Organspende

Vorsorgevoll­macht & Patienten­verfügung Special

Jeder kann in die Situation kommen, nur noch mithilfe eines lebens­rettenden Spender­organs wie Niere, Leber, Herz oder Lunge weiterleben zu können. Es ist medizi­nisch möglich, Organe eines Verstorbenen zu entnehmen und einem Empfänger zu trans­plantieren. Diese so genannte post­mortale Organspende ist in Deutsch­land gesetzlich geregelt und unterliegt strengen Auflagen: Der Verstorbene muss vor seinem Tod dokumentiert haben, dass er einer Organspende zustimmt – zum Beispiel in einem Organspende­ausweis oder in einer Patientenverfügung. Ist dies nicht der Fall, können Verwandte oder Angehörige nach dem mutmaß­lichen Willen des Verstorbenen befragt werden.

Selbst bestimmen – mit dem Organspende­ausweis

In einem Organspende­ausweis kann jeder ab dem 16. Geburts­tag seine Bereitschaft zur Organspende erklären. Eine obere Alters­grenze gibt es nicht. Entscheidend ist der Zustand der Organe, nicht des Lebens­alters. Auf der Vorderseite des Ausweises sind die Adress­daten erfasst. Auf der Rück­seite kann der Ausweis­inhaber per Kreuzchen seine Wünsche dokumentieren.

Vorsorgevoll­macht & Patienten­verfügung Special
  1. Uneinge­schränkte Spende. Mit dem Kreuz an dieser Stelle werden alle Organe und Gewebe gespendet.
  2. Mit Ausnahme. Bestimmte Organe werden hier von der Spende ausgeschlossen.
  3. Selbst wählen. Sollen nur bestimmte Organe und Gewebe freigegeben werden, ist das Kreuz hier erforderlich.
  4. Volle Ablehnung. Hier kann die Organspende, egal aus welchem Beweg­grund, komplett abge­lehnt werden.
  5. Andere entscheiden. Eine Vertrauens­person entscheidet. Die erwähnte Person wird im Fall des Todes benach­richtigt.

Sinn­voll ist, den ausgefüllten Organspende­ausweis ständig bei sich zu führen. Der Organspende­ausweis aus Deutsch­land hat auch in anderen Ländern Gültig­keit. Ohne Organspende­ausweis können Reisende im Ausland gegen ihren Willen zum Organspender werden, darauf weist die Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hin. Denn Grund­lage für den Umgang mit einem potenziellen Spender sind nicht die Rege­lungen im Herkunfts-, sondern im Aufenthalts­land. Liegt ein deutscher Organspende­ausweis vor, wird der Wunsch des Verstorbenen allerdings in der Regel berück­sichtigt.

Tipp: Einen Organspende­ausweis können Sie über die Internetseite organspende-info.de ausdrucken oder bestellen. Der Organspende­ausweis ist außerdem neben der deutschen Fassung in 28 weiteren Sprachen erhältlich. Ansprech­partner sind auch Haus­ärzte.

Positive Einstellung zur Organspende

In Deutsch­land haben viele Bürger eine positive Einstellung zum Thema Organ-und Gewe­bespende. Mit 84 Prozent ist diese Einstellung im 2018 so hoch wie nie zuvor. Das ergab eine Repräsentativbefragung des BZgA. Auch besitzen immer mehr Menschen einen Organspende­ausweis: Waren es 2012 noch 22 Prozent, sind es im Jahr 2018 bereits 36 Prozent. Folgende Gründe geben die Befragten für ihre Zustimmung zu einer Organspende an:

  • Wunsch, anderen helfen (Altruismus),
  • dem eigenen Tod einen Sinn geben,
  • nicht mehr benötigte Organe und Gewebe sollen anderen zugute kommen,
  • Handeln nach dem Gegen­seitig­keits­prinzip, um gegebenenfalls auch selbst eine Spende zu erhalten,
  • persönliche oder berufliche Erfahrungen.

Neues Trans­plantations­gesetz

Trotz hoher Spenden­bereitschaft sind die Spenderzahlen auf einem Tief­punkt – im Jahr 2017 spendeten 797 Verstorbene Organe, das sind 60 weniger als im Jahr zuvor. Gleich­zeitig stehen auf der Warteliste rund 10 000 Menschen, für die ein Spender­organ eine neue Lebens­chance bedeutet. Damit sich etwas ändert, hat die Politik ein neues Trans­plantations­gesetz auf den Weg gebracht, das in der ersten Jahres­hälfte 2019 in Kraft treten soll. Ziel: In den Kliniken sollen Organspenden Alltag werden. Die Abläufe bei der Erkennung möglicher Organspender sollen verbessert und Trans­plantations­beauftragte mehr Zeit haben. Kliniken, die sich bei Organspenden engagieren, besser vergütet werden. Der Bundes­tag muss über den Gesetz­entwurf noch beraten (Organspende: Das soll das neue Transplantationsgesetz bringen).

Unterschiedliche Regeln in Europa

Das Einverständnis zur Organspende regeln die EU-Länder unterschiedlich. In Deutsch­land gilt die Entscheidungs­lösung, auch Zustimmungs­lösung genannt. Ohne Zustimmung des Betroffenen oder seiner ­Angehörigen darf kein Organ entnommen werden. Hingegen gilt in 17 europäischen Ländern die so genannte Wider­spruchs­lösung, etwa in Bulgarien, Frank­reich, Irland, Italien, Österreich, Polen, Spanien, Ungarn oder Zypern. Das heißt: Hat die verstorbene Person einer Organspende zu Lebzeiten nicht ausdrück­lich wider­sprochen, zum Beispiel in einem Wider­spruchs­register, können Organe zur Trans­plantation entnommen werden.

Doppelte Wider­spruchs­lösung auch in Deutsch­land?

In einigen Ländern haben Angehörige das Recht, zu wider­sprechen, wenn keine Entscheidung der verstorbenen Person vorliegt. Diese Wider­spruchs­lösung mit Einspruchs­recht gilt etwa in Belgien, Estland, Finn­land und Norwegen. In Deutsch­land gibt es eine Diskussion darüber, ob die bisherige Regelung durch eine sogenannte doppelte Wider­spruchs­regelung ersetzt werden kann. Das würde bedeuten: Jeder, der nicht zu Lebzeiten ausdrück­lich einer Organspende wider­spricht, ist auto­matisch Spender. Oder, vereinfacht ausgedrückt: Wer schweigt, stimmt zu. Bundes­gesund­heits­minister Jens Spahn und andere plädieren für eine neue Wider­spruchs­regelung (siehe test.de-Interview mit Jens Spahn).

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