WM-Teilnehmer Deutsch­land Meldung

Die Stärke der deutschen Mann­schaft ist ihr gut besetztes Mittel­feld. Götze, Kroos, Khedira, Müller, Schürrle, Özil, Schwein­steiger – lauter illustre Namen, lauter groß­artige Spieler. Bei der WM in Brasilien spielten sie zwar nicht immer schön, aber stets effizient. Der Einzug ins Finale ist die Belohnung. Auch auf die deutsche Wirt­schaft passt das Prädikat der Effizienz. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Deutsch­land in Zahlen*

WM-Teilnehmer Deutsch­land Meldung

Deutsch­land auf der Welt­karte

Deutsch­land auf der Welt­karte

  • Einwohner: 81 Millionen
  • Haupt­stadt: Berlin
  • Währung: Euro

Ex-Export­welt­meister, aber immer noch vorn

Die Stärke der deutschen Wirt­schaft fußt auf dem Mittel­stand. Gemeint sind etwa 3,7 Millionen kleine und mitt­lere Unternehmen sowie über vier Millionen Selbst­ständige. „Der Mittel­stand erzielt rund 39 Prozent aller steuer­pflichtigen Umsätze, bietet über 60 Prozent der sozial­versicherungs­pflichtig Beschäftigten Arbeits­plätze und bildet 83,2 Prozent aller Auszubildenden aus“, schreibt die Bundes­regierung auf ihrer Internetseite bundesregierung.de. Dabei sind die mittel­stän­dischen Unternehmen beileibe nicht nur auf dem Heimatmarkt tätig. Nach Angaben des Bundes­wirt­schafts­ministeriums ist die Hälfte der Unternehmen mit Jahres­umsatz von mehr als zwei Millionen Euro auch im Ausland aktiv. Seinen Titel als Export­welt­meister hat Deutsch­land schon länger verloren – hoffentlich kein schlechtes Omen. China und die USA sind zumindest auf diesem Gebiet stärker – sie haben aber auch einen größeren Kader: China hat knapp 1,4 Milliarden Einwohner, die USA nur 319 Millionen – das sind aber immer noch vier Mal mehr Menschen, als in Deutsch­land leben.

Allseits gefragt: Made in Germany

Gemessen an der gesamten Wirt­schafts­leistung ist Deutsch­land die fünft­größte Volks­wirt­schaft der Welt – nach den USA, China, Indien und Japan. 2006 und 2007 wuchs die deutsche Wirt­schaft um durch­schnitt­lich 3,5 Prozent, 2008 waren es noch 1,1 Prozent – ehe im Krisen­jahr 2009 das Brutto­inlands­produkt (BIP) um 5,1 Prozent schrumpfte. 2010 ging es dann aber sofort wieder mit 4 Prozent aufwärts. Deutsch­land hat mit einem Anteil von rund 30 Prozent eine vergleichs­weise starke Industrie: „Made in Germany“ – in aller Welt aufgrund hoher Qualität und tech­nischer Finessen gefragt. Ursprüng­lich Ende des 19. Jahr­hunderts in Groß­britannien einge­führt, um vor billiger deutscher Importware zu warnen, hat die Bezeichnung längst einen Bedeutungs­wandel erfahren und gilt nun als Gütesiegel.

Den Staat freut’s, die Anleger weniger

Als größte Volks­wirt­schaft in der Eurozone war Deutsch­land auch als Retter in der Euro-Krise stark gefragt. Gemein­sam mit seinen Euro-Part­nerländern hat das Land verschiedene Hilfs­pakete auf den Weg gebracht. Gleich­zeitig profitierte Deutsch­land von seinem Ruf als stabiler Anker und von seiner erst­klassigen Kreditwürdig­keit: Bundesanleihen waren so begehrt, dass die Kurse immer weiter stiegen – und im Gegen­zug die Renditen immer nied­riger wurden. Gab es Mitte 2008 für zehnjäh­rige Bundes­papiere noch 4,5 Prozent pro Jahr, sind es jetzt gerade mal noch 1,2 Prozent. Das freut den Bundes­finanz­minister, weil er sich günstig verschulden kann – und ärgert Anleger, die nichts mehr für ihre Erspar­nisse bekommen. 1,2 Prozent, das ist weniger, als Banken für Top-Tagesgeldangebote zahlen. Zwar kaufen private Anleger Bundes­anleihen in der Regel nicht direkt, doch die Papiere stecken zuhauf in der Deutschen (noch) beliebtestem Alters­vorsorgepro­dukt: Der Kapital­lebens­versicherung – die nun auch keine attraktiven Renditen mehr bietet.

Vom kranken Riesen zum starken Mann

Vor Aktien scheuen die sicher­heits­liebenden Deutschen zurück. Schade drum: Am Aktienmarkt ließ der Bundes­adler in den vergangenen Jahren kräftig seine Muskeln spielen: Von seinem Tief von rund 3 600 Punkten Anfang 2009 stieg der deutsche Leit­index Dax zuletzt bis auf die neue Rekord­marke von 10 029 Punkten. Zuletzt pendelte der Dax bei rund 9 650 Punkten. Mit Aktienfonds Deutschland konnten Anleger in den vergangenen fünf Jahren bis zu 20 Prozent pro Jahr verdienen. Dabei sah es zu Beginn des Jahr­tausends in der deutschen Wirt­schaft noch ganz anders aus. Da war das Wachs­tum klein, die Arbeits­losig­keit hoch – und die Verschuldung auch. Deutsch­land als kranker Mann Europas, der – anders als andere Euroländer, so die damalige Sicht­weise – notwendige Reformen nicht auf den Weg bekam. Altkanzler Schröders nicht unum­strittene Agenda 2010 päppelte den kränkelnden Riesen wieder auf.

Wichtig ist auf’m Platz

Wenn es darauf ankommt, klappt’s. Im Fußball ist Deutsch­land so erfolg­reich wie kaum ein anderes Land. Die deutsche WM-Bilanz kann sich sehen lassen: In 17 Turnieren – exklusive des aktuellen in Brasilien, das bei Redak­tions­schluss noch nicht beendet war – sind deutsche Mann­schaften zwölfmal bis ins Halb­finale gekommen. Viermal sind sie Dritte geworden, viermal Zweite, dreimal haben sie den Titel geholt. Die deutsche National­elf sei eine Turnier­mann­schaft, heißt es allent­halben. Effizienz­welt­meister in der Kategorie Fußball­turniere sind allerdings andere: die Brasilianer. Sie standen zehnmal in der Runde der letzten Vier und hielten in der Hälfte der Fälle am Ende den begehrten Pokal in den Händen.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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