Grund­satz­urteil: Was bedeutet Sterbe­hilfe?

Sterbe­hilfe ist in Deutsch­land unter bestimmten Voraus­setzungen erlaubt. Den Unterschied zwischen passiver und aktiver Sterbe­hilfe hat der Bundes­gerichts­hof in einem Grund­satz­urteil im Jahr 2010 klar­gestellt (BGH, Az. 2 StR 454/09).

Passive Sterbe­hilfe. Passiv ist eine Sterbe­hilfe durch Unterlassen, Begrenzen oder Beenden einer begonnenen medizi­nischen Behand­lung. Sie ist gerecht­fertigt, wenn dies dem tatsäch­lichen oder mutmaß­lichen Patientenwillen entspricht. Sie muss dazu dienen, einem Krank­heits­prozess seinen Lauf zu lassen, der ohne Behand­lung zum Tode führt.

In dem vom Bundes­gerichts­hof zu entscheidenden Fall lag eine Frau nach einer Hirn­blutung im Wachkoma. Eine Besserung ihres Gesund­heits­zustands war nicht mehr zu erwarten. Ihre Grund­erkrankung hätte ohne künst­liche Behand­lung einen irre­versiblen tödlichen Verlauf genommen. Ihren Angehörigen hatte die Patientin zu gesunden Zeiten mitgeteilt: Für den Fall, dass sie einmal in einer solchen Situation sei und sich dazu nicht mehr äußern könne, wolle sie keine lebens­verlängernden Maßnahmen in Form von künst­licher Ernährung und Beatmung und nicht an irgend­welche „Schläuche“ ange­schlossen werden. Die Ärzte und Betreuer entschieden, die künst­liche Ernährung abzu­brechen und die Magensonde zu entfernen. Ein derartiger Behand­lungs­abbruch ist zulässig, entschied der Bundes­gerichts­hof.

Aktive Sterbe­hilfe. Gezielte Eingriffe in das Leben eines Menschen, bei denen es nicht um den Abbruch einer medizi­nischen Behand­lung geht, sind dagegen aktive Sterbe­hilfe. Sie ist in Deutsch­land strafbar, unabhängig davon, ob sie auf Verlangen des Patienten geschieht oder nicht.

Dieser Artikel ist hilfreich. 133 Nutzer finden das hilfreich.