WM-Teilnehmer Chile Meldung

Das war Pech. Wie bei der WM 2010 mussten die Chilenen im Achtel­finale gegen Brasilien antreten, und wie in Südafrika hieß der Sieger Brasilien. Dabei wurde La Roja, wie die Mann­schaft im Volks­mund heißt, im Vorfeld als eine Art kleiner Geheimfa­vorit gehandelt. Wirt­schaftlich macht den Chilenen jedoch so schnell keiner was vor. Das Land ist eines der reichsten Latein­amerikas. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Chile in Zahlen*

WM-Teilnehmer Chile Meldung

Chile auf der Welt­karte.

Chile auf der Welt­karte.

  • Einwohner: 17,4 Millionen
  • Haupt­stadt: Santiago
  • Währung: Chile­nischer Peso, 1 Euro = 755,22 Pesos (Stand 01. Juli 2014)

Global handeln

Gemessen am BIP pro Kopf liegt Chile deutlich vor Brasilien, und auch vor den anderen latein­amerikanischen WM-Konkurrenten wie Argentinien, Mexiko oder Kolumbien. Das Brutto­inlands­produkt (BIP) pro Kopf misst die Wirt­schafts­leistung im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Dass das Land zwischen Pazifik und Anden so reich geworden ist, hat mehrere Gründe. Seit fast vier Jahr­zehnten ist Chile privatwirt­schaftlich aufgebaut, wett­bewerbs­orientiert und auf den Export ausgerichtet. Kein anderes Land der Welt hat so viele Frei­handels­abkommen geschlossen wie Chile, heißt es beim Auswärtigen Amt. Chile ist der größte Kupfer­produzent der Welt. Haupt­handels­partner ist China.

Krise gut weggesteckt

Rück­schläge in jüngerer Zeit gab es wie über­all auf der Welt durch die Finanz­krise, wobei Chile durch seine gesunden Staats­finanzen das vergleichs­weise gut weggesteckt hat. Chile ist extrem nied­rig verschuldet und gilt als das kreditwürdigste Land Latein­amerikas. Die Renditen für zehnjäh­rige Staats­anleihen liegen bei 4,75 Prozent. Von der Rating­agentur Stan­dard & Poor’s gibt’s ein zweifaches A. Damit spielt Chile in einer Liga mit Frank­reich, Österreich oder Belgien. Teuer war auch das Erdbeben im Februar 2010, das Schäden in Höhe von rund 30 Milliarden Dollar verursacht hat.

Kupfer, Jod und Salz

Chiles Wirt­schaft ist 2013 um 4,4 Prozent gewachsen, in den beiden Jahren zuvor betrug der Zuwachs mehr als 5 Prozent. Außer Kupfer exportiert das Land Lithium, Jod, Salz und andere Rohstoffe sowie Nahrungs­mittel. Im Aktien­index MSCI Chile nimmt die Kauf­hauskette Falabella die größte Position ein. Als stärkste Branche sind die Versorger vertreten, etwa die Firmen Enersis und Endesa. Der MSCI Chile hat in den vergangenen zehn Jahren in Euro gerechnet um 10,8 Prozent pro Jahr zugelegt. Seit drei Jahren liegt er allerdings im Minus. Wen speziell chile­nische Aktien interes­sieren, der kann börsen­gehandelte Indexfonds, so genannte ETF, auf den MSCI Chile kaufen. Sie gibt es etwa von db x-trackers und von iShares. Weniger riskant ist ein breiter angelegtes Investment in einen Fonds, der Aktien aus mehreren latein­amerikanischen Märkten kauft.

Ein schmaler Streifen Land

Nicht nur die schöne, weil offensiv ausgerichtete Spiel­weise der Fußball­national­mann­schaft hat Aufmerk­samkeit erregt. In jüngster Zeit zieht es auch immer Touristen an den Rand des südamerikanischen Kontinents. Es gibt viel zu entdecken: Chile erstreckt sich über mehr als 4 000 Kilo­meter von der perua­nischen Grenze im Norden bis nach Feuer­land im Süden, vorbei an pazi­fischen Stränden, Vulkanen, Seen – und der bunten Hafen­stadt Valparaiso, die im Früh­jahr durch eine mons­tröse Feuers­brunst teil­weise zerstört wurde. Das Land misst an seiner breitesten Stelle noch nicht einmal 500 Kilo­meter, bringt es aber auf Höhen­unterschiede von knapp 7 000 Metern.

Latein­amerikanische Champions League

Im Fußball haben die Chilenen noch nie einen Titel geholt. Immer waren Brasilien, Argentinien, Mexiko oder Uruguay besser. Was die Wirt­schaft angeht, sind sie Latein­amerikameister – und zwar mit Abstand. Champions League gewissermaßen.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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