Bank­voll­macht

Vorsorgevoll­macht & Patienten­verfügung Special

Kann ein Mensch nicht mehr für sich entscheiden, sollte ein anderer auf das Konto zugreifen können: Um Geld zu über­weisen, Vermögen und Depot zu verwalten oder – falls nötig – das Konto zu kündigen. Banken reicht dafür oft eine einfache Vorsorgevoll­macht nicht aus. Sie verlangen ein Bank­voll­macht. Konto­inhaber sollten nach­fragen, was gilt.

Banken verwenden oft eigene Formulare

In vielen Voll­machten regeln Voll­macht­geber, dass ihr Bevoll­mächtigter alles darf. Er soll auch über Giro- und Spar­konto, Depot und Vermögen verfügen dürfen. Das Problem in der Praxis: Oft erkennen Banken und Sparkassen eine einfache Vorsorgevollmacht nicht an. „Einfach“ heißt: unter­schrieben, aber nicht von einem Notar beglaubigt oder beur­kundet. Banken und Sparkassen akzeptieren häufig nur eine notariell beglaubigte Voll­macht sowie instituts­eigene Formulare. Das bedeutet: Wer nicht zum Notar gehen möchte und Konten bei verschiedenen Banken hat, braucht für jede Bank eine extra Voll­macht, die er in der jeweiligen Filiale unter­schreiben muss.

Das Vorsorge-Set der Stiftung Warentest

Recht­zeitig regeln. Patienten­verfügung, Vorsorgevoll­macht, Betreuungs­verfügung: Das Vorsorge-Set informiert, welche Verfügung was leistet und wo die Fall­stricke liegen. Außerdem erklären wir, was beim Verfassen eines Testaments zu beachten ist und wie man den digitalen Nach­lass regelt.

Richtig regeln. Der Ratgeber der Stiftung Warentest enthält die wichtigsten Formulare zum Heraus­trennen und Abheften. Zu allen Formularen gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die in verständlichem Deutsch abge­fasst sind. Das Buch hat 144 Seiten und ist im test.de-Shop für 14,90 Euro erhältlich (PDF/E-Book: 11,99 Euro).

Bei der Bank nach­fragen

Konto­inhaber sollten klären, ob ihrer Bank eine Vorsorgevoll­macht reicht oder ob eine Konto­voll­macht nötig ist, damit der Bevoll­mächtigte handeln darf. Instituts­eigene Formulare müssen Konto­inhaber und Bevoll­mächtigter gemein­sam unter­schreiben. Direkt­bank­kunden finden instituts­eigene Voll­machten oft auf der Internetseite ihrer Bank oder können diese anfordern. Auch hier müssen sowohl der Konto­inhaber als auch der Bevoll­mächtigte unter­schreiben. Anschließend senden sie die Bank­voll­macht an die Direkt­bank. Der Bevoll­mächtigte weist sich in der Regel mittels Postident aus. Manche Banken bieten auch eine Identitäts­prüfung per Video-Chat.

Konto­voll­macht über den Tod hinaus

Der Konto­inhaber entscheidet, ob die Voll­macht mit dem Tod erlischt oder darüber hinaus gilt. Letzteres ist sinn­voll, da der Bevoll­mächtigte nach einem Todes­fall oft hohe Rechnungen bezahlen muss, beispiels­weise für eine Wohnungs­auflösung und -reno­vierung, für die Beerdigung oder einen Sarg.

Vertrauen ist Grund­voraus­setzung

Ebenso wie bei der Vorsorgevoll­macht ist absolutes Vertrauen zur bevoll­mächtigten Person Grund­voraus­setzung. Je nach Familien­konstellation eignen sich der Ehepartner oder erwachsene Kinder, aber auch andere Verwandte oder Freunde.

Widerruf der Bank­voll­macht möglich

Der Voll­macht­geber kann die Bank­voll­macht jeder­zeit widerrufen. Am besten tut er das schriftlich, damit für die Bank ersicht­lich wird, dass das Dokument ungültig ist.

Wenn die Bank die Vorsorgevoll­macht nicht akzeptiert

Zwar verlangen viele Banken und Sparkassen eine Bank­voll­macht oder notarielle Voll­macht, eine gesetzliche Vorschrift dafür gibt es jedoch nicht. Ein Bevoll­mächtigter mit einer einfachen Vorsorgevoll­macht führte einen Rechts­streit gegen eine Sparkasse, weil diese ihm den Zugriff auf das Spar­konto der Mutter verweigerte, obwohl er eine von ihr unter­schriebene Vorsorgevoll­macht vorlegte. Der Sohn klagte durch zwei Instanzen und bekam Recht. Die Sparkasse erstattete ihm seinen Zins­schaden und seine Anwalts­kosten in Höhe von insgesamt rund 2 580 Euro (Land­gericht Detmold, Az. 10 S 110/14). Bevoll­mächtigte können sich auf dieses Urteil berufen, wenn ihre Sparkasse oder Bank die Vorsorgevoll­macht nicht akzeptiert. Eine Rechts­pflicht für Bank­institute begründet dieses Land­gerichts­urteil aber nicht. Weigert sich eine Bank, die Voll­macht anzu­erkennen, müssen Bevoll­mächtigte abwägen, ob sie einen Rechts­streit führen.

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