WM-Teilnehmer Kolumbien Meldung

Kolumbien hatte in der Vorrunde so toll gespielt, dass viele der Mann­schaft das Halb­finale oder sogar das Finale zutrauten. Doch dann war im Viertel­finale Schluss. Auch ökonomisch hat das Land Riesen­potenzial. Bis die Südamerikaner jedoch zu den führenden Volks­wirt­schaften Latein­amerikas zählen werden, dürfte es noch ein Weilchen brauchen. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Kolumbien in Zahlen*

WM-Teilnehmer Kolumbien Meldung

Kolumbien auf der Welt­karte

Kolumbien auf der Welt­karte

  • Einwohner: 46,2 Millionen
  • Haupt­stadt: Bogotá
  • Währung: kolumbia­nischer Peso, 1 Euro = 2510,92 Pesos (Stand 7. Juli 2014)

Latein­amerikanisches Wirt­schafts­wunder

Gemessen an der gesamten Wirt­schafts­leistung belegt Kolumbien nach Mexiko, Brasilien und Argentinien den vierten Platz. Was das Pro-Kopf-Einkommen angeht, haben die Kolumbianer allerdings noch Nach­holbedarf. Hier liegen einige Länder besser, unter anderem auch Costa Rica, Uruguay und Vene­zuela. Nach Angaben des auswärtigen Amtes liegt die Armuts­quote in Kolumbien bei 30 Prozent. Einkommen und Vermögen sind so ungleich verteilt wie in kaum einem anderen Land Latein­amerikas. Daran hat auch das lang­jährige Wachs­tum nicht viel verändert. Von 2004 bis 2007 wuchs die Wirt­schaft um jeweils mehr als 6 Prozent pro Jahr. Selbst die Finanz­krise konnte den Konjunktur­motor kaum bremsen. Auch in den vergangenen Jahren legte das Brutto­inlands­produkt (BIP) zwischen 4 und 6 Prozent pro Jahr zu.

Kohle und Kartoffeln

Kolumbien ist reich an Rohstoffen. Öl, Erdgas, Kohle – das Land ist der viert­größte Kohleexporteur auf dem Globus. Außerdem gibt es große Vorkommen an Eisen­erz, Nickel, Kupfer, Gold und Smaragden. Außer Rohstoffen exportiert Kolumbien auch land­wirt­schaftliche Produkte in alle Welt. Kaffee natürlich, aber auch Schnitt­blumen, Bananen oder Reis. Wichtige – legale – Industrie­zweige sind die Textil- und Nahrungs­mittel­produktion. Nach wie vor gilt aber auch der Drogen­handel als bedeutender Wirt­schafts­zweig. Ein weiteres großes Problem ist die katastrophale Infrastruktur. Nur rund ein Viertel der Straßen ist asphaltiert, über Land geht es nur lang­sam voran. Die Sicher­heits­lage ist nach wie vor angespannt. Das Auswärtige Amt warnt vor Über­fällen und Entführungen.

Kolumbien gibts nur im Paket

Das kolumbia­nische Wirt­schafts­wunder treibt auch die Börse zu Höhenflügen an: Der Aktien­index MSCI Colombia hat in den vergangenen zehn Jahren um knapp 27 Prozent pro Jahr zugelegt – in US-Dollar gerechnet. Zum Vergleich: Die Schwellenmärkte welt­weit, zusammengefasst im Index MSCI Emerging Markets, haben es im selben Zeitraum auf 12 Prozent pro Jahr gebracht (Stand 30. Juni 2014). Die größte Position im MSCI Colombia ist mit einem Anteil von rund 21 Prozent der Ölkonzern Ecopetrol. Stärkste Branche im Index ist der Finanzsektor. Die Groß­bank Bancolombia ist mit einem Anteil von knapp 15 Prozent vertreten. Das zur Endrunde in Brasilien grassierende Fußball­fieber machte auch vor den kühlen Finanzleuten nicht Halt: Für das Viertel­final­spiel gegen Brasilien, das in Bogotá um 15 Uhr Orts­zeit begann, hatten einige Banken eigens ihre Öffnungs­zeiten geändert. Anleger, die sich für Investitionen in den kolumbia­nischen Markt interes­sieren, können Aktienfonds Latein­amerika kaufen. Im Aktien­index MSCI EM Latin America ist Kolumbien derzeit mit rund 5 Prozent gewichtet. ETF auf diesen Index bieten zum Beispiel db x-trackers und Lyxor. Börsen­gehandelte Indexfonds (ETF), die sich ausschließ­lich auf einen kolumbia­nischen Aktien­index beziehen, gibt es in der Daten­bank derzeit nicht.

La Tri gibt wieder Grund zur Freude

Dieser Tage jährt sich der Tod des kolumbia­nischen Abwehr­spielers Andrés Escobar zum zwanzigsten Mal. Ihm war bei der WM 1994 in den USA im Spiel gegen den Gast­geber ein Eigentor unter­laufen. Seine Mann­schaft verlor das Spiel, und Kolumbien – im Vorfeld als Geheimfa­vorit gehandelt – war ausgeschieden. Wenige Tage später wurde der junge Fußball­spieler in Medellín erschossen. Warum, ist nicht abschließend geklärt – die zweitgrößte Stadt Kolumbiens war seiner­zeit (Stich­wort: Medellín-Kartell) mit die gefähr­lichste der Welt. Die Tragödie über­schattete das Turnier in den USA, schockierte die Welt. Kolumbien trauerte – und tut es noch. „Andrés bleibt in den Herzen der Kolumbianer“, schreibt die Tages­zeitung El Tiempo aus Bogotá, die seinem Gedenken eine Sonderseite widmet. In Brasilien, 20 Jahre danach, entfacht „La Tri“, wie die Kolumbianer ihr National­team nennen, wieder Begeisterung. Nicht nur Millionen Fans in der Heimat, sondern in der ganzen Welt, freuten sich über ihre offensive Spiel­weise, die die Mann­schaft zum ersten Mal in ihrer Geschichte bis ins Viertel­finale führte.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

Dieser Artikel ist hilfreich. 3 Nutzer finden das hilfreich.