WGF insolvent Nicht alles ist verloren

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WGF insolvent - Nicht alles ist verloren

Die Düssel­dorfer Immobilienfirma WGF, West­fälische Grund­besitz und Finanz­verwaltung AG, ist zahlungs­unfähig. Das Unternehmen hat kürz­lich Insolvenz beim Amts­gericht Düssel­dorf angemeldet. Die WGF hat­te Hypotheken­anleihen und Genuss­scheine an Anleger ausgegeben. Hoff­nungs­schimmer zumindest für Anleihen-Käufer: Die Anleihen sind erst­rangig durch Immobilien besichert.

WGF-Anleihen sind mit Immobilien abge­sichert

Die WGF hatte seit dem Jahr 2004 sogenannte Hypotheken­anleihen an Anleger ausgegeben. Eine solche Anleihe ist ein fest­verzins­liches Wert­papier, das mit Grund­pfandrechten an Immobilien im Eigentum der WGF abge­sichert ist. Alle von der WGF heraus­gegebenen Hypotheken­anleihen sind erst­rangig besichert. Damit wird dem Anleger ein erst­rangiges Pfandrecht einge­räumt. Im jetzigen Insolvenzfall kann WGF keine Zinsen und keine Rück­zahlungen von Anleihen gewähren. Die Anleger haben somit das Recht, sich das ausstehende Geld zurück­holen, wenn die WGF-Immobilien verkauft werden müssten. Soweit ist es aus WGF-Sicht jedoch noch nicht. „Wir werden in den kommenden Wochen einen Insolvenz­plan ausarbeiten, der die Sanierung des Unter­nehmens vorsieht, den Gläubigern eine Quotenzahlung auf ihre Forderungen anbietet und diesen Plan den Gläubigern auf einer Gläubiger­versamm­lung nach Insolvenz­ordnung zur Abstimmung stellen“, kündigte der Sanierungs­vorstands der WGF, Bernd Depping an. Nach seinen Angaben beträgt der Nominal­wert der ausstehenden Anleihen etwa 200 Millionen Euro.

WGF-Genuss­scheine droht Total­ausfall

Die WGF hatte 2010 und 2011 auch Genuss­scheine ausgegeben und damit nach eigenen Angaben 2,7 Millionen Euro einge­nommen. Damit sind Anleger direkt mit am unternehmerischen Risiko beteiligt – und das reicht bis bis hin zum Total­verlust der Anlage. Im Jahr 2011 betrug der WGF-Verlust 68,1 Millionen Euro, teilte das Unternehmen heute mit. Anleger müssen auch damit rechnen, dass der Immobilien­finanzierer auf seine Genuss­scheine keine Zinsen zahlt.

Tipp: Haben Sie WGF-Anleihen im Depot, sollten Sie schnell einen Anwalt für Bank- und Kapitalmarkt­recht aufsuchen und ihre Ansprüche prüfen lassen. Viel schlechter sind Ihre Aussichten für Genuss­scheine. Aber auch da sollten Sie Ihre Ansprüche prüfen lassen.

Hinweis: test.de hat die Höhe der Einnahmen der WGF über Genuss­scheine in einer älteren Fassung dieses Textes mit „rund 130 Millionen Euro“ beziffert. Diese Zahl haben wir nach einem Hinweis des Anbieters korrigiert.

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Denich am 04.01.2013 um 00:36 Uhr
DSW hilft auch Nichtmitgliedern kostenlos

Einfach per Mail beim DSW anmelden, dass man WGF-Anleihen hat und das man vom DSW betreut werden will. Man wird dann vom DSW auf dem Laufenden gehalten und sollten Maßnahmen ergriffen werden müssen, die kostenpflichtig wären wird man vorher informiert.
MIt anderen Worten - man geht hier kein zusätzliches Risiko ein.

liditine am 24.12.2012 um 12:03 Uhr
Anwälte

Es ist schon fast zu bewundern, wie schnell bei einem Kapitalmarktereignis Anwälte auf der Matte stehen, um die verunsicherten Gläubiger mit ihren Diensten zu beglücken. Als Eintrittsgeld muß der gebeutelte Anleger meistens mindestens 50,00 EUR löhnen, egal was danach noch kommt. Vergessen sollte man nicht, daß das vielleicht die gleichen Leute sind, die den Menschen bei den kleinsten Wettbewerbsverstössen das Fell über die Ohren ziehen. Da Ich mit 10.000,00 EUR selbst in der Insolvenz stecke, bin ich heilfroh eine Rechtsschutzversicherung zu haben und Mitglied bei der SDK zu sein, die die Interessen ihrer Mitglieder in einem solchen Fall professionell vertritt und das für 65,00 EUR im Jahr. Eine Interessante Zeitschrift, gibt es noch dazu.

Mykal am 20.12.2012 um 22:06 Uhr
Hypothekenanleihen

Eine Grundschuldübersicht gibt es bei www.hlfp.de
Interessant ist auch der Bericht bei Pro7 von Sergio Pinos Ehefrau als reiche Bigspenderin in Düsseldorf.

Infosearch am 19.12.2012 um 21:16 Uhr
Schutzvereinigung unterstützt betroffene Anleger

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V. (DSW) unterstützt betroffene Anleger bei der Wahrnehmung ihrer Interessen. Dies betrifft natürlich in erster Linie Mitglieder, aber sicherlich lohnt sich eine Anfrage dort, ob diese Unterstützung auch für (ganz) neue Mitglieder übernommen wird. Ist vermutlich deutlich kostengünstiger als ein Anwalt. Mehr darüber unter www.dsw-info.de