WC-Reiniger Test

Häss­liche Kalk­ablagerungen müssen nicht sein. Säurehaltige WC-Reiniger sorgen für neuen Glanz der Klokeramik. 10 von 16 schaffen das gut.

Nach diesem Test müssten die Toiletten in der Stiftung Warentest glänzen, könnte man meinen. In Wahr­heit verdrückten sich die Tester zum Prüfen nicht aufs stille Örtchen, sondern arbeiteten wie üblich im Labor. In normal genutzten Klosetts wäre der Schmutz zu verschieden­artig und die Wirkung nicht vergleich­bar.

Im Test konzentrieren sich die Prüfer auf den hartnä­ckigsten Feind jeder Klokeramik: den Kalk. Bei jeder Spülung gelangt er mit hartem Trink­wasser in die Schüssel und bildet häss­liche Beläge. Die gilt es zu beseitigen. Das Prüf­programm für WC-Reiniger erspart es den Mitarbeitern, Ablagerungen aus Toiletten­becken sammeln zu müssen. Sie nutzen statt­dessen Kalk in seiner schönsten Form: Carrara-Marmor – in hand­lichen kleinen Platten im Format 15 mal 7,5 mal 0,8 Zenti­meter.

Chemie ist, wenn es schäumt

Jetzt ist Präzision gefragt: Die Laborantin wiegt jede Marmorplatte exakt, aufs hundertstel Gramm genau. Dann muss der Marmor leiden. Sie taucht die Platte für zehn Sekunden in ein Bad aus purer saurer WC-Reiniger-Flüssig­keit und stellt sie auf ein Abtropf­gestell. Hier hat die ätzende Säure zehn Minuten Zeit, um sich weiter in den Kalk zu fressen. Die chemische Reaktion ist so heftig, dass sich schäumendes Kohlen­dioxid bildet. Sobald die Stopp­uhr das Ende der Prozedur signalisiert, spült die Laborantin die Marmorplatte mit Wasser ab und befördert sie in einen Trocken­schrank. Zum Schluss geht es wieder auf die Waage. Der Gewichts­verlust zeigt, wie viel Kalk die WC-Reiniger-Lösung beseitigt hat.

Die Besten schaffen dreimal so viel

WC-Reiniger Test

Eine Kalk­platte wird in WC-Reiniger getaucht. Spannende Frage: Wie viel Kalk frisst die Säure?

Die besten Produkte entfernen in der gleichen Zeit rund dreimal so viel Kalk wie die schlechtesten. 10 der 16 meist zähflüssigen WC-Reinigergele im Test schneiden am Ende gut ab, 3 befriedigend und 3 ausreichend. Exemplarisch haben wir auch Alternativ­produkte – Tabs, Pulver und Schaum – untersucht. Keines davon kann mit den guten Gelen konkurrieren.

Was an senkrechten Wänden wirkt

WC-Reiniger Test

Gele auf senkrechten Test­flächen. Das Fließ­verhalten ist unterschiedlich. Links: Gelungener Kompromiss zwischen Klebenbleiben und groß­flächiger Benet­zung (Sagrotan). Rechts: Beste Haftung, aber weniger benetzte Fläche (Domestos WC-Blitz).

Gele auf senkrechten Test­flächen. Das Fließ­verhalten ist unterschiedlich. Links: Gelungener Kompromiss zwischen Klebenbleiben und groß­flächiger Benet­zung (Sagrotan). Rechts: Beste Haftung, aber weniger benetzte Fläche (Domestos WC-Blitz).

Kalk­ablagerungen sitzen ebenso wie rötlich-braune Rost­spuren oft an den Innenwänden der Kloschüssel. Um derartigen Schmutz erfolg­reich zu bekämpfen, müssen WC-Reiniger vor allem eines können: gut haften. Ob sie das schaffen, über­prüften die Tester auf glatten, schräg stehenden Keramikfliesen (siehe Fotos - Gele auf senkrechten Test­flächen).

Dünn­flüssige Mittel tropfen in fünf Minuten zu mehr als 50 Prozent ab. Vom zähflüssigsten Gel, Domestos WC-Blitz, sind dagegen noch mehr als 90 Prozent vorhanden. Nachteil: Dieser „viskose“ Reiniger verläuft etwas schlechter und benetzt weniger Fläche. Das Test­urteil für Haft- und Benet­zungs­verhalten berück­sichtigt alle Aspekte. Hier erweist sich die Rezeptur von Sagrotan als besonders ausgewogen.

Tipp: Ein Trick hilft, um den WC-Reiniger daran zu hindern, zu schnell von senkrechten Wänden herunter­zulaufen. Spritzen Sie das Mittel wie üblich ins WC. Legen Sie dann ein Stück Toiletten­papier auf den besonders behand­lungs­bedürftigen Wand­bereich. Die konzentrierte Reinig­erlösung bleibt dort „kleben“ und kann so länger einwirken. Anschließend spülen und mit der Bürste nach­putzen.

Was sich gut verteilen lässt

Laborprüfungen sind wichtig, aber die Hand­habung untersuchten wir im Praxis­test – mit 20 Probanden pro WC-Reiniger. Die machen über­wiegend gute Erfahrungen. Doch nicht jeder Reiniger erweist sich als anwenderfreundlich.

  • Das dickste Lob gibt es für die Hand­habung der beiden WC-Enten im Test. WC Ente Canard Kraft­paket 6in1 erzielt da fast die Note sehr gut. Plus­punkte sind die hand­liche Verpackung mit dem geschwungenen Hals, die Gebrauchs­anleitung und die gute Verteil­barkeit der Flüssig­keit. Achtung: Während das Kraft­paket 6in1 Ablagerungensuper entfernt, schafft WC Ente Canard Citrus-Gel das nur ausreichend.
  • Auch die WC-Reiniger Domestos Aktiv Kraft und Sagrotan Komplett Atlantik­frisch beur­teilen die Tester als besonders zweck­mäßig, gut dosier- und verteil­bar.
  • Aldi-Reiniger seien etwas dünn­flüssig und ließen sich weniger gut dosieren und verteilen, kritisieren mehrere Prüfer.
  • Der relativ zähflüssige Domestos WC-Blitz erweist sich als mäßig verteil­bar.
  • Im Vergleich zu Pulverreinigern (siehe Pulver, Tabs und Schaum) beur­teilen die Nutzer die Gele unterm Strich durchweg positiver.

Für 2 Cent oder mehr als 50 Cent

Mit präzisen Dosierhin­weisen glänzen die wenigsten WC-Reiniger. Milli­litergenaue Empfehlungen und eine Skala zum Abmessen bieten nur die Reiniger von Lidl und Aldi. Bei den meisten anderen Produkten fehlen klare Empfehlungen. Terra sagt dazu gar nichts. Die Nutzer müssen nach eigenem Ermessen dosieren. Je nach Konsistenz der Flüssig­keit und Düsen­durch­messer kommt mehr oder weniger in die Kloschüssel. Wie viel das im Durch­schnitt ist, haben wiederum 20 Prüf­personen ausprobiert. Ergebnis: Sie brauchen zum Beispiel vom Denk­mit von dm im Mittel nur eine Einsatz­menge von etwa 27 Gramm.

Tipp: Testsieger dm Denk­mit und der befriedigende Lidl W5 sind mit etwa 2 Cent pro Anwendung am billigsten (siehe Tabelle). Marken­produkte kosten ein Vielfaches – und schneiden oft schlechter ab.

Am teuersten sind die exemplarisch mitgeprüften Pulver (siehe Pulver, Tabs und Schaum). Die Verpackung des Kauf­land K-Classic ist so gestaltet, dass ungewollt viel Pulver in die Kloschüssel rieselt. Am Ende kann die Anwendung mehr als 25-mal so viel kosten wie bei den güns­tigsten Gelen. Wählen Sie Reiniger, die spar­sam dosier­bar sind. Das schont auch die Umwelt.

Unnötige Abwasser­belastung

Wer befürchtet, dass alle sauren Mittel stark das Abwasser und die Klär­anlagen belasten, sorgt sich unnötig. Das häusliche Abwasser neutralisiert die Säuren der WC-Reiniger bereits in der Kanalisation. Positiv beur­teilen wir Rezepturen auf Basis organischer Säuren wie Zitronensäure. Die werden ebenfalls schnell neutralisiert und lassen sich in Klär­anlagen von Mikro­organismen leicht biologisch abbauen. Kritischer sind schwerer abbaubare Substanzen wie Amidosulfonsäure sowie quaternäre Ammonium­verbindungen, die als bakterientötende Biozide einge­setzt werden. Reiniger mit derartigen etwas problematischen Inhalts­stoffen sind im Prüf­punkt Umwelt­eigenschaften nur befriedigend.

Tipp: Die Auswahl an umwelt­schonenden Produkten ist groß. Greifen Sie zu wirk­samen WC-Reinigern ohne besonders abwasser­belastende Chemikalien und dosieren Sie spar­sam. Unsere Tipps helfen, die Mittel effizient einzusetzen.

Werbung, die Sie ignorieren sollten

Mit der Angst vor Bakterien versuchen mehrere Anbieter ein Geschäft zu machen. Das ist ärgerlich. Desinfizierende Produkte sind im Haus­halts­alltag grund­sätzlich nicht empfehlens­wert. Erst recht nicht in der Kloschüssel, mit der die Haut selten in Kontakt kommt und wo Bakterienbekämpfung ohnehin nicht viel bringt (siehe Interview). Fragwürdige Werbe­versprechen zur Hygiene sollten Sie beim Kauf ignorieren.

Echt ätzend

Im Labor haben wir gemessen, wie stark die Säure­wirkung der Mittel ist. Je kleiner der pH-Wert (siehe Tabelle), desto saurer. Einige sind sogar als ätzend gekenn­zeichnet.

Tipp: Beachten Sie Sicher­heits­hinweise auf den Verpackungen. Am wichtigsten: Keine Spritzer in die Augen kommen lassen.

Die Sorge, saure WC-Reiniger könnten die Sanitärkeramik schädigen, ist unbe­gründet. Auch bei Tests mit Tropfen auf handels­üblichen Klodeckeln sind keine Schäden sicht­bar.

Tipp: Wischen Sie Spritzer, die daneben­gehen, immer sofort weg. Spülen Sie getroffene Badtextilien oder Kleidung vorsichts­halber aus. Manchmal macht sauer nicht sauber, sondern verursacht Flecken – das ist dann gar nicht lustig.

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