WM-Teilnehmer Argentinien Meldung

Argentinien steht im Finale, zweimal waren sie schon Welt­meister. Der fußballerische Erfolg tröstet über die wirt­schaftlichen Schwierig­keiten hinweg, in denen das Land zurzeit steckt. Geringes Wachs­tum, hohe Inflation. Nun droht Argentinien zu allem noch eine neuerliche Pleite. test.de zeigt jeden Tag einen WM-Teilnehmer von seiner wirt­schaftlichen Seite.

Argentinien in Zahlen*

WM-Teilnehmer Argentinien Meldung

Argentinien auf der Welt­karte

Argentinien auf der Welt­karte

  • Einwohner: 43 Millionen
  • Haupt­stadt: Buenos Aires
  • Währung: argenti­nischer Peso, 1 Euro = 11,08 Pesos (Stand 10. Juli 2014)

Ein Urteil mit Folgen

Ein amerikanisches Gericht hat Argentinien dazu verdonnert, 1,3 Milliarden Dollar an zwei Hedgefonds zu zahlen. Wenn das Land dem nicht folgt, darf es auch die anderen Anleihen nicht mehr bedienen. Das Urteil erfolgte im Juni, die Zins­zahlung Ende des Monats hat Argentinien vor­erst gestoppt. Wenn die Regierung sie nicht binnen 30 Tagen nach­holt, heißt das erneut: Staats­pleite. Das Problem sind nicht die 1,3 Milliarden an sich, sondern die Folgen. Der Fall könnte Forderungen von weiteren 14,2 Milliarden Dollar nach sich ziehen – was Argentinien vermeiden will.

100 Milliarden Dollar Schulden

Das war ein Knaller: Im Dezember 2001 verkündete der damalige Präsident Adolfo Rodriguez die Pleite. Das Land konnte seine Schulden von mehr als 100 Milliarden Dollar nicht zurück­zahlen. Argentinien steckte da schon seit über drei Jahren in einer schweren Wirt­schafts­krise. Die Pleite traf besonders hart die Menschen im Land, die zeit­weise nicht mehr an ihre Bank­konten kamen, ihre Jobs verloren und nicht selten in die Armut abrutschten. Sie zogen zu Tausenden mit Kochtöpfen auf die Straße, um laut­stark gegen die Politik zu protestieren. Glück hatte, wer sein Geld außer Landes gebracht oder unter dem Kopf­kissen versteckt hatte, vor allem wenn es sich um harte Dollars handelte. Aber auch Investoren in aller Welt waren betroffen. Sie hatten Geld in argenti­nische Anleihen gesteckt und auf die Rück­zahlung vertraut. In Deutsch­land hatten vorwiegend private Anleger den Argentiniern rund 7 Milliarden Euro anver­traut. 2005 kam schließ­lich das erste Umschuldungs­angebot aus Argentinien, bei dem die Anleger auf rund zwei Drittel ihrer Forderungen verzichten mussten. Eine zweite Umstrukturierung folgte 2010.

Die Krise kehrt zurück

Kurz nach der Pleite ging es wieder aufwärts – und wie: Seit 2003 ist die argenti­nische Wirt­schaft jähr­lich im Schnitt um 9 Prozent gewachsen. 2009, als Folge der Finanz­krise, betrug das Wachs­tum nur 0,8 Prozent. 2010 und 2011 ging es dann nochmals weiter nach oben mit Raten um die 9 Prozent. Im Jahr 2012 hat sich der Schwung jedoch gelegt. Ein großes Problem sind seit einiger Zeit die hohen Inflations­raten: 2012 stiegen die Preise nach Angaben des World Factbook (CIA) um 25,3 Prozent, im vergangenen Jahr nochmals um 20,8 Prozent. Unter Präsidentin Cristina de Fernandez Kirchner wurden die Eingriffe des Staates in die Wirt­schaft wieder verschärft. 2012 hat die Regierung Teile des Energiekonzerns YPF, einer Tochter der spanischen Firma Repsol, verstaatlicht. Eine Entschädigung dafür gab es erst über ein Jahr später. Kirchner hat außerdem den Devisen­handel einge­schränkt und Import­kontrollen einge­führt.

Kleine Rolle in den Fonds

In den Aktienfonds Latein­amerika spielt Argentinien nur eine kleine Rolle. Die börsen­gehandelten Indexfonds (ETF) auf den Index MSCI Latin America enthalten keine argenti­nischen Aktien – der Index bezieht sich nur auf die Aktienmärkte der Länder Brasilien, Mexiko, Chile, Kolumbien und Peru. Auch einige gemanagte Fonds verzichten völlig auf Aktien aus dem Land am Rio de la Plata. Andere wie der Henderson Gartmore Latin American oder der Templeton Latin America haben zumindest einen kleinen Anteil argenti­nischer Papiere im Portfolio. Die einzige Position im Henderson-Fonds sind Aktien des Energiekonzerns YPF. Mark Mobius, Manager des Templeton, setzt dagegen auf zwei weniger bekannte Papiere aus der Stahl­industrie. Im Index MSCI Argentina sind sechs Werte enthalten: die Energiekonzerne YPF und Petrobras Argentina, die Finanz­institute Banco Marco, BBVA Banco Frances und Grupo Financiero Galicia sowie die Telecom Argentina.

Gött­liche Spieler

Anfang des 20. Jahr­hunderts war Argentinien eines der reichsten Länder der Erde. Damals waren die Haupt­export­güter land­wirt­schaftliche Produkte wie zum Beispiel Rind­fleisch, die in der Welt reißenden Absatz fanden. Der Fußball hatte seine Höhe­punkte in den siebziger und acht­ziger Jahren, als die Albiceleste, wie die Fußball­national­mann­schaft wegen ihrer weiß-blauen Trikot­farben genannt wird, zweimal den Welt­meister­titel erkämpfte. Einmal 1978 im eigenen Land gegen die Nieder­lande, einmal 1986 in Mexiko – im Finale gegen Deutsch­land. Argentinien hat den wahr­scheinlich berühmtesten Fußballer der Welt hervorgebracht: Diego Armando Maradona. Bei der WM in Mexiko gelangte der quir­lige Stürmer zu Welt­ruhm, durch sein tolles Spiel, aber vor allem durch sein erstes Tor gegen England, das er mit „der Hand Gottes“ (Zitat Maradona) erzielte. Sein zweites Tor in diesem Spiel, nach einem Dribb­ling über das halbe Feld, wurde zum Tor des Jahr­hunderts gekürt. Für das Finale der WM 2014 hoffen die Argentinier auf ein gött­liches Spiel ihres Super­stars Lionel Messi – dem es übrigens schon einmal gelang, eine fast exakte Kopie des Jahrhunderttors von Maradona zu fabrizieren.

* Quellen: The World Factbook, Thomson Reuters

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