Interview: „Nicht notwendig“

WC-Reiniger Test

Viele WC-Reiniger werben mit antibakteriellen Eigenschaften. Warum solche Versprechen wenig sinn­voll sind, erläutert der erfahrene Berliner Hygiene-Professor Henning Rüden.

Wie bewerten Sie den routine­mäßigen Einsatz bakterienbekämpfender Mittel im Bereich des WCs?

Die physiologische Darm­flora ist nicht gesund­heits­gefähr­dend. Folg­lich gilt das dann auch für den menschlichen Stuhl. Eine Bakterienreduktion in und auf WC-Becken ist deshalb aus hygie­nischer Sicht nicht notwendig. Außerdem belasten biozidhaltige Mittel unnötig das Abwasser.

Abge­sehen davon, dass man mit der Klosett­schüssel ohnehin fast nie in Kontakt kommt – wäre eine Bakterienbekämpfung aus hygie­nischer Sicht dort über­haupt relevant?

Nein. Im Durch­schnitt vermindert ein antibakterieller Reiniger die Bakterien um etwa 99 Prozent. In einem Gramm Stuhl sind jedoch etwa 10 Milliarden Bakterien enthalten, von denen dann etwa 100 Millionen über­leben. Diese Verminderung von Bakterien wäre unzu­reichend, wenn ein Infektions­risiko an dieser Stelle bestünde.

Welche WC-Hygiene ist sinn­voll, wenn ein Familien­mitglied eine infektiöse Darm­erkrankung hat?

Die normale Reinigung ohne Desinfektions­mittel­zusätze ist ausreichend. WC-Sitz und -Außenflächen können mit haus­halts­üblichen Lappen gereinigt werden, die dann mit heißem Wasser ausgespült werden. Wichtig ist die Händehygiene: gründlich mit Seife unter fließendem Warm­wasser. Um einen sicheren Schutz vor Anste­ckung zu bewirken, ist für alle Familien­mitglieder in diesem Fall auch ein Hände­des­infektions­mittel zu empfehlen und zwar eines ohne Farb- oder Duft­stoffe, denn diese können Allergien auslösen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 152 Nutzer finden das hilfreich.