Interview: Selbst bestimmen

Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung Special

Die Entscheidung für oder gegen eine Patienten­verfügung muss jeder für sich treffen. Sie hilft, das Selbst­bestimmungs­recht wahr­zunehmen, weiß Petra Vetter, Fach­anwältin für Medizinrecht.

Warum ist eine Patienten­verfügung sinn­voll?

Jede ärzt­liche Behand­lung bedarf der Einwilligung des Patienten. Auch wenn jemand aktuell nicht mehr in der Lage ist, ein Gespräch mit dem Arzt zu führen und einer Behand­lung zuzu­stimmen oder diese abzu­lehnen, kommt es auf seine Einwilligung an. Mit einer Patienten­verfügung, die in gesunden Tagen schriftlich im Voraus erstellt wurde, kann für genau diesen Fall vorgesorgt werden.

Worauf ist im Detail zu achten?

In der Patienten­verfügung sollte konkret fest­gelegt sein, welche Folgen einer Erkrankung, zum Beispiel dauer­hafte Kommunikations- und Entscheidungs­unfähigkeit, jemand für sich akzeptieren oder nicht akzeptieren will und welche Behand­lung er in seiner Situation wünscht oder ablehnt. Die Ärzte müssen sich an den schriftlich geäußerten Willen halten. Das kann auch bedeuten, dass zum Beispiel lebens­verlängernde Maßnahmen nach dem erklärten Willen unterlassen werden müssen, auch wenn der behandelnde Arzt der Über­zeugung ist, dass sie medizi­nisch ange­zeigt wären. Die Patienten­verfügung ist das richtige Mittel, um für den Fall der Fälle sein Selbst­bestimmungs­recht wahr­zunehmen.

Sind Form­vorschriften zu beachten?

Die Patienten­verfügung setzt Voll­jährigkeit voraus. Wer eine Verfügung erstellt, muss zudem einsichts- und entscheidungs­fähig sein. Entscheidend ist, ob jemand die Art und Trag­weite der Rege­lungen erfasst. Das Dokument kann hand­schriftlich verfasst oder ein vorgefertigtes Formular sein. Wichtig ist aber, dass die Verfügung immer eigenhändig unter­schrieben ist, sonst ist sie form­unwirk­sam.

Wer hilft bei der Entscheidung, ob Patienten­verfügung oder nicht?

Die Klärung dieser Frage braucht manchmal Zeit. Es ist sinn­voll, sich immer mal wieder damit zu beschäftigen, welche Behand­lungen zum Beispiel nach einem schweren Unfall, einem Schlag­anfall oder lebens­gefähr­lichen Verletzungen wünschens­wert sind oder nicht. Die eigenen Wert­vorstel­lungen zu Leben, Sterben und Tod helfen dabei, sich bewusst für oder gegen eine Patienten­verfügung zu entscheiden. Fragen zu lebens­verlängernden Maßnahmen können auch mit einem Arzt besprochen werden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 133 Nutzer finden das hilfreich.