings nicht über die Börse, sondern spielte sich in Kneipen und Wirts­häusern ab. Die Preise stiegen in fantastische Höhen. Kurz bevor die Blase platzte, wurden die Knollen gegen Häuser in Amsterdams bester Lage getauscht. Tulpen wachsen in Holland immer noch und verwandeln im Früh­jahr große Land­striche in ein farben­frohes Blüten­meer. Ein Genuss fürs Auge. Schönheit bestimmt seit jeher auch das Spiel der nieder­ländischen National­mann­schaft, die ihre Anhänger mit offensivem Fußball immer wieder begeistert. In Schönheit sterben, wurde bei Oranje zum geflügelten Wort, weil der Mann­schaft der ganz große Erfolg bisher versagt geblieben ist.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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