WM-Teilnehmer Griechen­land Meldung

Da staunte die Fußball­welt: Wie aus dem Nichts wurden die Griechen 2004 Europameister. Die WM in Brasilien ist erst ihre dritte. Dass sie dort das Achtel­finale erreichen würden, hatten viele ebenfalls nicht erwartet. Auch die Schuldenkrise kam als Über­raschung: Kaum jemand ahnte in den 2000er Jahren, welche Tragödie sich an der Ägäis zusammenbraute. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Griechen­land in Zahlen*

WM-Teilnehmer Griechen­land Meldung

Griechen­land auf der Karte.

Griechen­land auf der Karte.

  • Einwohner: 10,8 Millionen
  • Haupt­stadt: Athen
  • Währung: Euro

Mit dabei, koste es, was es wolle

Die erste Über­raschung war, dass Griechen­land 2001 mit zweijäh­riger Verspätung doch noch zum Kreis der Euro-Mitglieder stieß. Zwar erfüllten die Griechen die Kriterien von Maastricht nicht wirk­lich, doch schließ­lich waren auch andere zu hoch verschuldete Länder wie Belgien oder Italien mit im Bunde. In den Jahren zuvor hatten sich die Griechen ein umfang­reiches Spar­programm verordnet, um fit für den Euro zu werden. Wie sich später heraus­stellen sollte, hatten sie ihre Zahlen jedoch geschönt.

Plötzlich hoch verschuldet

Bitteres Erstaunen löste Ende 2009 das Einge­ständnis der grie­chischen Regierung aus, die Staats­schulden seien viel höher als gedacht. 300 Milliarden Euro – weit mehr, als die gesamte Wirt­schafts­leistung Griechen­lands in einem Jahr. Es folgte Rettungs­paket auf Rettungs­paket, mehrere Sparpakete wurden geschnürt, mit bisher zweifelhaftem Erfolg. Die grie­chische Wirt­schaft schrumpfte fünf Jahre hinter­einander, zuletzt schät­zungs­weise um gut 4 Prozent. Die endgültigen Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor. Für 2014 rechnen Experten mit einem leichten Wachs­tum.

Zwei Jahre Aufwärts­trend

Was verblüfft, ist die Hausse am Aktienmarkt. Die Aktien­kurse an der Athener Börse haben sich in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt, was die Hoff­nung nährt, dass es bald wieder richtig aufwärts geht in Griechen­land. Im Vergleich zum Stand vor Ausbruch der Krise Mitte 2008 ist der Markt allerdings nur noch ein Viertel wert. Wer sein Glück mit grie­chischen Aktien versuchen will, kann zum Beispiel den börsen­gehandelten Indexfonds Lyxor ETF FTSE Athex 20 kaufen. Einen kleinen Anteil grie­chischer Aktien hält auch der gemanagte Fonds Aktien Südeuropa UI von Universal Investment, der jedoch vor allem in Italien und Spanien unterwegs ist. Übrigens: Der Indexanbieter MSCI hat Griechen­land vom Industrieland zum Schwellenland zurückgestuft.

100 Milliarden weniger – aber immer noch viel

Einen großen Schritt in Richtung Neustart ging Griechen­land mit dem Schulden­schnitt im Früh­jahr 2012. Nationale und interna­tionale Anleihegläubiger – allen voran Banken, aber auch private Anleger – verzichteten auf ungefähr die Hälfte ihrer Forderungen. Mit einem Schlag war der riesige Schulden­berg um rund 100 Milliarden Euro abge­tragen. Griechen­land verschaffte das ein biss­chen Luft. Doch 2013 beliefen sich die Schulden immer noch auf 175 Prozent des BIP. Auch beim Fußball steht ein Einschnitt an: Der grie­chische Nationaltrainer Fernando Santos, der sein Team bei der Europameisterschaft 2012 ins Viertel­finale führte, geht. Seinen Rück­zug hatte er bereits Monate vor der Endrunde in Brasilien angekündigt. Vielleicht feiern die Griechen bald zumindest wieder sport­liche Erfolge.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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