WM-Teilnehmer Costa Rica Meldung

Pura Vida, lautet das Motto in Costa Rica, was wörtlich pures Leben heißt und den „Ticos“ sicht­lich ins Gesicht geschrieben steht, vor allem, wenn sie sich an den Spielen ihrer Fußball­national­mann­schaft entzücken. So weit wie dieses Mal sind die Fußballer Costa Ricas noch nie gekommen, es ist über­haupt erst ihre vierte WM-Endrunde. Auch die Konjunktur gibt derzeit Grund zur Freude. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Costa Rica in Zahlen*

WM-Teilnehmer Costa Rica Meldung

Costa Rica auf der Welt­karte

Costa Rica auf der Welt­karte

  • Einwohner: 4,8 Millionen
  • Haupt­stadt: San José
  • Währung: Colón, 1 Euro = 735,45 Colones (Stand 3. Juli 2014)

Große Ziele

Costa Rica wird die Schweiz Mittel­amerikas genannt, was aber nicht an den Bergen liegt, sondern an seiner „dauer­haften und unbe­waff­neten Neutralität“, die es in den 1960er Jahren erklärte. Anders als die Schweiz hat Costa Rica seine Armee aber abge­schafft. Oscar Arias, der von 1986 bis 1990 und noch einmal von 2006 bis 2010 Präsident von Costa Rica war, hat 1987 den Friedens­nobel­preis bekommen – für seine Friedens­bemühungen in Mittel­amerika. Die Regierung Arias stieß Ende der acht­ziger Jahre einige Reformen an, beispiels­weise wurde die Infrastruktur verbessert, Banken und Handel liberalisiert. Seit 1990 ist Costa Rica Mitglied des GATT, des Vorläufers der Welt­handels­organisation WTO. Gemessen am Brutto­inlands­produkt (BIP) spielt Costa Rica heute in einer Liga mit Kroatien oder Uruguay. Das Wachs­tum in den vergangenen Jahren betrug zwischen 3,5 und 5 Prozent. Im kommenden Jahr wollen die Ticos – wie gebürtige Costaricaner sich nennen – Beitritts­verhand­lungen mit der OECD aufnehmen, der Organisation für wirt­schaftliche Zusammen­arbeit und Entwick­lung. Aus Latein­amerika sind dort bislang nur Chile und Mexiko Mitglied.

Hehre Werte

Costa Rica hat nicht nur ethische, sondern auch ökologische Ansprüche. Die Umwelt­politik hat hohen Stellen­wert, wie das Auswärtige Amt berichtet. Oscar Arias und seine Regierung formulierten während Arias’ letzter Amts­zeit (2006 bis 2010) für Costa Rica das Ziel, bis 2021 das erste CO2-neutrale Land der Welt zu sein. 2014 sollten 95 Prozent der Energie aus erneuer­baren Quellen stammen. Ganz ist das nicht gelungen, aber immerhin kommen schon 73 Prozent des Stroms aus Wasser­kraft. Die Wurzeln der Ökologiebewegung reichen einige Jahr­zehnte zurück. Nach Angaben der Bundes­zentrale für politische Bildung vereitelten in den 1970er Jahren Umwelt­aktivisten den Bau einer Ölpipeline quer durch das Land und protestierten erfolg­reich gegen den Abbau von Bauxit. Ein Viertel des Landes steht heute unter Natur­schutz.

Export­schlager: Kaffee, Bananen und Lebens­freude

Früher lebten die Ticos vor allem vom Anbau und Export von Bananen, Ananas und Kaffee. Heute ist Costa Rica ein Industrie- und Dienst­leistungs­staat. Jedes Jahr kommen rund 2 Millionen Touristen in das Land, Tendenz steigend. Schon jetzt ist der Tourismus der Haupt­devisen­bringer. Das Land ist auch als Alters­sitz für amerikanische oder kana­dische Staats­bürger beliebt: Schönes Wetter und vergleichs­weise geringe Lebens­haltungs­kosten. Auch aus Europa kommen immer mehr Besucher in das tropische Land mit seinen Urwäldern, Natur­parks, Brüll­affen, Palmen und Tukanen. So exportiert Costa Rica seine Lebens­freude auch in die verregneten Länder Europas oder Nord­amerikas.

Auf dem Weg nach oben

Dass ein so kleines Land wie Costa Rica wirt­schaftlich erfolg­reich sein kann, dafür gibt es einige Beispiele. Im Fall von Katar ist Öl im Spiel, in Luxemburg und Liechten­stein sind es die Banken. Im Fußball ist diese Art von Erfolg eher ungewöhnlich, einmal abge­sehen von Uruguay, das mit seinen rund drei Millionen Einwohnern bereits zweimal Welt­meister war – was allerdings mehr als ein halbes Jahr­hundert her ist. Kroatien und Bosnien-Herzegowina, ähnlich groß wie Costa Rica, sind schon in der Vorrunde ausgeschieden. Eins steht fest: Auch wenn Costa Rica nicht Welt­meister wird – ihren derzeitigen FIFA-Ranglisten­platz 28 werden sie bald gegen einen höheren eintauschen und sich dann unter den ganz Großen tummeln.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

Dieser Artikel ist hilfreich. 4 Nutzer finden das hilfreich.